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Wendewetter-Bericht aus Kelheim

Fünf Jahre gibt es nun das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ (IKK) für den Kreis Kelheim. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.
Von Martina Hutzler

Nach anfänglicher Euphorie ist die deutsche Energiewende zum Teil ins Stocken geraten. Auch im Kreis Kelheim klappen noch nicht alle Klimaschutz-Bemühungen, die vor fünf Jahren definiert wurden.
Nach anfänglicher Euphorie ist die deutsche Energiewende zum Teil ins Stocken geraten. Auch im Kreis Kelheim klappen noch nicht alle Klimaschutz-Bemühungen, die vor fünf Jahren definiert wurden. Foto: dpa

Kelheim.Vor fünf Jahren hat der Kreistag das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ (IKK) beschlossen. Es soll die regionale Energiewende einleiten und satt Kohlendioxid einsparen helfen. Wir haben mit der Landkreis-Regionalmanagerin Julia Schönhärl den Hochs und Tiefs seither nachgeforscht.

Das Klimaschutzkonzept

  • Das Ziel

    Minus 60 Prozent Kohlendioxid in 40 Jahren: Dieses Ziel hat der Kreistag vor fünf Jahren über das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ (IKK) für den Landkreis gestellt. Basis sind die Werte von 1990; die Ziellinie liegt im Jahr 2030.

  • Der Weg

    „Grüner“ und sparsamer sollen Privatleute, öffentliche Einrichtungen und die Wirtschaft werden: Strom- und Heizbedarf senken und das, was nötig bleibt, möglichst aus erneuerbaren Quellen decken.

  • Der Anlass

    März 2011: Die Atomkatastrophe von Fukushima erschütterte die Welt! Deutschland beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie und die „Energiewende“: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu dezentralen erneuerbaren Energien.

  • Vor Ort

    Vom Wende-Eifer ließ sich der Landkreis anstecken. Rund 250 Interessierte – Bürger, kommunale und Wirtschaftsvertreter – erarbeiteten in vier Treffen Projekte und Vorschläge für das IKK.

  • Das Konzept

    Der Kreistag beauftragte ein Beraterbüro mit dem IKK. Es analysierte Ist-Zahlen zu Energieerzeugung und -verbrauch im Landkreis und eine Einschätzung zu den Potenzialen beim Sparen und bei den „Erneuerbaren“.

  • Das Danach

    Von 2013 bis ’15 packte Christine Götz als Klimaschutzmanagerin etliche IKK-Projekte an. Kreis und Stadtwerke Kelheim ergänzten 2015 das IKK um „Energienutzungspläne“ für die Kommunen.

Windkraft

Dem Wind ist bayernweit die Puste ausgegangen: Mit jedem Windradmasten wuchs vor Ort der Widerstand. Das IKK sah noch das Potenzial, die Anlagenzahl von drei auf 34 zu erhöhen. Neu hinzu kam bislang freilich nur eine vierte große Anlagen (mit immissionsschutzrechtlicher Genehmigung) in Schaitdorf. Dazu drehen sich im Landkreis drei ältere bzw. kleinere Räder mit baurechtlicher Genehmigung, und zwei kleine, nicht-genehmigungspflichtige.

Der Windkraft ist auch im Kreis Kelheim ziemlich die Puste ausgegangen.
Der Windkraft ist auch im Kreis Kelheim ziemlich die Puste ausgegangen. Foto: Fotolia

Das größte geplante Projekt, elf Windräder im Paintner Forst, hat der Kreistag kürzlich abgeblasen. Umstrittene Pläne für weitere Anlagen bei Jachenhausen liegen derzeit auf Eis.

Sonnenenergie

Das IKK von 2011 besagt, dass sich im Kreis Kelheim die Photovoltaik-Nutzflächen verdoppeln ließe. PV-Anlagen auf Dächern sind genehmigungsfrei, somit behördlich nicht erfasst. Einen steilen Trend nach oben verzeichnen aber z.B. die Stadtwerke Kelheim: Deren Kunden speisten 2015 schon 30,7 Mio. Kilowatt-Stunden Strom – eben meist mit PV-Anlagen erzeugt – ins Netz ein: fast 60 Prozent mehr als 2012, und mehr, als die Stadtwerke-Haushaltskunden im Jahr brauchen.

Nach anfänglicher Euphorie ist die deutsche Energiewende zum Teil ins Stocken geraten. Auch im Kreis Kelheim klappen noch nicht alle Klimaschutz-Bemühungen, die vor fünf Jahren definiert wurden.
Nach anfänglicher Euphorie ist die deutsche Energiewende zum Teil ins Stocken geraten. Auch im Kreis Kelheim klappen noch nicht alle Klimaschutz-Bemühungen, die vor fünf Jahren definiert wurden. Foto: dpa

Laut „Energieatlas Bayern“ gab es (Stand 12/2014) im Landkreis 9937 PV-Anlagen, die ins Stromnetz einspeisen. Nicht mitgezählt: Anlagen zur Eigenversorgung und solche, die keine EEG-Förderung erhalten. Einen Mini-Boom erlebten Freiflächen-Anlagen: 19 wurden seit 2012 neu genehmigt; meist entlang der A93, weil Bayern an solchen Schneisen die Genehmigung erleichterte. Keine Daten gibt es zu den (genehmigungsfreien) Solarthermie-Anlagen.

