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Saaler Bruchpilot ist wieder startklar

Mit Flügelschlagen und einer zweifachen Flucht endet eine tierische Odyssee, die in einem Saaler Vorgarten ihren Anfang nahm.
Von Martina Hutzler

Wenn Blicke töten könnten – dann bräuchte die LBV-Kreisgruppe jetzt vermutlich einen neuen Vorsitzenden.
Wenn Blicke töten könnten – dann bräuchte die LBV-Kreisgruppe jetzt vermutlich einen neuen Vorsitzenden. Fotos: Hutzler

Saal.Eine Lasche hochklappen, noch eine, die dritte und vierte – in Deckung – … – Stille. Nein, sie mag einfach noch nicht. Regungslos und stumm sitzt die Uhu-Dame in dem großen Pappkarton und fixiert Peter-Michael Schmalz mit ihren leuchtend knall-orangen Augen so unverwandt, dass dem Vogelschützer doch ein wenig zweierlei wird. Vorsichtig stupst er sie am Kopf an, zaghaftes Kraulen: keine Reaktion. „Die wartet…“ – das „noch“ geht in zweifacher Flucht unter: einem heftigem Flügelschlag einerseits und einem beherzten Seiten-Sprung andererseits. Mit ein paar kraftvollen Schwüngen lässt die große Eule leicht verdatterte Beobachter zurück, MZ-Reporterin inklusive, und verschwindet in den Bäumen bei der Kläranlage Kelheim-Saal.

Wenn Blicke töten könnten – dann bräuchte die LBV-Kreisgruppe jetzt vermutlich einen neuen Vorsitzenden.
Wenn Blicke töten könnten – dann bräuchte die LBV-Kreisgruppe jetzt vermutlich einen neuen Vorsitzenden. Fotos: Hutzler

An dem Ort also, wo das Malheur von Frau Eule mutmaßlich seinen Anfang nahm. Verraten hat es die verunglückte Dame leider nicht. Und so beginnt ihre Geschichte erst später, in einem Vorgarten in Saal. In dem glaubte der Besitzer, Bernd Adelung, an einem Abend Mitte Juni dann doch mal nach dem Rechten sehen zu müssen: Warum dort wohl so viele Hunde wie wild bellen, beim Gassi-Vorbeigehen?? Beim Kontrollgang traute Bernd Adelung seinen Augen kaum: Im Gebüsch saß „ein doch etwas größerer Vogel“, nämlich ein ausgewachsener Uhu!

Offensichtliche Verletzungen hatte das Tier zwar nicht, wirkte aber deutlich geschwächt, außerdem völlig durchnässt. „Und wenn ein Uhu am Boden sitzt und einen bis auf drei Meter an sich heran lässt, dann kann ja was nicht stimmen!“, dachte sich der Finder.

Seinem Schicksal überlassen wollte er das Tier nicht – aber wie hilft man einem auch in geschwächtem Zustand durchaus furchteinflößenden Vogel, der mit schraubstock-ähnlichen Krallen und kräftigem Schnabel zum Beispiel Igel mühelos am Stachelkleid packt und deren Inhalt verspeist?! Bernd Adelung war erst mal ratlos und telefonierte allerlei Leute ab; bei der Polizei erhielt er schließlich den Rat, den Uhu in die Kelheimer Tierklinik zu bringen. Leichter gesagt als getan…

Decke drauf und ab in die Klinik

Er holte einen Nachbarn zu Hilfe. Eine Decke drüber, so lässt sich der Bruchpilot vielleicht ergreifen, so der Plan. „Aber dann breitet der auf einmal die Flügel aus und kuckt mich mit seinen riesigen orangen Augen an…!“ Da sei er schon ordentlich erschrocken, gibt Bernd Adelung gerne zu. Wen würde das auch wundern, wenn einen rund 170 Zentimeter Spannweite anflattern?! Die Decken-List glückte aber dennoch; gut verpackt brachte der Saaler den unerwarteten Gast in die Tierklinik nach Kelheim.

Achtung vor so einem Paket

  • Mächtige Eulen

    Uhus sind die weltweit größten Vertreter innerhalb der Eulen-Verwandtschaft. In Mitteleuropa werden sie zwischen 1900 und 2500 Gramm schwer (Männchen / Weibchen), die Flügelspannweite beträgt rund 155 bis 170 Zentimeter.

  • Lebensweise

    Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere haben ein extrem feines Gehör, mit dem sie auch ihre Beute orten. Er kann Tauben, Krähen und andere Vögel sogar im Flug erbeuten, schlägt sie aber meist, wenn sie auf einem Baum sitzen. Am Boden erbeutet er Mäuse, Igel und anderes Getier. Auch im Raum Kelheim haben sich die Bestände des streng geschützten Uhus wieder erholt. Er kommt unter anderem in der Weltenburger Enge, im Saaler Kalkwerk und bei Kapfelberg vor. (hu/Quelle: Wikipedia)

Nach einer Untersuchung dort war klar: Das geschwächte, durchnässte und auch leicht verletzte Tier konnte nicht gleich wieder freigelassen werden, sondern brauchte einen Kuraufenthalt, in der Vogel-Auffangstation in Regenstauf. Dieter Winterstein, Vize-Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), übernahm den Krankentransport in die vom LBV betriebene Einrichtung.

Dort wurde die Patientin in den vergangenen Wochen wieder so weit aufgepäppelt, dass sie vor einigen Tagen nun zurück in die Freiheit entlassen werden konnte. Zu vermuten ist, dass es sich um das Weibchen handelt, das im Bereich des Kalkwerks Saal brütet, schildert LBV-Kreisvorsitzender Peter-Michael Schmalz. Und bekannt sei den dortigen Beschäftigten auch, dass die nächtlichen Jäger gerne im Bereich der Kläranlage auf die Jagd nach Ratten gehen. Gut möglich, dass das Tier dort dann mal zu tief „eingetaucht“ hatte – das durchnässte und auch verschmutzte Gefieder legte diesen Verdacht nahe.

Weil es mutmaßlich aus dem Bereich der Kläranlage kam, transportierte der LBV-Mann mit Hilfe seiner Söhne Fabian und Michael das ausgewachsene Weibchen auch wieder dorthin zurück. Verbunden mit der Hoffnung, dass vorübergehend Abwesenheit des Weibchens nicht dem Nachwuchs das Leben gekostet hat.

Bei einem Paket mit über anderthalb Metern Flügelspannweite als Inhalt geht auch Peter-Michael Schmalz (li., mit Sohn Michael) lieber mal in Deckung…
Bei einem Paket mit über anderthalb Metern Flügelspannweite als Inhalt geht auch Peter-Michael Schmalz (li., mit Sohn Michael) lieber mal in Deckung…

Denn der Absturz der Eule fiel genau in jene Zeit, in der Jungtiere normalerweise erst flügge werden und noch auf Mamas „Unterstützungsleistungen“ angewiesen sind. Ob dieses Weibchen heuer überhaupt Junge hatte, sei allerdings nicht bekannt, so Schmalz.

Für den Uhu jedenfalls nahm der mutmaßlich missglückte Jagdausflug ein glückliches Ende – und darüber freut sich nicht zuletzt Bernd Adelung: „Ganz toll!“, kommentiert er die Meldung von der Freilassung. Die Auffangstation in Regenstauf hätte er jetzt als Info abgespeichert; dass er die nochmal braucht, hält er aber für eher unwahrscheinlich: „Ein Uhu im Vorgarten – so was erlebt man wahrscheinlich bloß ein Mal im Leben…“

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