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Bodenständig an die Schulspitze

Johann Huber leitet jetzt das Berufliche Schulzentrum Kelheim. Der Posten erinnert ihn an den eines Unternehmens-Chefs.
Von Martina Hutzler

Beste Aussichten in Kelheim – jedenfalls aus diesem Klassenzimmer am Beruflichen Schulzentrum: der neue Leiter Johann Huber
Beste Aussichten in Kelheim – jedenfalls aus diesem Klassenzimmer am Beruflichen Schulzentrum: der neue Leiter Johann Huber Foto: Hutzler

Mainburg.„Bodenständig“ beschreibt den neuen Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Kelheim in wörtlicher Weise: Johann Huber stammt aus einer Landwirtschaft, hat dort auch die Lehre absolviert. Zweierlei bringt er aus seinem eigenen schulisch-beruflichen Werdegang mit nach Kelheim: Die Schulformen, für die er jetzt verantwortlich ist, kennt er fast alle schon aus der Schulbank-Perspektive. Und ein Unternehmer ist man nicht nur als Landwirt. Sondern irgendwie auch als Chef einer Bildungseinrichtung mit rund 150 Mitarbeitern und gut 2100 „Kunden“, sagt der 56-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Offiziell zum 1. September hat Huber die BSZ-Leitung von Maria Sommerer übernommen, die zur Schulaufsicht nach Landshut gewechselt hat. Inoffiziell angefangen hat er schon Tage zuvor, „sonst ist das nicht zu schaffen“ – schließlich startet am Montag mit der Lehrerkonferenz das neue Schuljahr. Und so hat er den Streckendurchschnitt schon ermittelt: „30 bis 33 Minuten“ braucht er vom niederbayerischen Neufahrn nach Kelheim.

Gewohnt ans Pendler-Dasein

Seinem Heimatort, in dem er zeitweise auch Gemeinderat war, ist er treugeblieben – und deshalb ans Pendeln gewöhnt. Zuletzt steuerte er täglich Landshut an: Am dortigen Beruflichen Schulzentrum war er „Vize“, also „Ständiger Vertreter des Schulleiters“ und hat die Wirtschaftsschule am BSZ geleitet. Dass er nun selbst ein BSZ übernimmt, hat ihn dann doch überrascht – „Kelheim hab’ ich eigentlich gar nicht am Radar gehabt“. Wie manch anderen, hat es auch Huber überrascht, als Maria Sommerer nach Landshut wechselte.

Zur Person

  • Privat

    Johann Huber stammt aus Neufahrn bei Landshut, wo er auch lebt. Der 56-Jährige ist verheiratet und hat eine Tochter (22) sowie einen Sohn (18).

  • Berufsfindung

    Nach der Realschule hat Huber zunächst eine landwirtschaftliche Lehre auf dem elterlichen Hof absolviert. Über die Berufsoberschule kam er nicht nur zum Abitur, sondern auch zum Berufswunsch: Das persönliche und pädagogische Wesen eines der BOS-Lehrer hat ihn so fasziniert, dass er diesen Beruf studiert hat. Genauer: das „Höhere Lehramt an beruflichen Schulen für Agrarwirtschaft“.

  • Schule

    Nach dem Referendariat in Passau und Neunburg war Huber 15 Jahre am Berufsschulzentrum Regensburg-Land eingesetzt. Schon da war er auch abseits seines studierten Fachgebiets unterwegs, hat unter anderem an der damaligen „Berufsaufbauschule“ unterrichtet. Die Notwendigkeit, über den studierten Tellerrand hinauszublicken, setzte sich für ihn fort, als er nach Straubing wechselte. Dort gibt es zwar einen Agrarbereich. Doch den verließ er, als er die Außenstellenleitung für die Berufsfachschule Mitterfels übernahm, wo Kinderpflege sowie Ernährung/Versorgung gelehrt werden. Nach neun Jahren in Straubing/Mitterfels wechselte er als Leiter an die Wirtschaftsschule Landshut. Sie gehört zum dortigen Beruflichen Schulzentrum, führt aber – kommunalpolitisch-historisch bedingt – ein eigenständiges Dasein. Dadurch und weil er zugleich Ständiger Vertreter des Schulleiters am BSZ war, ist er in der Schulleiter-Riege kein Unbekannter mehr.

  • Jetzt

    Mit Übernahme des Schulleiter-Postens am Beruflichen Schulzentrum Kelheim ist Johann Huber verantwortlich für die Berufsschule Kelheim mit der Außenstelle Mainburg, für die Fach- und Berufsoberschule in Kelheim sowie die Wirtschaftsschule Abensberg, die ein Kooperationsprojekt mit der dortigen Aventinus-Mittelschule ist. Neben dem regulären Unterrichtsspektrum werden am BSZ auch Flüchtlinge beschult: acht Berufsintegrations-Klassen gibt es in Kelheim und Mainburg. (hu)

Sie hat ihm „ein tolles Kollegium“ in Kelheim prophezeit und damit nicht zu viel versprochen, so Hubers erster Eindruck – „egal, wem man begegnet, ob Lehrer, Sekretariat, Hausmeister, Putzkräfte“. Was ihn insofern beruhigt, als er die Personalführung als zentrale Chef-Sache nennt. Und eine, die in einem so großen BSZ gehörig Zeit in Anspruch nimmt.

