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Schlosshof-WG

Putzen nach Plan, Feiern nach Laune

Die mittendrin!-Reporterin Jessica stellt im Gespräch mit ihrem Reporter-Kollegen Philipp ihre Wohngemeinschaft im Offenstettener Cabrini-Zentrum vor.
Von den mittendrin!-Reportern Philipp Buchwald und Petra Ellert

Philipp macht sich Notizen vom Interview mit Jessica Foto: Petra Ellert

Abensberg.Wie leben die mittendrin!-Reporter privat? Auf Recherche in eigener Sache geht diesmal das inklusive Journalistenteam. Jessica hat zu sich eingeladen: Sie wohnt seit zwei Jahren in einer Mädchen-WG im Cabrini-Zentrum, in der „WG Schlosshof 1“. Im Gespräch mit ihren Reporterkollegen Philipp und Petra und mit anderen WG-Bewohnerinnen schildert sie ihren Alltag.

Freitag kurz nach 15 Uhr hat Jessica Dienstschluss in der Wäscherei, wo sie arbeitet. „Unsere Erzieherin hat Kaffee für uns gekocht, lasst uns einfach zur WG gehen.“ Dort warten Jessicas Mitbewohnerinnen – wir können loslegen! Philipp stellt die Fragen; die Antworten kommen meistens gemeinsam von Jessica, ihren Mitbewohnerinnen und Betreuerin Hildegard Zeilbeck.

Wer wohnt hier alles?

Wir wohnen zu fünft hier, wir sind eine reine Mädchen-WG. Über der Sparkasse in Offenstetten wohnen noch acht Jungs. Die WG dort heißt „Schlosshof 2“.

Sind Eure Betreuer die ganze Zeit da?

Nein, nur morgens von halb sieben bis neun und dann wieder von halb vier bis 21 Uhr. Tagsüber sind wir ja in der Arbeit. Nachts sind wir alleine.

Was kann man hier alles machen?

Wir gehen ins Kino, zum Schwimmen, zum Essen, wir fahren gemeinsam in Urlaub. Wir können auch Partys veranstalten, im Discoraum. Oder wir gehen zu den Landjugendfesten, zum Feuerwehrfest oder zum Gillamoos. Besonders gerne fahren wir zu Eishockeyspielen zum ERC Ingolstadt. Wir können eigentlich alles machen, was wir mit den Erziehern abgesprochen haben.

Gibt es einen Bus, oder wie kommt Ihr woanders hin?

Von Offenstetten gehen ja keine öffentlichen Busse weg. Wir nehmen aber ab und zu auch ein Taxi. Das kostet so zwischen acht und zehn Euro nach Abensberg rein. Bei schönem Wetter kann man auch zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren.

Ab welchem Alter wohnt man hier?

Man kann im „Schlosshof“ wohnen, wenn man mit der Schule fertig ist, also normalerweise so mit 20.

Jessica: Ich bin mit 18 Jahren aus der Schule raus gekommen. Danach habe ich mit der Arbeit in der Wäscherei angefangen und bin hier eingezogen, vor zwei Jahren.

Was ist das Beste hier?

Jessica: Dass ich hier meine Freundinnen habe! Das Zusammenhalten, wir sitzen ganz oft zusammen, reden und lachen.

Was müsst Ihr hier alles selber machen?

Am Wochenende kochen wir selber. Wir brauchen fürs Kochen keine Pläne mehr. Wir wissen, was zu tun ist und helfen alle zusammen. Es gibt auch einen Putzplan, aber auch da weiß jetzt jede, wann sie dran ist. Jeden Mittwoch schreiben wir unseren Speiseplan, am Donnerstag gehen wir Einkaufen. Unter der Woche gibt es Frühstück und Abendessen von der Küche, aber das Tischdecken und Aufräumen erledigen wir selbst.

Darf man hier auch Tiere halten?

Ja, in anderen Wohngruppen haben sie zum Beispiel Hasen. Man muss sich aber absprechen und die Heimaufsicht muss es genehmigen.

Können wir jetzt auch mal Dein Zimmer anschauen?

(Jessica zeigt uns ihr Zimmer: ein gemütlicher Raum mit Mansarde, vielen Fotos, Kaffeemaschine und einem „Wand-Tattoo“ überm Bett. Das ist ein Spruch, den man an die Wand klebt.)

Jessica: Jeden Morgen, wenn ich aufwache, sehe ich meinen Leitspruch: ,Beginne jeden Tag wie ein neues Leben’. Das begleitet mich den ganzen Tag!

(Wir gehen von der Wohngruppe zum Schloss. Es gibt einen langen überdachten Gang, der alle Gebäude des Cabrini-Zentrums verbindet: das Schloss, die Kirche, das Schwimmbad, die Wohngruppen und die Schule. Es ist Abendessenszeit; viele Kinder schieben mit voll beladenen Essenswägen an uns vorbei. Eine Klosterschwester steigt gerade aufs Fahrrad.)

Darf man hier Fahrrad fahren?

Ja, weil die Wege hier so lang sind, ist Radfahren erlaubt. Aber nur für die Schwestern und für die kleinen Kinder mit ihren Autos.

Wenn man sich hier nicht auskennt, kann man sich leicht verlaufen…

Jessica: Ja, aber für mich ist das kein Problem. Ich wohne doch hier schon seit ich zehn Jahre alt bin. Das ist meine zweite Heimat!

So früh bist Du von zu Hause ausgezogen? Ich will auch ausziehen, aber erst später.

Jessica: Am Anfang, als ich hier gewohnt habe, hatte ich schreckliches Heimweh. Aber dann habe ich neue Freunde gefunden und jetzt möchte ich gar nicht mehr weg.

(Wir erreichen den Discoraum, der aber leider abgeschlossen ist.)

Jessica: Sollen wir den ganzen Weg nochmals zurück und den Schlüssel holen? Der Raum ist super, mit Discokugel, Kühlschrank und allem, was man für eine Party so braucht.

Nein, setzen wir uns lieber draußen nochmals auf eine Bank und ich schreibe mir die wichtigsten Sachen auf. Das war jetzt schon interessant, dass ich mal sehe, wie Ihr hier so wohnt.

Jessica: Und wie möchtest Du mal wohnen, Philipp?

Ich habe mir mit meiner Mama eine Wohngruppe in Regensburg angeschaut. Von der Lebenshilfe war die, glaube ich. Am liebsten würde ich aber in Berlin wohnen, später. Oder vielleicht in Amerika…

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