MyMz
Anzeige

Modellprojekte

Nahverkehr soll den Turbo einschalten

Mit Projekten und Investitionen will Kelheims Landrat mehr Menschen für flexiblere Verkehrsmittel gewinnen. Das kostet aber.
Von Martina Hutzler

Fahrerlos, allerdings noch mit einem „Aufpasser“ an Bord unterwegs: Durch Bad Birnbach rollt seit heuer ein autonom-fahrender Mini-Bus. Für ein ähnliches Modellprojekt interessiert sich der Kreis Kelheim. Foto: Tobias Hase/dpa
Fahrerlos, allerdings noch mit einem „Aufpasser“ an Bord unterwegs: Durch Bad Birnbach rollt seit heuer ein autonom-fahrender Mini-Bus. Für ein ähnliches Modellprojekt interessiert sich der Kreis Kelheim. Foto: Tobias Hase/dpa

Kelheim.Ein fahrerloser Elektrobus unterwegs in einer Landkreis-Stadt; eine Art Rufbustaxi, das die Kreisstadt Kelheim über rund 150 Bedarfs-Haltestellen engmaschig vernetzt; Linienbusse mit W-Lan und zentrale Bushaltestellen, an denen digitale Anzeigen das mühselige Fahrplanstudium erübrigen: Mit einem ganzen Schwung an Neuerungen will der Landkreis versuchen, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) individueller, flexibler und komfortabler zu machen. Und dafür viel Geld in die Hand nehmen.

„Wir müssen die Attraktivität im ÖPNV steigern, damit er besser angenommen wird“, appellierte Landrat Martin Neumeyer immer wieder im ÖPNV-Ausschuss des Kreistags, wo manchem Kreisrat schon etwas bang wurde angesichts der geplanten Investitionen. Etwa bei dem Mischwesen aus Bus und Taxi, mit dem Stefan Grüttner, neuer ÖPNV-Experte am Landratsamt, erst modellhaft die Kelheimer mobil machen will und dann weitere Kommunen im Kreis. 35 000 Euro einmalig und rund 200 000 Euro jährlich im laufenden Betrieb würde das nach erster Schätzung kosten, , falls die verheißene 50-prozentige Förderung für die ersten fünf Jahre kommt.

Alternative zum „Stadtbus“

Grüttner, Leiter des neu formierten Sachgebiets „ÖPNV, Schülerbeförderung, Mobilität“, hat dieses Konzept als Alternative zum „Stadtbus“ entwickelt. Den hat die Kreisstadt ins Auge gefasst, scheut aber bislang die hohen Kosten.

Mobilität

Kommt Stadtbus in die Gänge?

In Kelheim ist für zwei Jahre ein Pilotprojekt im Gespräch – das bisherige Konzept wird aber „neu überplant“.

Besser als ein Bus, der eine feste Tour fährt, wäre aber sowieso ein Auto oder Kleintransporter, der Haltestellen nur auf Anfrage ansteuert, sagt Grüttner: Es kommt binnen 30 Minuten, sobald man telefonisch, über App oder Internet gebucht hat, und bringt einen für etwa drei Euro von einer zur anderen Haltestelle, von der es etwa 150 im Stadtgebiet geben soll. Teurer, aber viel schneller als der Linienbus also; billiger, aber langsamer als ein Taxi.

Einen ähnlichen Ansatz gibt es schon, erinnerte Landrat Martin Neumeyer: Der Kreis Tirschenreuth hat das „Baxi“ eingeführt, ebenfalls ein Mischwesen aus Linienbus und Taxi. Der nordoberpfälzische Landkreis hat auch noch andere innovative ÖPNV-Ansätze.

In Kelheim ist Projekt einer Bus-Taxi-Kombi noch nicht entscheidungsreif: Über das Konzept samt Kostenbeteiligung müssen erst die Stadt-Gremien beraten. Lehnen sie ab, werde man mit anderen größeren Kommune im Kreis verhandeln, so der Landrat.

Fahrerlos, allerdings noch mit einem „Aufpasser“ an Bord unterwegs: Durch Bad Birnbach rollt seit heuer ein autonom-fahrender Mini-Bus. Für ein ähnliches Modellprojekt interessiert sich der Kreis Kelheim. Foto: Tobias Hase/dpa
Fahrerlos, allerdings noch mit einem „Aufpasser“ an Bord unterwegs: Durch Bad Birnbach rollt seit heuer ein autonom-fahrender Mini-Bus. Für ein ähnliches Modellprojekt interessiert sich der Kreis Kelheim. Foto: Tobias Hase/dpa

Grünes Licht erhielt Neumeyer dafür, Kelheim für ein Modellprojekt „Autonomes Fahren“ ins Rennen zu bringen. Vorbild ist Bad Birnbach, wo ein fahrerloser (aber von einem „Operator“ überwachter) Minibus auf einer festen Route Bahnhof und Ort verbindet. Die betreibende DB Regio-Tochter sei interessiert an einem zweiten Pilotprojekt, so Neumeyer. Wo im Kreis Kelheim das sinnvoll wäre, will er mit den Bürgermeistern beraten. Konzeption und Vorarbeit fürs Modellprojekt würden einmalig rund 60 000 Euro kosten, der jährliche Betrieb samt Leasing-Bussen ca. 400 000 Euro. Förderungen und Sponsoren seien möglich.

Bereits beschlossen wurden im ÖPNV-Ausschuss technische Verbesserungen in den Linienbussen und an deren Haltestellen.

Beschlossene Sache

  • WLan:

    In 30 Bussen, die im Linienverkehr durch den Landkreis kurven, kann man ab Februar kostenlos das „BayernWLAN“ nutzen. Das kostet den Kreis ca. 31 000 Euro einmalig und 10 000 Euro im laufenden Betrieb. Das wurde beschlossen – drei Kreisräte waren dagegen: „Schön, aber zu teuer“, fanden sie.

  • Displays“

    : ‚An sieben Bushaltestellen zeigen ab Ende 2019 elektronische Displays in Echtzeit an, wann welche Linie kommt. Kelheim/Wöhrdplatz erhält zwei, Abensberg, Neustadt, Mainburg, Riedenburg, Bad Abbach, Saal je eines. Gefördert kostet das einmalig ca. 120 000 und dann 6000 Euro jährlich. Vier Räte sagten Nein.

Auswirkungen auf Haushaltsplan

Das Mobilitätskonzept und die Beschlüsse zum Busnetz wirken sich im Kreishaushalt 2019 bereits auf den ÖPNV-Etat aus: Die Nettoausgaben des Landkreises für die Mobilität würden um 166 000 auf 1,29 Millionen Euro steigen. Der ÖPNV-Ausschuss befürwortete den Etatplan einhellig – das letzte Wort hat der Kreistag in der Haushaltssitzung.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht