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Fanpower

Die Macht vom „Col de Stausacker“

An der Partymeile am Stadtplatz feierte die Masse, die echten Race24-Fans stehen aber einige Höhenmeter weiter oben.
Von Beate Weigert

  • Bei der Hütte der Teams Sprengkraft und Passauer Wolf herrscht gegen 23 Uhr die meiste Stimmung. Basti Ebner und seine Freunde hauen rein. Fotos: Pieknik
  • Die Rock’n’Roller aus Lappersdorf sorgten am Stadtplatz für gute Laune.
  • Mit Ratsche, Tröte und viel Inbrunst war dieser Fan bei der Sache.

Kelheim.Hubert von Goiserns Hirtamadl wirkt. Das gesungene Intro schallt kurz vor 23 Uhr den Stausackerer Berg hinauf. Es lässt der Müdigkeit keine Chance. Die Race24-Fahrer, die sich gerade an der Fanmeile vom Team Sprengkraft und Passauer Wolf vorbei den Berg hochkurbeln, zaubern die Passanten und der Song ein Lächeln ins Gesicht. Einer schnappt sich sogar eine Bierflasche aus der Hand eines der Anfeuernden. „Der ist aber echt gut drauf“, ruft Basti Ebner. Der junge Irnsinger weiß, wie wichtig, die moralische Unterstützung gerade in der Nacht ist. Sein Vater ist früher selbst mitgeradelt.

Laute Beats tragen den Berg hinauf

Helmut Meilinger, Willi Schmitzer und das restliche Team wissen, wie man mit viel Rhythmus und rockigen Songs der Schwere ein Schnippchen schlägt. Auch „Jump“ von van Halen oder AC/DC-Klassiker eignen sich dafür gut. Aber auch Gute-Laune-Schlager wie das „rote Gummiboot“ hauen sie raus gegen die Kälte der Nacht.

Während Basti Ebner und seine Freunde noch runter zum Ludwigsplatz wollen, um dort in der großen Menge mitzufeiern, stapft eine Gruppe von sieben Mädels und einem jungen Mann mit Rasseln, Käppis und viel guter Laune erst auf das Lager von Meilinger und Schmitz zu. Eva, Steffi, Philipp, Vroni, Lisa und die anderen geizen nicht mit einem Motivationscocktail. Die Anhänger vom Kühnel & Weiss-Team, in dem sich Fahrer aus Kelheim und Saal abstrampeln, spendieren auch anderen mal eine „Steighilfe“. Vor allem will die junge Truppe aber die eigenen fünf Jungs gut durch die Nacht bringen.

Ein wenig mehr Gleichgesinnte hätten sie um die Zeit schon erwartet, sagen sie. Doch seit vier Jahren werde das ein immer weniger. Bei Meilinger und Schmitz sei immer noch am meisten los. Deshalb wollen sie genau da hin.

Bei der Hütte der Teams Sprengkraft und Passauer Wolf herrscht gegen 23 Uhr die meiste Stimmung. Basti Ebner und seine Freunde hauen rein. Fotos: Pieknik
Bei der Hütte der Teams Sprengkraft und Passauer Wolf herrscht gegen 23 Uhr die meiste Stimmung. Basti Ebner und seine Freunde hauen rein. Fotos: Pieknik

Doch deren Hütte ist nicht die einzige Partystation am Berg. Schon seit Samstagvormittag waren einige Gruppen mit ihren DJ-Pulten, Kühlschränken und Verpflegung am „Col de Stausacker“ angerückt und hatten alles aufgebaut. Ganz oben hinterm Gipfel haben die Winzerer Oldtimerfreunde ihren Platz. Sie kümmern sich ums große rot-weiße „Sport 2000“-Tor. Mit Anhänger und Zelt haben sie auf beiden Seiten Stellung bezogen. Bis zum späten Abend werde das kleine Häuflein auf beiden Seiten noch ordentlich Verstärkung bekommen, prognostizierten die Hartgesottenen. 40 bis 50 Winzerer und viele andere dürften es bis dahin noch werden. Warum man sich da an die Straße setzt? „Weil’s a Gaudi ist und weil die ganze Nacht die Musik durchplärrt“, sagt Andreas Schmitz.

Am Nachmittag waren ganz am Gipfel des Stausackerer Bergs Andreas Schmitz und Rainer Winkelbauer (re.) aus Kelheimwinzer noch fast allein beim anfeuern, zum Abend hin sollte sich das ändern. Auch wenn in früheren Jahren dort um einiges mehr los war.
Am Nachmittag waren ganz am Gipfel des Stausackerer Bergs Andreas Schmitz und Rainer Winkelbauer (re.) aus Kelheimwinzer noch fast allein beim anfeuern, zum Abend hin sollte sich das ändern. Auch wenn in früheren Jahren dort um einiges mehr los war.

Früher war der Spaß noch viel größer, sagt Rainer Winkelbauer. Gemeint sind die Zeiten als noch mehr Vereine aus der Region der Gaudi wegen mitgefahren sind. Der ein oder andere habe da noch für eine Halbe zwischendurch bei ihnen angehalten. „Für eine Runde haben die Fahrer noch zwei Stunden gebraucht, nicht 20 Minuten.“ Doch in den vergangenen drei Jahren habe sich das mächtig gewandelt. Das 24-Stunden-Rennen wird immer mehr zum „Profi-Rennen“.

