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Katastrophe

Tage voll Schweiß und Tränen

1999 wurde zum Schicksalsjahr für Neustadt. Der Donaudamm brach und binnen Stunden stand die Stadt unter Wasser.
Von Jochen Dannenberg

Neustadt Pfingsten 1999: Der Donaudamm ist gebrochen, die Stadt steht unter Wasser. Foto: Wehrtechnische Dienststelle WTD 61 Manching
Neustadt Pfingsten 1999: Der Donaudamm ist gebrochen, die Stadt steht unter Wasser. Foto: Wehrtechnische Dienststelle WTD 61 Manching

Neustadt.Das Jahr 1999 steht für eines der entscheidenden Ereignisse der jüngeren Geschichte Neustadts. Pfingsten 1999 brach der Donaudamm. Millionen Kubikmeter Donauwasser flossen ins Neustädter Becken. Hunderte Häuser standen meterhoch im Wasser. Viele Familien verloren Hab und Gut, standen mit einem Mal am Rande des Ruins. Der Sachschaden, der durch das Hochwasser entstand, wurde später auf 100 Millionen Euro beziffert.

Neustadt rückte in den Mittelpunkt bundesweiter Berichterstattung. „Ich werde nie das ganze Medieninteresse vergessen. Die Herzog-Ludwig-Straße war mit Übertragungswagen von Sendern zugeparkt“, erinnert sich Bernhard Rieger, der zweite Bürgermeister und Hochwasserexperte der Stadt.

Viele Fragen

Insbesondere aufgrund der Ausmaße der Katastrophe wurde die Überschwemmung in die Nähe eines anderen Ereignisses in Neustadts jüngerer Geschichte gerückt – der weitgehenden Zerstörung der Altstadt am Ende des Zweiten Weltkrieges. 70 Prozent aller Häuser wurden zwei Wochen vor Kriegsende durch Beschuss von amerikanischen Streitkräften und SS-Truppen zerstört oder beschädigt.

Die Mittelbayerische nimmt den 20. Jahrestag des Pfingsthochwassers zum Anlass, um in der kommenden Woche ausführlich über die Ereignisse von Pfingsten 1999 zu berichten. Im Rahmen einer Themenwoche sollen die Ereignisse jener Tage dargestellt und wichtige Fragen zum Hochwasser und seinen Folgen beantwortet werden.

Volksfest begann

Es hatte geregnet, es war viel Regen im Mai 1999 gefallen. Mehr als sonst. Flüsse im Allgäu und in Oberbayern waren angeschwollen, als in Neustadt das 51. Pfingstvolksfest begann. Mit Regenschirmen „bewaffnet“ zogen die Neustädter beim Vereinszug zum Volksfestplatz, um den Beginn des Volksfestes zu feiern. Trotz des schlechten Wetters waren die Menschen guter Laune, Regen am Volksfestwochenende hatte es immer wieder gegeben.

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Das Pfingsthochwasser jährt sich zum 20. Mal

Niemand konnte sich an jenem Pfingstfreitag 1999 vorstellen, was an diesem Wochenende sonst noch passieren würde. Die Menschen wollten feiern, das große Volksfest genießen, dass dem Stadtfest im Juli wie kein anderes Ereignis die Menschen in Neustadt zusammen bringt. Man dachte an kein Hochwasser, auch wenn der Wasserstand der Donau erhöht war.

Wie konnte es an Pfingsten 1999 dennoch zu jener verhängnisvollen Katastrophe kommen? War der Dammbruch „Fügung“ oder ein sonst irgendwie unausweichliches Ereignis oder hätte der Dammbruch möglicherweise doch verhindert werden können? Bis heute hält sich die Kritik an Personen, die damals Verantwortung trugen.

„Sehenden Auges“ in die Katastrophe?

Wie stand es um die Schutzmaßnahmen? Ist Neustadt „sehenden Auges“ in die Katastrophe gesteuert? Was ist seither geschehen? Was hat die Stadt unternommen, um die Bürger vor zu schützen? Ist überhaupt ein Schutz vor Hochwasser möglich?

Unter Wasser

  • Flut:

    Das Hochwasser 1999 überschwemmte weite Teile der Stadt.

  • Verkehr:

    Straßen waren binnen Stunden für Autos nicht mehr passierbar.

  • Ortsteile:

    Auch Neustädter Ortsteile waren überschwemmt.

Und wie geht es weiter? Geht es in Zukunft überhaupt noch um die Donau, wenn man über die Gefahren von Hochwassern nachdenkt und sich fragt, was gegen die Risiken getan werden kann? Die Donau hat über Jahrhunderte das Land an ihren Ufern überschwemmt, Menschen um ihren Besitz gebracht und sogar für Tote gesorgt. Niemand will, dass das immer so weiter geht. Doch mehren sich die Zeichen, dass neue Probleme anstehen, für die Lösungen gefunden werden müssen.

Die Überschwemmung traf 2000 Menschen

Die Neustädter Bürger wollten 1999 eigentlich ihr Pfingstvolksfest feiern, dann brach der Donaudamm. Foto: FFW Neustadt/ Bearbeitung Martin Godesar
Die Neustädter Bürger wollten 1999 eigentlich ihr Pfingstvolksfest feiern, dann brach der Donaudamm. Foto: FFW Neustadt/ Bearbeitung Martin Godesar

Schließlich stehen natürlich auch die Menschen im Fokus der Berichterstattung in der Themenwoche der Mittelbayerischen. Viele Menschen – offizielle Zahlen sprechen von 2000 – sind zu Opfern der Überschwemmung an Pfingsten 1999 geworden. Das Wasser stand in vielen Häusern zwei Meter hoch. Das bedeutete, dass die Keller vollgelaufen waren und auch die Erdgeschosse der Häuser unbewohnbar waren. Die Menschen verloren damit, was bis dahin ihr Leben ausgemacht und lebenswert gemacht hatte und wofür sie jahre- und jahrzehntelang gearbeitet hatten.

Um Existenzen gebangt

Möbel, Kleidung, Kühlschränke, Waschmaschinen, Fotoalben und private Unterlagen waren innerhalb weniger Stunden ein Raub der Fluten geworden, die unerbittlich alles unter sich begruben. Auch berufliche Existenzen standen mit einem Mal in Frage. Wie sollte es weitergehen, wenn der ganze Betrieb unter Wasser stand? Mit dem Wasser zog ein Gestank in die Häuser, der oft über Jahre anhielt und den die Leute, bei denen er sich in die Häuser eingenistet hatte, noch heute schmecken können. Was sagen diese Menschen 20 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser? Wie sind sie mit der Katastrophe umgegangen? Wie haben sie in ihr Leben zurückgefunden?

Eine Nacht genügte, um das Leben von tausenden Menschen zu verändern. Was blieb waren Berge von Sperrmüll. Es flossen viel Schweiß und viele Tränen, bis wieder Normalität ins Leben der Menschen zurückkehrte. Auch 20 Jahre nach der Überschwemmung ist das Pfingsthochwasser tief in den Menschen verankert. Die Erinnerungen an die Ereignisse haben sie nie wieder losgelassen. Dazu gehört auch die Frage, wer Schuld trägt.

Weitere Berichte zum Pfingsthochwasser 1999 lesen Sie unter https://www.mittelbayerische.de/region/kelheim/

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