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Vereinsleben

Kriegerverein lebt weiter

Dem Kriegerverein Hienheim drohte das Aus. Niemand wollte Vorstand werden. Doch jetzt geht es beim Traditionsverein weiter.
Von Jochen Dannenberg

Voriges Jahr war die Welt noch in Ordnung. Doch dann suchte der Kriegerverein Hienheim mit einem Mal monatelang vergeblich nach einem neuen Vorsitzenden.
Voriges Jahr war die Welt noch in Ordnung. Doch dann suchte der Kriegerverein Hienheim mit einem Mal monatelang vergeblich nach einem neuen Vorsitzenden.

Neustadt.145 Jahre ist der Krieger-, Reservisten- und Kameradenverein Hienheim/Arresting alt. Der Verein war über Generationen ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Hienheim. Doch seit Monaten mehrten sich die Krisenzeichen. Die einzigen Meldungen, die vom Kriegerverein zu lesen waren, zeigten, dass der Verein keinen neuen Vorsitzenden fand. Eine Mitgliederversammlung jagte die andere. Hinter den Kulissen wurden potenzielle Kandidaten gefragt, doch alle winkten ab. Dennoch gibt es seit wenigen Tagen einen neuen Vorsitzenden.

Es ist Josef Pöppel, Landwirt aus dem Nachbarort Arresting. Er gehört dem Verein seit Jahrzehnten an, bisher war er 3. Vorsitzender und vertrat vor allem die Arrestinger Mitglieder. Er hatte vor wenigen Tagen angekündigt, den Vorsitz übernehmen zu wollen. Pöppel knüpfte die Bereitschaft aber an eine Bedingung: Er wollte das Amt nur bis zu Beginn nächsten Jahres übernehmen. Dann sollte im Rahmen einer ordentlichen Mitgliederversammlung eine neue Vorstandschaft gewählt werden. Wichtig war dem Landwirt aus dem kleinen Arresting, als er seine Bereitschaft für eine Kandidatur bekanntgab: Der Verein sollte wieder handlungsfähig werden.

190 Mitglieder

  • Verein:

    Der Krieger-, Reservisten- und Kameradenverein Hienheim/Arresting ist ein echter Traditionsverein. Er ist 145 Jahre alt und hat 190 Mitglieder.

  • Krise:

    Heuer steckte der Verein monatelang in der Krise, weil der bisherige 1. und 2. Vorsitzende ihre Ämter niedergelegt hatten, ohne dass es Nachfolger für die Ämter gab. Die Suche nach einem neuen Vorstand gestaltet sich schwierig.

Mangels regulärer und vollständiger Vorstandschaft war der Kriegerverein zuletzt nämlich nicht mehr geschäftsfähig gewesen. Er kam nicht einmal mehr an sein Konto, um notwendige Überweisungen tätigen zu können. Damit stand der Verein im 145. Jahr seines Bestehens unmittelbar vor dem Aus.

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die vor wenigen Tagen im Sportheim des SV Hadrian Hienheim, abgehalten wurde, klärte fürs Erste die Verhältnisse. Josef Pöppel wurde zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt, 2. Vorsitzender ist jetzt Georg Forchhammer, der sich auch um die Vereinskasse kümmert.

Einstimmig gewählt

Pöppel und Forchhammer wurden einstimmig gewählt. Der Landwirt dankte den Mitgliedern für das Vertrauen, das sie ihm mit der Wahl entgegengebracht hatten. Zugleich betonte er, dass er sich bemühen werde, das Amt gut zu führen.

Sebastian Rosenhammer, Stadtrat und einer derjenigen, die in den vergangenen Monaten darum bemüht waren, die Führungskrise beim Krieger-, Reservisten- und Kameradenverein Hienheim/Arresting, war erleichtert. „Mein Eindruck war, jeder will, dass es weitergeht“, sagte er im Anschluss an die Versammlung gegenüber der Mittelbayerischen.

190 Mitglieder hat der Kriegerverein, doch im 145. Jahr seines Bestehens tat sich der Verein schwer, einen neuen Vorstand zu finden.
190 Mitglieder hat der Kriegerverein, doch im 145. Jahr seines Bestehens tat sich der Verein schwer, einen neuen Vorstand zu finden.

Allerdings hat sich der Verein mit der jetzt gefundenen Lösung unter Umständen nur eine Atempause verschafft. Pöppel und Forchhammer bekleiden ihre Ämter lediglich bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung. Sie soll im Januar kommenden Jahres stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt geht die Suche nach einer Vorstandschaft für den Traditionsverein weiter bzw. wieder von vorne los, denn zumindest für Josef Pöppel war von vornherein klar, dass er das Amt des Vorsitzenden nur bis zur nächsten Jahresversammlung – gewissermaßen kommissarisch – ausüben wollte. Auch Sebastian Rosenhammer räumt deshalb ein, dass beim Krieger-, Reservisten- und Kameradenverein noch nichts „in trockenen Tüchern“ ist. „Mit den beiden neu gewählten Vorsitzenden wurde ein Zeitfenster geschaffen, um den Verein ordnungsgemäß bis Januar 2020 führen zu können“, sagt er.

Suche geht weiter

Die Suche nach der neuen Vorstandschaft geht also weiter. Leicht dürfte das nicht werden. Zwar will sich Sebastian Rosenhammer bei der Suche einbringen. Er sagt: „Ich werde mit bestimmten Vereinsmitgliedern in den nächsten Wochen Kontakt aufnehmen.“ Der Verein ist dem Stadtrat aus Hienheim wichtig. „Würde der Krieger aufgelöst werden, würde er eine große Lücke im gesellschaftlichen Leben von Hienheim und Arresting hinterlassen“, betont Rosenhammer.

Aber der Stadtrat weiß auch, dass das Wahlergebnis der jüngsten außerordentlichen Mitgliederversammlung auch Probleme zeigte. Trotz der Dringlichkeit, eine neue Vorstandschaft zu finden, kamen zur entscheidenden Versammlung lediglich zehn Prozent der 190 Mitglieder. Dabei musste in diesem Fall niemand Sorge haben, dass plötzlich die Wahl auf ihn fiele. Die Posten, um die es in der Versammlung ging, waren schon vorher „besetzt“. Die Mitglieder mussten nur noch den Vorschlägen, die es für die Ämter gab, zustimmen.

Sitzung

Kriegerverein hat nun 181 Kameraden

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