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Landtagswahl

Sieg für Petra Högl – „die Unbekannte“

Petra Högl holt sich mit 35,45 Prozent der Stimmen im Kreis Kelheim den Sieg vor dem früheren Landrat Dr. Hubert Faltermeier.

Petra Högl holt sich das Landtags-Direktmandat für den Landkreis Kelheim. Foto: Neumaier
Petra Högl holt sich das Landtags-Direktmandat für den Landkreis Kelheim. Foto: Neumaier

Kelheim.Das Volk hat gesprochen: Bei einer Wahlbeteiligung von 70,94 Prozent entfallen auf die CSU-Kandidatin Petra Högl 35,45 Prozent. Mit diesem Ergebnis liegt sie zwar unter dem bayernweiten Ergebnis, ist aber dennoch zufrieden. „Ich bin eine Neueinsteigerin, habe ein besseres Ergebnis als die Zweitstimmen im Landkreis und hätte solch einen Ausgang vor der Wahl sofort unterschrieben“, sagt Högl.

Das Gesamtergebnis der CSU in Bayern trübe zwar ihre Stimmung, aber sie freue sich dennoch „sakrisch, weil ich vor allem vor Dr. Hubert Faltermeier als Gegenkandidat richtig Bammel hatte. Er ist im Landkreis bekannt, ich nicht. Er hat politisch schon viel erreicht, ich noch nicht. Er hat im Wahlkampf Erfahrung, ich erst seit Kurzem. Deshalb ist das schon klasse.“

Dr. Faltermeier wohl im Landtag

Dr. Hubert Faltermeier indes fuhr mit 23,83 Prozent eines der bayernweit besten Ergebnisse der Freien Wähler an Erststimmen ein, gewann im Landkreis mehrere Stimmbezirke, wollte sich aber dazu nicht äußern. Nur so viel gab er preis: Man werde am Montag sehen, ob es über die Zweitstimmen für ein Mandat im Landtag reiche. Davon kann man aber, Faltermeier belegt Listenplatz 4 der Freien Wähler, wohl ausgehen.

Dr. Hubert Faltermeier landete im Landkreis auf Platz zwei, gewann aber einige Stimmkreise. Foto: Weigert
Dr. Hubert Faltermeier landete im Landkreis auf Platz zwei, gewann aber einige Stimmkreise. Foto: Weigert

Großer Verlierer der Wahl ist SPD-Mann Harald Unfried, der von „einem tektonischen Beben mit Ansage“ sprach. Sein Ergebnis von 5,66 Prozent der Erststimmen sei „eine Watschn in Zeitlupe, die ich auf mich habe zukommen sehen. Denn wer mit offenen Augen die Politik in der Republik verfolgt hat, der konnte mit so einem Ausgang rechnen. Es reiht sich in die Szenerie ein.“ Auch die langjährige Abgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer war entsetzt: Ich hatte mit einem schlechten Ergebnis gerechnet, aber nicht mit so etwas“, sagte sie.

Das Wahlergebnis in einer Grafik:

Peter Gebhardt (AfD) sammelte mit mit 11,63 Prozent beinahe doppelt so viele Stimmen wie Unfried und lag am Ende auf Rang drei der Direktkandidaten. Verrechnet mit den Zweitstimmen ist die Alternative für Deutschland dann auch drittstärkste Kraft im Landkreis – noch vor den Grünen. Deren Kandidat Daniel Stephan lag mit 10,5 Prozent Erststimmen klar unter dem bayernweiten Ergebnis seiner Partei.

Bayernparteiler Fritz Zirngibl holte sich 2291 Stimmen (3,73 Prozent) und lag damit sowohl über dem Ergebnis seiner Partei, als auch vor Jake Curtis von der FDP (2106 Stimmen), ÖDP-Kandidatin Anne Rottengruber (1699 Stimmen), Mirko Kalkkuhl (Die Linke, 1344 Stimmen) sowie Fabian Helmich von der MUT-Partei mit 523 Stimmen.

Splitterparteien liegen fernab

Ohne Kandidat angetreten – und damit nur mit Zweitstimmen bedacht – waren die Tierschutzpartei (423 Stimmen; 0,69 Prozent), die Piraten (254 Stimmen; 0,41 Prozent) und die V-Partei (130 Stimmen; 0,21 Prozent).

Landrat Martin Neumeyer, bei der Landtagswahl 2013 als Direktkandidat noch mit mehr als 53 Prozent klarer Wahlsieger, war als Kreisvorsitzender Gastgeber der Wahlparty der CSU in Abensberg und ordnete das Wahlergebnis ein: „Petra Högls Ergebnis ist aller Ehren wert. Sie ist eine eher Unbekannte in der Politik, hat sich im Wahlkampf und davor aber profiliert. Es war ein langer und harter Wahlkampf, den außer der CSU im Landkreis scheinbar nur die Freien Wähler ernst genommen haben. Von allen anderen kam meines Erachtens sehr wenig.“

Neumeyer rechnete mit 40 Prozent

Mit dem Zweitstimmenergebnis haderte Neumeyer aber: „32 Prozent im Landkreis ist nicht zufriedenstellend. Zusammen mit den Erststimmen von Petra kommen wir auf knapp 33,5 Prozent. Ich hatte fest mit 40 gerechnet – auch bayernweit.“ Über die Wahlbeteiligung war er aber „mehr als erfreut“.

Wegen des Großbrands bei Kelheim Fibres wurde auch wegen der Wahl ein Bürgertelefon am Landratsamt eingerichtet. Foto: NEWS5 / Pieknik
Wegen des Großbrands bei Kelheim Fibres wurde auch wegen der Wahl ein Bürgertelefon am Landratsamt eingerichtet. Foto: NEWS5 / Pieknik

Dabei war es nicht für alle Landkreis-Bürger problemlos möglich gewesen, zum Wahllokal zu kommen. Im Zuge des Großbrands bei Kelheim Fibres hatte Landrat Neumeyer am Sonntagmittag auf einer Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass ein Bürgertelefon im Landratsamt eingerichtet sei und Bürger, deren Weg zum Wahllokal gesperrt sei, sich dort melden könnten. Gegebenenfalls für einen Fahrdienst. Tatsächlich ließen sich die Affeckinger nach Auskunft des Landratsamts aber wohl nicht beirren. Die Wahllokale im Schützenheim und im Alten Pfarrheim waren auch zu Fuß zu erreichen.

Fauxpas am Wahlsonntag

Am Rande des Wahlsonntags erreichte unser Medienhaus auch eine Pressemitteilung des ÖDP-Bezirksvorsitzenden. Urban Mangold verwies auf einen Fehler beim Stimmzettel zur Bezirkstagswahl. Marktgemeinderat Ferdinand Hackelsperger aus Bad Abbach, der als Listenkandidat für die ÖDP antrat, wurde versehentlich als 2. statt als 3. Bürgermeister bezeichnet. Der Fehler wurde erst bemerkt, als die Stimmzettel bereits gedruckt waren. Hackelsperger habe damit nichts zu tun. „Wir können uns für das Missgeschick nur entschuldigen“, so Mangold.

Kelheims Stimmkreis-Wahlleiterin Astrid Heuberger glaubt nicht, dass der Druckfehler problematische Auswirkungen hat. Wichtig sei, dass eine Person auf dem Wahlzettel identifizierbar sei und dies sei gegeben gewesen.

Das endgültige amtliche Ergebnis der Landtagswahl gibt es erst am Montag.

Alles zur Wahl im Landkreis Kelheim lesen Sie hier

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