Auch eine Einstellungssache

Allein im Herbst starten 18 von insgesamt rund 130 Lehrkräften neu an den BSZ-Standorten (siehe Zusatztext). So ein großes Kollegium mit so viel Fluktuation, „das ist auch intern eine große G’schicht, bis hier wieder jeder jeden kennt.“ Ab jetzt ist er, mit seinen beiden Ständigen Vertretern, zuständig für Neueinstellungen.

Das ist eine Besonderheit der Beruflichen Schulen, erklärt Huber. Für etwa 90 Prozent des Unterrichtsstunden-Kontingents schickt zwar der Staat die dafür nötigen Staatsdiener. Aber für die restlichen zehn Prozent müssen die Schulleiter selbst auf Personalsuche gehen. Derzeit vor allem auf dem „Markt“ für Gymnasiallehrer. Des einen Leid’, des Andern Freud’: Dank vieler Gymnasiums-Lehramtler, die keine Stelle bekamen, konnten die Beruflichen Schulen ihre offenen Stellen ganz gut besetzen. Unterm Strich sei die Lehrerversorgung fürs BSZ Kelheim „vernünftig“, urteilt er, „der Pflicht- und auch etwas Wahlunterricht sind abgedeckt“.

Das Budget im Auge behalten

Nicht nur die Personalführung eint Unternehmer und Schulleiter; auch für die Finanzen sind beide verantwortlich. Verdienen kann Huber das Geld für die Schule allerdings nicht selbst. Stattdessen muss er intern zusammen mit seinem Kollegium den jährlichen Bedarf ermitteln, an Mobiliar, technischem Gerät, EDV und sonst allem, was eine Schule so braucht. Und dann dafür ein Budget verhandeln mit dem Sachaufwandsträger, also dem Landkreis Kelheim. „Alles geht nicht, das wissen wir“, aber er hofft auf einen guten Mittelweg. Optimistisch stimmt ihn da der nagelneue Erweiterungsbaus, in den der Kreis, mit kräftiger staatlicher Förderung, rund 10,1 Millionen Euro investiert hat.

Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus (grüne Fassade) steht nun im Innern der Altbauten die Generalsanierung an.
Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus (grüne Fassade) steht nun im Innern der Altbauten die Generalsanierung an. Foto: Hutzler

Dass es damit weder für den Landkreis noch für die Schule getan ist, weiß Huber natürlich längst, von seiner Vorgängerin und aus der Zeitung. Momentan gibt’s zwar grad keinen Baulärm und -staub, aber in einem Jahr etwa dürfte zumindest die planerische „Bau-Pause“ wieder vorbei sein, schätzt Huber. Grundsätzlich beschlossene Sache in der Kreispolitik ist nämlich schon die Generalsanierung der Kelheimer BSZ-Altbauten und der Werkstätten – vor allem letzteres sei wirklich dringlich, urteilt Huber nach eigener Anschauung. Aber auch der ebenfalls beschlossene Turnhallen-Bau sei wichtig, angesichts des vielen Sportunterrichts, der bislang einfach ausfällt, bekräftigt Huber, der selbst Sport unterrichtet.

Zum Unterrichten wird er allerdings als Chef in Kelheim nicht mehr viel kommen. Wie der mittelständische Unternehmer hat auch der Schulleiter vor allem dafür zu sorgen, dass, salopp gesagt, „der Laden läuft“ und gut vernetzt ist nach „draußen“, also zum Landkreis und den Schulstandort-Kommunen, zu den Betrieben, zu anderen Schulen.

Qualitätsmanagement etablieren

Einige Leitpfosten für Hubers Arbeit hat noch seine Vorgängerin gesetzt. Unter anderem hat das BSZ die zweijährige Einführung des „Qualitätsmanagements an beruflichen Schulen“ hinter sich; das QmbS-Siegel auf der Homepage zeugt davon.

Das BSZ Kelheim hat das „Qualitätsmanagement an Beruflichen Schulen“ eingeführt.
Das BSZ Kelheim hat das „Qualitätsmanagement an Beruflichen Schulen“ eingeführt. Foto: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung

„Aber damit ist es nicht getan: Jetzt muss sich das erst etablieren, indem wir danach leben und arbeiten“, weiß Huber, der früher selbst schon ein „QmbS-Team“ geleitet hat. So müssen die selbstgesteckten Schulziele stetig erarbeitet und überprüft werden: Das BSZ, insbesondere die Berufsschule, will sich verstärkt der Inklusion widmen, also dem gemeinsamen Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung. Zweites Ziel ist, stetig an einem respektvollen Schulleben zu arbeiten, im Umgang zwischen Schülern, Lehrern, Betrieben. Und an der Fachoberschule steht als drittes Ziel noch die Einführung des „kompetenzorientierten Unterrichts“ an.

Weitere Berichte rund um das Schulleben im Landkreis Kelheim finden Sie hier

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