Geothermie

Dem Heizen mit Wärme aus dem Erdinnern räumt das IKK ebenfalls große Chancen ein. Die damalige Zahl am Wärmepumpen wurde angegeben mit „circa 520“, steigerbar sei das auf 6900, so die Prognose.

Mittels Erdwärmesondenbohrung lässt sich das Geothermie-Potenzial ausloten.
Mittels Erdwärmesondenbohrung lässt sich das Geothermie-Potenzial ausloten. Bild: TRACTO-TECHNIK

Eine Überprüfung ist schwierig: Häuslebauer und -sanierer können Wärmepumpen ohne Baugenehmigung installieren; Statistiken habe man daher nicht, erklärt Kreisbaumeister Konrad Schwendner. Einen starken Aufwärtstrend bei Wärmepumpen attestiert er aber: Sie sind für Bauherren mittlerweile ein halbwegs erschwinglicher Weg, den gesetzlichen Pflichtanteil an regenerativer Energieversorgung zu erfüllen. Und dank heutiger technischer Reife auch ökologisch sinnvoll, so Schwendner.

Biomasse und Biogas

Bei Strom- und Wärmeerzeugung aus nachwachsenden Roh- und Abfallstoffen sieht das IKK Steigerungsraten von rund 75 bzw. 50 Prozent. Die tatsächliche Entwicklung ist schwer bezifferbar, weil die Statistiken veraltet und widersprüchlich sind.

Die Datenlage zu Biogas- und Biomasse-Nutzung im Landkreis ist widersprüchlich.
Die Datenlage zu Biogas- und Biomasse-Nutzung im Landkreis ist widersprüchlich. Foto: ck/Archiv

So weist der Energieatlas (Stand 2014) im Landkreis 24 Biogasanlagen, 14 Biomasse-(Heiz-)Kraftwerke und 5 sonstige Anlagen aus. Laut Landwirtschaftsanstalt gibt es (Stand 2015) 23 Biogasanlagen, davon 3 neue seit 2012. Und im Kreisbauamt sind 21 immissionsrechtlich genehmigte Biogas- und 4 Biomasseanlagen (Stromerzeugung) registriert sowie 7 Biomasse-Heizanlagen. Gar nicht erfasst sind (private) Kleinfeuerungsanlagen.

Das IKK hatte die „Mobilisierung von Energieholz“ v.a. im Kleinprivatwald gefordert. Statistiken gibt es dazu nicht; Forstdirektor Nikolaus Ritzinger (AELF Abensberg) schätzt aber, dass die Gewinnung von Energieholz in den letzten Jahren „deutlich zugenommen“ hat. Sein AELF-Kollege Landwirtschaftsdirektor Siegfried Schneeweis-Müller schätzt grob, dass auf bis zu 10 Prozent der Landwirtschaftsfläche im Kreis „Futter“ für Biogas-Anlagen erzeugt wird.

Strom- und Wärmeverbrauch

Im Jahr 2030 sollen Private, Wirtschaft und Verwaltung im Landkreis 40 % weniger Wärme und 17 % weniger Strom verbrauchen als 1990, fordert das IKK. Auch das lässt sich kaum messen: Ein Haus energetisch sanieren kann man in der Regel ohne Genehmigung; am Landratsamt gibt es daher keine Statistik. Der aktuelle „Gebäudereport“ der Dt. Energieagentur (dena) zeigt laut „www.stadt-und-werk.de“, dass Hausbesitzer zu wenig sanierten und das bundesweite Ziel, die jährliche Sanierungsrate zu verdoppeln, nicht erreicht sei; Nötig seien bessere Förderanreize.

Energie sparen in den eigenen vier Wänden schont auch den Geldbeutel.
Energie sparen in den eigenen vier Wänden schont auch den Geldbeutel. Foto: dpa

Dass Sanieren beim Sparen hilft, zeigen die Landkreis-Liegenschaften (Schulen etc). Viele wurden in den letzten Jahren energetisch saniert. Der Heizverbrauch wurde seit 1990 bis 2015 halbiert, obwohl die Gebäudenutzfläche um rund 14 Prozent wuchs. Dagegen stieg der Verbrauch an (mittlerweile rein regenerativ gekauftem) Strom um 30 Prozent. Grund sind laut Landratsamt immer mehr technische Geräte in Gebäuden.

Die Stadtwerke Kelheim beobachten, dass der Stromverbrauch ihrer Privatkunden seit 2009 „relativ stabil“ geblieben ist.

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