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Wahl

Jetzt jubelt auch Dr. Faltermeier

Kelheims Ex-Landrat zieht über die Liste in den Landtag ein. Damit lösen die Freien Wähler nach Jahrzehnten die SPD ab.
Von Beate Weigert

Künftig wird Dr. Hubert Faltermeier (li.) den Kreis Kelheim neben Petra Högl (CSU) im Landtag vertreten. Am Dienstag war klar, dass er über die Liste ins Maximilianeum zieht. Dass er bald ein Ministeramt bei den FW bekleiden könnte, bezeichnete er am Dienstag als „Quatsch“. Foto: Weigert
Künftig wird Dr. Hubert Faltermeier (li.) den Kreis Kelheim neben Petra Högl (CSU) im Landtag vertreten. Am Dienstag war klar, dass er über die Liste ins Maximilianeum zieht. Dass er bald ein Ministeramt bei den FW bekleiden könnte, bezeichnete er am Dienstag als „Quatsch“. Foto: Weigert

Kelheim.Aus der Kommunalpolitik war er es gewohnt, mit absoluter Mehrheit Wahlen für sich zu entscheiden. Doch eine Landtagswahl ist keine Landratswahl. Das hatte die langjährige, bisherige Kelheimer SPD-Abgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer Ex-Landrat Dr. Hubert Faltermeier kurz nach der Nominierung als Landtagskandidat der Freien Wähler mit auf den Weg gegeben. Dort gehe es mehr um die Partei, denn um die Person.

Die Erkenntnis schmerzt seit Sonntagabend besonders die Sozialdemokraten. Mit gerade einmal 5,66 Prozent im Landkreis sackten sie so tief ab, wie sich das kaum einer vorzustellen vermochte. Das seit Jahrzehnten „sichere“ zweite Mandat im Landkreis war nicht ansatzweise in Reichweite. Die SPD – bedeutungslos.

Während für Direktmandats-Siegerin Petra Högl von der CSU am Dienstag bereits das neue Leben als MdL mit der ersten Fraktionssitzung in München anlief, wusste da auch Kelheims früherer Landrat, dass sein Einzug ins Maximilianeum geschafft war. Und er somit das Listen-Mandat der Kelheimer SPD übernehmen wird.

Optimistische Kollegen

FW-Parteikollegen wie Kreisvorsitzender Christian Nerb waren sich bereits am Sonntag sicher, dass es für Faltermeier reichen würde. Doch der ließ sich öffentlich nicht zu verfrühtem Jubel hinreißen: „Warten wir es ab.“

Mit Petra Högl bleibt es somit bei zwei Landtagsabgeordneten für den Kreis Kelheim. Aus einem womöglich dritten Mandat – für die AfD – wurde nichts. Dafür reichten deren 11,63 Prozent im Landkreis nicht aus.

Dr. Faltermeier freut sich über seinen Wahlerfolg. Am späten Montagabend, als die Kunde, durchsickerte, wurde der im „kleinsten Familienkreis“ gefeiert. Mehr nicht. Für große rauschende Feste sei er nicht bekannt.

Das sind die Wahlergebnisse aus dem Stimmkreis Kelheim:

Dass er eventuell bald ein Ministeramt im Freistaat bekleiden könnte, sei „Quatsch“, sagte Faltermeier am Dienstag am Telefon. Die Rechnung, die FW-Chef Hubert Aiwanger am Montag aufgemacht hatte, dass fünf kleine oder drei große Ministerposten im Falle einer Koalition für die FW drin sein müssten, unterschreibt Faltermeier dagegen. Bei 18 Kabinettsmitgliedern und dem Stimmanteil der FW „kann sich das jeder ausrechnen“.

Sehr zufrieden ist der Ex-Landrat darüber hinaus auch mit der starken Wahlbeteiligung von 70,51 Prozent im Landkreis. „Das ist ein Ergebnis, dass sich in ganz Bayern sehen lassen kann.“ Es sei einer der Spitzenwerte.

Faltermeier holte vor allem in der Kreisstadt (31,38 Prozent) sowie im nördlichen und östlichen Landkreis die besten Resultate. Die meisten Stimmen gab es in Essing (34,44 Prozent). Aber auch in Saal (30,21), Ihrlerstein (29,33) und Rohr (28,72 Prozent). In Bad Abbach reichte es für 21,26 Prozent, im Süden – der Heimat Petra Högls tat sich Faltermeier dagegen schwer. In Volkenschwand erhielt er gerade einmal 13,52%, in Mainburg knapp 15.

Das Pfund „Ex-Landrat“ half, dass Faltermeier das FW-Ergebnis im Kreis verdreifachte. Damit hat er nicht nur Anteil am bislang besten Ergebnis der FW bei einer Landtagswahl auf Kreisebene, sein „Kaliber“ hatte auch Anteil am bayernweiten Abschneiden.

Petra Högl gewann das Direkt-Mandat für die CSU im Kreis Kelheim. Foto: Heindl
Petra Högl gewann das Direkt-Mandat für die CSU im Kreis Kelheim. Foto: Heindl

Dennoch konnte dies CSU-Kandidatin Petra Högl in der Wählergunst nichts anhaben. Sie schaffte als Newcomerin den Sieg des Direktmandats und verwies Kommunal-Polit-Fuchs Faltermeier auf Rang 2. Bis auf wenige Ausnahmen holte Högl in allen Gemeinden die meisten Stimmen. Vor allem in ihrer Heimat im Landkreissüden: Volkenschwand (50,34%), Aiglsbach (45,76), Mainburg (39,74). Aber auch in Herrngiersdorf (42,64), Neustadt (37,96) oder Siegenburg (39,53) hatte sie deutlich die Nase vorn. Über 30 Prozent blieb die Volkenschwanderin durch die Bank. Am dichtesten war ihr Faltermeier in Ihrlerstein (29,33) auf den Fersen.

