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Erarbeitet

Praktikum führt zu barrierefreier Stelle

Bei Audi eine Ausbildung zur Bürokauffrau – für Johanna Wassermann war das der Traumjob. Den hat sie sich nun bei großer Konkurrenz hart erarbeitet.
Von mittendrin!-Reporterin Johanna Wassermann; Mitarbeit: Birgit Bauer

Im Medienraum der Aventinus-Mittelschule hat Johanna den Umgang mit Computer und Bürotechnik schon erprobt. Foto: Birgit Bauer

Abensberg.Weil ich die Arbeit am PC sehr mag, gut damit umgehen kann und die handwerklichen Berufe nicht unbedingt geeignet sind für einen Rollstuhlfahrer, ist die Arbeit im Büro für mich ideal.

Anfang des Jahres 2013 hatte ich ein Berufsberatungsgespräch in der Agentur für Arbeit mit Stefan Schmailzl, dem Berufsberater an unserer Schule. Nach einiger Zeit fragte er mich, ob ich vielleicht noch ein Praktikum machen möchte, obwohl ich schon Praktika beim Berufsbildungswerk in Abensberg und bei der Agentur für Arbeit absolviert hatte. Beide waren interessant, aber ich stellte fest, dass diese Möglichkeiten nicht das Richtige für mich waren.

Meine Antwort war natürlich klar: Ich wollte mich noch einmal umsehen! Eine Firma hatte ich dabei schon im Auge. Es sollte Audi werden – für den Automobilbauer und dessen Angebot interessierte ich mich. Durch die Berufsorientierungsmöglichkeiten, die vom Arbeitsamt organisiert werden und bei der sich Firmen landkreisweit bei Schülern vorstellen, war ich aufmerksam geworden.

Herr Schmailzl zückte sein Handy und telefonierte mit dem Audi-Ausbildungsmanager. Er fragte ihn, ob er eine Praktikumsstelle für eine Rollstuhlfahrerin hätte. Der Ausbildungsmanager meinte, ich soll ihm meine Bewerbungsunterlagen zuschicken.

Fünf Tage schnuppern statt büffeln

Ein paar Wochen später bekam ich Bescheid. Ende Juli könne ich ein Praktikum machen. Von Montag, 22., bis Freitag, 26. Juli war ich dann heuer offizielle Praktikantin bei Audi in Ingolstadt. Dafür wurde ich vom Unterricht in meiner Schule, der Aventinus-Mittelschule Abensberg, freigestellt. Rektor Wolfgang Brey hat sich sehr für mich gefreut, denn ihm ist es wichtig, dass seine Schülerinnen und Schüler gute Ausbildungsplätze finden.

Da die öffentlichen Verkehrsanbindungen für einen Rollstuhlfahrer leider nicht ideal sind, musste mich meine Mutter in der Zeit des Praktikums täglich fahren.

Jeden Tag war ich bei einem anderen Mitarbeiter, um dessen Aufgabengebiet näher kennenzulernen. Das fand ich sehr gut, so lernt man schließlich die verschiedenen Ausbildungsberufe, die Audi im kaufmännischen Bereich anbietet, sehr gut kennen und trifft viele neue Leute.

Mein Aufgabenbereich war sehr vielfältig. Ich lernte im sogenannten Wertschöpfungscenter viel über die Führung eines Betriebes und das Rechnungswesen. In der Personalabteilung verfasste ich Weiterbildungsanträge und kontrollierte Daten. Ebenso bearbeitete ich die Reiseanträge von Mitarbeitern und lernte die Terminverwaltung kennen. Auch im Ausbildungsmarketing war ich unterwegs. Ich war in der Postverteilung und hatte die Möglichkeit, hinter alle Kulissen zu blicken und Fragen zu stellen.

Werksführung im Q5 als Höhepunkt

Mein persönliches Highlight war die individuelle Werksführung mit dem Fahrzeug, einem Audi Q5, die ich sehr genossen habe!

Die Barrierefreiheit bei Audi ist generell gegeben, jedoch sind mir kleinere Mängel aufgefallen: zum Beispiel, dass viele Außentüren nicht per elektrischem Türöffner zu bedienen sind.

Nach dem Praktikum war für mich sehr schnell klar, dass ich gerne bei Audi arbeiten möchte. Deshalb habe ich mich entschlossen, mich für eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement zu bewerben. Nach etwa zwei Wochen habe ich eine Einladung zu einem Eignungstest bekommen. Dieser Test war nicht allzu schwer. Ich hatte mich sehr gut vorbereitet und viel im Internet recherchiert. Unter anderem habe mir ein Buch von einer Mitarbeiterin von Audi, die ich beim Praktikum kennengelernt habe, ausgeliehen und darin viel über die Firma und deren Geschichte nachgelesen. Das war eine sehr hilfreiche Geste von ihr und ich freue mich, ihr das Buch persönlich zurückgeben zu können.

Eine unter 5000 Bewerbern

Nach weiteren acht Wochen habe ich eine nächste Einladung für das Assessment-Center bekommen. Ein Assessment-Center ist ein Auswahlverfahren, das Bewerber vor unterschiedliche Aufgaben stellt, um die geeignetsten Bewerber herauszufinden. In diesem Verfahren musste ich eine fünfminütige Präsentation zum Thema „Mitgliedergewinnung in einem Sportverein“ erstellen, hatte ein klassisches Vorstellungsgespräch und musste mit meinen drei Mitstreiterinnen eine halbe Stunde lang eine Gruppendiskussion führen. Ich war ziemlich aufgeregt, obwohl ich gut vorbereitet war!

Weitere zwei Wochen später habe ich eine Zusage bekommen, die ich mit großer Freude angenommen habe. Ich war so glücklich! Von den 5000 Bewerbern in der kaufmännischen Abteilung bin ich eine, die genommen wurde. Ich bin superstolz auf mich. Jetzt packe ich die nächste Hürde: Vor der Ausbildung im nächsten Jahr will ich den Führerschein machen, damit ich nicht mehr auf den Fahrdienst meiner Mutter angewiesen bin.

In der Woche habe ich viele verschiedene Ausbildungsberufe im kaufmännischen Bereich kennenlernen dürfen. So ein Praktikum, egal bei welchem Unternehmen, kann ich jedem empfehlen, der noch nicht weiß, welchen Beruf er erlernen möchte. Nur so kann man Erfahrungen sammeln und weiß dann besser, welcher Beruf zu einem passt und Spaß macht.

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