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Hoch über den Neustädter Dächern

Experte Sebastian Kellerer nimmt den Horst unter die Lupe. Der muss kleiner werden, damit das Mauerwerk keinen Schaden nimmt.
von Wolfgang Abeltshauser

  • Der Frost hat den Horst derzeit fest im Griff. Fotos: Abeltshauser
  • Storchenexperte Sebastian Kellerer bei der Arbeit.
  • Nach getaner Arbeit in luftiger Höhe.

Neustadt.Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind flink. Es dauert nicht lange, und die Drehleiter, die im Hof des Gebäudes steht, welches das Phönix beherbergt, ist einsatzbereit. Zwei Mann steigen in die kleine Kanzel. Dann geht es stetig nach oben. Neugierige Augenpaar verfolgen von der Rentamtsstraße aus das Geschehen.

Es handelt sich in der Tat um einen Einsatz der Feuerwehr. Was Floriansjünger Thomas Seefelder, der die Kanzel bedient, auch bestätigt. Jedoch geht es nicht darum, Flamen zu löschen, die etwa aus dem Dach züngeln. Nein – Storchenberater Sebastian Kellerer hat in Neustadt einen Auftrag. Der Eigentümer des Gebäudes Gerald Götz und amtierender Bürgermeister Bernhard Rieger machen sich so ihre Gedanken. Arg mächtig kommt das Nest auf der Giebelspitze daher. Ob es bei Wind und Wetter noch oben bleibt? Oder droht herunterzufallen? Sind Schäden für das Mauerwerk zu befürchten?

Es muss Hand angelegt werden

Das sind Fragen, die es zu beantworten gilt. Und dafür benötigt Kellerer die Drehleiter der Floriansjünger. Um es vorwegzunehmen: Kellerer findet für sich rasch eine Antwort. Es muss Hand angelegt werden an das über Jahrzehnte gewachsene Vogelwerk. Mindestens um die Hälfte muss der mächtige Horst abgetragen werden.

Um das herauszufinden, hat der Fachmann das Bauwerk aus Holz und Moos genau unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit Seefelder zückt er in über 20 Metern Höhe den Meterstab. Fast einen halben Meter in der Breite misst der Horst. Und 1,2o Meter in der Höhe. „Es sind mindestens 500 Kilogramm“, schätzt er das Gewicht. Da machen die Leihen unten auf dem Boden große Augen, als sie das hören.

Kein Wunder, dass der Giebel am Gebäude in den vergangenen Jahren Schaden genommen hat. Zumindest nimmt Rieger an, dass sichtbare Schäden an Putz und der Mauer vom Gewicht des Storchenheims herstammen. Die sollten eigentlich schon vor zwei Jahren beseitigt werden. Allerdings schafften es die Arbeiter nicht mehr, weil Storchenpapa und -mama zu früh aus dem Winterquartier zurückgekommen sind.

Sebastian Kellerer hat die Kamera gezückt. Er macht Aufnahmen aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Was gar nicht so einfach ist – aus der kleinen Kanzel. Doch Seefelder ist ein erfahrender Pilot in luftiger Höhe. Und so bekommt der Vogelfachmann aus Siegenburg die notwendigen Einsichten. Aus sicherer Entfernung – mit beiden Füßen auf der Rentamtsstraße stehen – lichtet Bernhard Rieger das Geschehen hoch oben über den Neustädter Dächern ab.

Der Vogel baut jedes Jahr dazu

Er muss auch nicht mehr lange warten. Und schon steht Kellerer wieder neben ihm. Götz und Rieger hatten den richtigen Riecher. So, wie er jetzt ist, könne der Horst nicht bleiben. Die Sache sei einfach zu erklären. Die Störche bauen ihr Heim jährlich neu auf. Sie räumen die alten Äste des Vorjahres nicht etwa heraus. Und so wächst der Horst Jahr für Jahr.

Kellerer geht davon aus, dass er vor allem aus Erdreich besteht, denn die Äste von früher seien sicherlich zum Teil schon kompostiert. So sei auch das hohe Gewicht zu erklären. Die Arbeiten am Horst werden die Neustädter Feuerwehrmänner übernehmen. Fachleute brauche es für so etwas nicht. So lautet die Aussage von Kellerer. Allerdings sei schweres Gerät notwendig. Spitzhacke und Kettensäge müssen da schon her. Da ist sich der Siegenburger sicher. Da machen die Floriansjünger Augen.

Keine Sorge machen müsse man sich, dass die Störche einen umgearbeiteten Horst nicht mehr annehmen werden. „Das ist denen egal“, stellt der Fachmann fest. Etwas anderes wäre es, wenn der Horst auf ein anderes Dach versetzt würde. Aber Hauseigentümer Götz will die Tiere ja grundsätzlich als Mieter behalten. Storchenexperte Sebastian Kellerer würde es nicht wundern, wenn die Arbeiten am Storchennest erst im Herbst beginnen können. Denn erst einmal müsse der Frost aus dem Horst heraußen sein. Das könne schon so lange dauern, bis die Störche wieder da sind. Dann müsste gewartet werde, bis sie nach dem Sommer wieder abziehen.

Der Storchenwirt liegt gegenüber. Dessen Name kommt nicht von ungefähr. Bernhard Rieger weiß, dass sich dort die erste Heimat der Neustädter Storchensippe befand. In den 70er Jahren brannte es in dem Traditionsgebäude. Ein neuer Platz für die Tiere wurde gesucht und auf der anderen Straßenseite auch gefunden.

Messarbeiten am Horst zeigten, dass der Bau schon gewaltig ist. Und so wundert es nicht, dass laut stellvertretendem Bürgermeister Bernhard Rieger Das Mauerwerk in Mitleidenschaft gezogen ist. Noch stehe nicht fest, ob die etwa auch Bauhofkräfte oder Feuerwehrleute machen können. Oder ob Fachleute das übernehmen müssen.

Wer die Störche der Region näher beobachten will, kann dies in den Abensauen zwischen Abensberg und Siegenburg oft tuen. Für seine Forschungen bittet Sebastian Kellerer seine Mitbürger um Hilfe: Interessant wäre der Aufenthaltsort tagsüber bzw. der Schlafplatz der Tiere. Er wartet unter Telefon (0 94 44/85 18) auf Hinweise.

Der außergewöhnliche Einsatz der Neustädter Feuerwehr am Stadtplatz ist zu Ende. Seefelder und sein Kollege haben ihre Drehleiter wieder eingefahren. Es wird nicht der letzte Auftritt dieser Art beim Storchennest gewesen sein...

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