Auf Bezirksebene legte Högl von 21 849 Stimmen im Landkreis auf insgesamt 30 095 Stimmen zu. Dr. Faltermeier holte in Niederbayern 15 643 Stimmen, im Kreis Kelheim 14 690.

„Das ist alles sehr spannend, neu und ungewohnt.“

CSU-MdL Petra Högl nach ihrer ersten Fraktionssitzung am 16. Oktober

Am Dienstag nach der ersten Fraktionssitzung verriet Petra Högl wie alles noch „sehr spannend, neu und ungewohnt ist“. Das motiviere sie jedoch für die neue Aufgabe. Die riesige Zustimmung im Landkreis freute sie. Bis Montag hatte sie ihren Sieg „richtig realisiert“. Am Mittwoch finden erste Sondierungsgespräche mit den FW statt. Weitere mit den Grünen sollen folgen. In Familie und Firma wirbelt der Sieg nun insbesondere organisatorisch einiges durcheinander. Aber das spiele sich schon ein. Für besonders lange Termine werde sie sich wohl eine Wohnung in München suchen.

Faltermeier verspricht, dass mit den FW der ländliche Raum mehr Bedeutung bekommen werde. Dass seine Gruppierung so deutlich zulegte, liegt in seinen Augen auch daran, dass sich viele, die auf dem Land lebten, abgehängt fühlten. Viele Menschen im Kreis Kelheim und andernorts ärgerten sich über vergleichsweise schlechtere Grundversorgung, über Krankenhäuser, die besser finanziert werden müssten, oder zu wenig flächendeckendes, modernes Datennetz.

Eine Wohnung in München plant Faltermeier nicht zu beziehen. „Ich werde von Kelheim aus mit dem Auto pendeln“, sagt er.

AfD-Kandidat Peter A. Gebhardt schaffte es nicht über die Liste. Foto: Weigert
AfD-Kandidat Peter A. Gebhardt schaffte es nicht über die Liste. Foto: Weigert

Auch Peter A. Gebhardt, von der drittstärksten Kraft im Landkreis, der AfD, hatte sich Hoffnung auf ein Mandat gemacht. Doch schon am Montag zeichnete sich ab, dass der Abensberger nicht zu den drei Listenkandidaten aus Niederbayern zählen würde, die es in den Landtag schaffen. Dennoch bekam er 11,63 % aus dem Stand. In den meisten Gemeinden kratzte er an der 10-Prozent-Marke. Die meisten Anhänger machten im Landkreissüden ihr Kreuz für Gebhardt: Wildenberg (15,43), Train (14,66), Neustadt (14,35) oder Siegenburg (13,32).

Alternative zur AfD

Mit ein Grund für seine Landtagskandidatur sei es auch gewesen, den Wählern im Landkreis eine Alternative zur AfD zu geben, so Faltermeier. Dennoch habe diese von vielen ihre Stimme erhalten. Mit seiner künftigen Arbeit, die sachlich auf Themen bezogen sein soll, anstatt auf einfache Parolen, will er Unzufriedene wieder an Bord holen.

Dass viele Wähler mit CSU und SPD haderten, sei keine Überraschung gewesen. Faltermeier macht dafür auch ewige Dispute aus. „Es wird zu viel gestritten, das parteipolitische Gepokel muss raus aus dem Landtag.“ Dass die SPD insbesondere im Landkreis jedoch so absackt, machte ihn betroffen. 2013 hatte Johanna Werner-Muggendorfer noch 18,02 Prozent der Stimmen geholt. Davon konnte Harald Unfried aus Landshut nur träumen.

Erfahren Sie mehr zur Landtagswahl:

Kleine Wahlnachlese

  • Absturz:

    Gerade etwas mehr als sieben Prozent errang die SPD im Landkreis. In Neustadt, der Heimat Johanna Werner-Muggendorfers, reichte es nur für 7,37%, in Kelheim für 7,64, in Saal für 8,22, in Abensberg für 6,95. Der Tiefpunkt zeichnet sich in Hausen ab, dort erhielt Unfried gerade wenige Stimmen mehr als der MUT-Kandidat. Nämlich 22. Aber auch in Mainburg lief die Lokalmatadorin der ÖDP, Unfried deutlich den Rang ab.

  • Aufwind:

    Die Grünen profitierten vom Aufwind auf Landesebene. Sie waren wechselweise dritt- bzw. viertstärkste Partei im den Gemeinden. Das stärkste Ergebnis gab’s in Bad Abbach (16,35%) oder Ihrlerstein (11,21), aber auch in kleinen Orten wie Herrngiersdorf lagen sie mit 8,94 Prozent vor der AfD.

  • „Kleine“:

    BP und ÖDP blieben in etwa auf dem Niveau von 2013. Statt der Piraten trat 2018 MUT an, die Linke konnte ihr Ergebnis fast verdoppeln (von 804 auf 1344 Stimmen), die FDP legte leicht zu. Zusammen brachten es BP, ÖDP, FDP, Linke und MUT auf etwas weniger Stimmen als die AfD. Die SPD erhielt etwa die Hälfte der AfD-Stimmen. (re)

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