„Früher war die Gaudi noch viel größer.“

Rainer Winkelbauer von den Winzerer Oldtimerfreunden

Am Nachmittag wurde nur ab und an ein Anfeuerungsruf gespendet. „Jetzt sind die ja noch alle fit und kommen mit einem Lächeln den Berg rauf, aber das ändert sich noch“, prognostizierte der 52-jährige Winkelbauer.

Freche Anfeuerungskommentare und laute Musik erwartete da die Fahrer bereits in der „grünen Hölle“, ein Stück unterhalb. Dort hatten sich Kelheimer und Saaler vom Team Glasservice Weber eingerichtet. Hinunter können sie alle erst wieder am Sonntagnachmittag, nachdem das Rennen gelaufen ist. Bis dahin werden sie mit Tröten, lauter Mucke und flotten Sprüchen dafür sorgen, dass die Fahrer ihres Racing- und Fun-Teams gut durch die Nacht kommen.

Am schönsten ist es, wenn die Dämmerung hereinbricht, die Atmosphäre, das Licht, die Musik und wenn irgendwann kein Auto mehr zu sehen und hören ist, sagt Silvia Wittmann. Ihr Neffe, Höllen-„Moderator“ Markus Kaltenegger legt auf und macht den Fahrern Lust aufs Radeln.

Der Kelheimer Stadtplatz war am Samstagabend dicht besetzt. Nur im Gänsemarsch war ein Durchkommen.
Der Kelheimer Stadtplatz war am Samstagabend dicht besetzt. Nur im Gänsemarsch war ein Durchkommen.

Am Abend hieß es am Stadtplatz – je später, desto voller. DJ Tom Larusso verwandelte diesen in einen Partykessel. Nur in Zeitlupe war zu Fuß ein Durchkommen. Die Rock’n’Roller von der Truppe „Tutti Frutti“ aus Kareth-Lappersdorf ließen für das Race24 sogar Michael Jackson auferstehen.

Nur eins ist noch besser

Am Berg sinnierten die „Stammfans“ darüber, ob es heuer manchem womöglich zu frisch gewesen war. 12 bis 13 Grad sind alles andere als eine laue Sommernacht. Doch für einige der „Eingefleischten“ gibt es etwas das noch besser ist als eine Nacht am Berg – die Zeit ab Sonntagmittag. Sie ist etwa für Rainer Winkelbauer aus Kelheimwinzer der Höhepunkt. „Wenn der Rundenrekord noch nicht gebrochen ist und am Schluss nochmal Hektik aufkommt“, das elektrisiere.

„Nie, wieder! Aber nächstes Jahr stehen wir wieder da. Wenn dich das Fieber mal gepackt hat, dann kannst du nicht anders....“

Silvia Wittmann von den Fans vom Glasservice Weber

Silvia Wittmann von der „grünen Hölle“ sieht’s ähnlich. Der Gänsehautmoment sei die allerletzte Runde. „Wenn sich jeder bedankt – auch fremde Fahrer.“ Und dennoch: „Nur für die Fremden würde ich mich nicht herstellen“, gesteht Silvia Wittmann. Der ganze Aufwand sei vor allem den Freunden und Angehörigen geschuldet. Vermutlich werden sie am Sonntag wieder einmal zusammenpacken und sich denken: „Nie, wieder! Aber nächstes Jahr stehen wir wieder da. Wenn dich das Fieber mal gepackt hat, dann kannst du nicht anders....“

Auch Hunderte von Helfern waren beim Race24 am Start. Wir haben vier nach ihrem Job gefragt!

Thomas Endres von der Essinger Feuerwehr Foto: Weigert
Thomas Endres von der Essinger Feuerwehr Foto: Weigert

Thomas Endres: Der Gruppenführer von Essings Feuerwehr sicherte mit 15 Kollegen den Streckenabschnitt bei Altessing. Uneinsichtigen Schichtarbeitern, Bikern und Hochzeitsgästen erklärte er in Engelsgeduld gerne auch fünfmal, dass hier „keiner mal schnell“ durch durfte.

Andreas Ober Foto: Weigert
Andreas Ober Foto: Weigert

Andreas Ober: Am Samstag drehte der BRK-Einsatzleiter an die 25 Runden. Nicht auf dem Rennrad, sondern einem geliehenen Dienstmotorrad. Um im Ernstfall schnell vor Ort zu sein. Mal Urlaub nehmen zum Race24? Nein, das gehört seit 21 Jahren dazu. Auch Tochter und Sohn helfen mit.

Helmut Ipfelkofer Foto: Weigert
Helmut Ipfelkofer Foto: Weigert

Helmut Ipfelkofer: An der Abfahrt nach Stausacker steht das Mitglied der Motorradstaffel. Ipfelkofer hat gehört, dass Laster mit Kanus womöglich auf falsche Pfade, sprich entgegen die Einbahnstraße, geraten könnten. Das wird er verhindern. Auch ob Fahrer mogeln und ohne Nummer unterwegs sind, hatte er im Auge.

Paul Seidinger Foto: Weigert
Paul Seidinger Foto: Weigert

Paul Seidinger: Am Nudelstand des RSC half der 13-Jährige mit. Neunmal war eine Nachlieferung am Samstag nötig. Vor allem mit den Radfahrer geht immer wieder aber auch ein netter Plausch, sagt Paul. Mama Grit nickt, sie packte auch mit an.

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