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Natur

Förster wehren Kahlschlag-Pläne ab

Der Kiefernwald am Lintlberg über Riedenburg bleibt. Zumindest ist das die Empfehlung an den Stadtrat entgegen der VöF-Pläne.
Von Petra Kolbinger

Forstanwärter Florian Schwarz (v.l.) mit Luftaufnahme des fraglichen Areals, hier rot und violett umrandet; Jens Ossig vom Forstrevier Kelheim und Nikolaus Ritzinger vom AELF informierten die Stadträte aus forstfachlicher Sicht.
Forstanwärter Florian Schwarz (v.l.) mit Luftaufnahme des fraglichen Areals, hier rot und violett umrandet; Jens Ossig vom Forstrevier Kelheim und Nikolaus Ritzinger vom AELF informierten die Stadträte aus forstfachlicher Sicht. Foto: Kolbinger

Lintlhof.Es wird wohl keinen Kahlschlag am Lintlberg geben – zumindest dann nicht, wenn die Mehrheit der Stadtratsmitglieder der Empfehlung der Gremiumsmitglieder folgt. Beschlussfähig war der Stadtrat am Donnerstag Nachmittag nicht – dafür waren zu wenige Ratsmitglieder der Einladung zu einer Begehung des fraglichen Areals mit den Forstfachleuten in den Riedenburger Ortsteil Lintlhof gefolgt. Bürgermeister Siegfried Lösch wurde vertreten durch Wolfgang Langer, der nach den fachlichen Ausführungen des Bereichsleiters Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Nikolaus Ritzinger und von Forstamtsrat Jens Ossig, Forstrevierleiter Kelheim, der seinen Riedenburger Amtskollegen Hubert Beslmeisl vertrat, die Empfehlung formulierte.

Ein sukzessiver Umbau

Die Ratsmitglieder sprachen sich darin einstimmig für den Erhalt des Waldes und dessen sukzessiven Umbau in einen artenreichen Mischwald aus. Ergeht in der nächsten Stadtratssitzung ein entsprechender Beschluss, sind die Pläne des Landschaftspflegeverbandes Kelheim, VöF e.V., vom Tisch. Der VöF hatte im Zuge des Altmühlleiten-Großprojektes Pläne verfolgt, die bestehenden Trockenmagerrasenhänge des Schambachtals in Richtung Lintlberg und damit Riedenburg, auszudehnen. Dafür hätte, vereinfacht gesagt, der rund 60 Jahre alte Baumbestand, überwiegend aus Schwarzkiefern, weichen müssten. Im August 2011 hatte der Stadtrat den Rodungsplänen auf dem Jachenhausener Berg, bei Dieterzhofen und am Lintlberg zugestimmt, den Beschluss im Hinblick auf die rund 3,7 Hektar an den Steilhängen des Lintlberges aber vier Wochen später auch im Hinblick auf die bekannte Felssturzproblematik am Kreuzfelsen zurück genommen, um zuvor die Sicht der Forstfachleute zu hören.

Ritzinger bedankte sich am Donnerstag für das Vertrauen in die Kompetenz der Forstprofis und die gute Zusammenarbeit. Er schilderte, nach dem Niedergang der entsprechenden Tierhaltungsform und damit dem Brachfallen bis dahin regelmäßig genutzter Hutungsflächen, habe man vor rund 60 Jahren mit staatlichen Fördermitteln begonnen, den bestehenden Kiefernwald anzulegen. Schwarzkieferbestände seien im Altmühltal selten; selten genug, als dass bereits über eine Bachelorarbeit zur Entwicklung der Baumart in der Region angedacht sei. Ritzinger berief sich auf Artikel 9 des Bayerischen Waldgesetzes, der da besagt, dass jede Handlung, durch welche die Produktionskraft des Waldbodens vernichtet oder wesentlich geschwächt oder durch welchen der Waldboden beseitigt wird (Waldzerstörung), verboten ist. Die Beseitigung von Wald zugunsten einer anderen Bodennutzungsart, sprich Rodung, bedürfe der Erlaubnis und die könne er nicht erteilen, heißt es in Absatz 4 doch: „Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn es sich um Schutz-, Bann- oder Erholungswald (…) handelt“. Und genau das sei hier der Fall.

Hauptamtsleiter Günther Wagner zeigte sich irritiert. „Unser Beschluss fußte damals auf dem Pflege- und Entwicklungsplan des VöF, und in dem war keine Rede von einer Eintragung als Schutzwald!“ Ossig wies zudem darauf hin, dass, sollte der Baumbestand entfernt werden, die Stadt für adäquate Schutzvorrichtungen im Interesse der unterliegenden Anwohner treffen müsste. Dazu würden kostenintensive Felssicherungsmaßnahmen, eine langsame und angepasste Waldbewirtschaftung und das Querlegen von Stämmen am Steilhang zählen. Im Gegenzug wäre ein Erhalt der Waldfläche und deren stufenweiser Umbau in einen artenreichen Mischwald mit hohem Laubholzbestand, der im Sommer grün, im Winter kahl wäre, nicht nur kostendeckend möglich, sondern würde nach Berechnungen Ritzingers sogar einige Tausend Euro in die Stadtkasse spülen – zumal dann, wenn die Stadt das Angebot der Waldbauernschule am Goldberg zur Zusammenarbeit annimmt.

Kurze, heftige Debatte

Nur kurz, dafür aber heftig, prallten die naturgemäß kontroversen Perspektiven des Tourismus und des Schutzwaldbefürworters in Gestalt der Ratsmitglieder Josef Fuchs, der die Bedeutung der wacholderbestandenen Trockenrasenhänge für das touristische Erscheinungsbild des Altmühltals hervor hob und Dr. Martin Schwarzmeier, der als Altmühlmünsteraner die Vorzüge eines Schutzwaldes beispielsweise bei Felsabgängen, kennt und auf Schlammlawinen der Unwetter in den letzten Wochen verwies, aufeinander. Dann waren alle sich einig, den Wald am Lintlberg erhalten zu wollen.

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