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Advent

So feiert man im Altenheim Advent

Auch in den Seniorenheimen im Landkreis Kelheim kommt Weihnachtsstimmung auf – und lässt an vergangene Zeiten erinnern.
Von Emily Buchner

Bewohnerin Franziska Kellner erinnert sich an Weihnachten in ihrer Kindheit. Rechts Pflegedienstleiterin Sonja Simmerl. Fotos: Buchner
Bewohnerin Franziska Kellner erinnert sich an Weihnachten in ihrer Kindheit. Rechts Pflegedienstleiterin Sonja Simmerl. Fotos: Buchner

Saal.Die Tage werden kürzer, das Wetter regnerisch und die Temperaturen sind nur noch knapp über null. Für Sonja Simmerl ist das das Zeichen dafür, mit der Weihnachtsdekoration zu beginnen. In den letzten Tagen hat sie viele Ecken des Hauses mit kleinen Holzfiguren, Tannenzweigen und Moos liebevoll geschmückt, um Adventsstimmung aufkommen zu lassen. Gemacht hat sie das für die rund 70 Bewohner des Hauses.

Sie ist Pflegedienstleiterin im Altenheim der Arbeiterwohlfahrt in Saal gegenüber dem Bahnhof. Ihr ist es wichtig, mit solchen „Kleinigkeiten“ eine persönliche Note ins Altenheim zu bringen. Und vor allem ist ihr wichtig, dass sich die Bewohner so auf die kommende Jahreszeit und die Festlichkeiten einstellen können.

Ein eigener Weihnachtsmarkt

Auch Heimleiter Frank Hirche liegt es am Herzen, im Rahmen der Möglichkeiten eine schöne Adventszeit zu gestalten: „Viele Veranstaltungen sind für die Bewohner Highlights, über die Tage danach noch gesprochen wird. Das freut uns dann immer sehr.“ Deshalb organisierten sie beispielsweise Ende November einen kleinen „Weihnachtsmarkt“ auf dem Altenheimgelände, auf dem für die Bewohner Glühwein und Bratwurstsemmeln angeboten werden – wie in „echt“, nur in geschützter und ruhiger Umgebung. Außerdem gibt es auf jeder Station eine kleine Nikolausfeier und kurz vor Weihnachten findet eine Feier statt, bei der das Heim jedem Bewohner ein kleines Geschenk überreicht. „Die letzten Jahre haben wir auch zusammen Plätzchen gebacken, aber das wurde von den Besuchern unterschiedlich angenommen“, erzählt Simmerl. Viele hätten mit den Worten „Ich hab mein ganzes Leben lang gekocht und gebacken“ abgewinkt. Sie wollten lieber eine wirklich „stade Zeit“ verbringen und die Ruhe genießen. „Deswegen haben wir auch schon mal privat zu Hause Plätzchen vorbereitet und das Blech dann hier in den Ofen geschoben, damit sich wenigstens der Geruch von frischem Gebäck verbreitet und Weihnachtsstimmung aufkommt.“ Und das hat auch funktioniert.

Adventszeit in Altenheimen der Region

  • Azurit Seniorenheim Asam Rohr:

    In Rohr wird gemeinsam mit den Bewohnern des Hauses das gesamte Heim weihnachtlich geschmückt, erzählt Annika Seitz, die Leiterin der Sozialen Betreuung. Zwei bis drei Mal die Woche backen sie zusammen Plätzchen, täglich singen sie Weihnachtslieder oder die Besucher erzählen sich Geschichten aus vergangen Zeiten. Außerdem hat das Seniorenheim am Rohrer Christkindlmarkt einen eigenen Stand, den die Betreuer zusammen mit Bewohnern besuchen. Kurz vor Weihnachten findet eine große Weihnachtsfeier statt.

  • BRK Seniorenwohn- und Pflegeheim in Abensberg:

    Laut Eva-Maria Leuschner, Hauswirtschaftsleitung im BRK Seniorenheim, wird auch hier die Adventszeit mit verschiedenen Aktionen begrüßt: Für die Bewohner wird ein Nikolausmarkt vor dem Haus mit Glühwein und Bratwurstsemmeln inklusive Verkauf von Keramik und Selbstgestricktem organisiert. „Das ist eine Zeit, in der die Bewohner besonders nachdenklich sind und viele Erinnerungen hochkommen,“ sagt Leuschner. Deswegen wird besonders viel gesungen, gebastelt und erzählt. (ebu)


Viele Bewohner sind sich einig, dass Weihnachten als „stade Zeit“ der Vergangenheit angehört. Heute wird sie von den „jungen Leuten“ oft als durch und durch stressig empfunden: Geschenke kaufen, die Dekoration der letzten Jahre wieder übertreffen und für die Feiertage alles fertig organisieren. Bewohnerin Franziska Kellner zum Beispiel sieht diesen Wandel kritisch.

„Weihnachten war für uns damals kein großes Fest. Ich bin in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen“, erzählt sie. Sie ist mit sieben Geschwistern groß geworden und das Geld war knapp. „Jedes Kind hat damals nur eine Sache bekommen – einen Pullover zum Beispiel. Aber darüber haben wir uns sehr gefreut und das Geschenk wertgeschätzt.“ Außerdem gab es Äpfel und Nüsse von Verwandten – was ebenfalls etwas Besonderes war: „Wir selber hatten keine Obst- oder Nussbäume“, erinnert sie sich.

Weihnachtstag war schlicht gehalten

Abgesehen davon hielt man den Weihnachtstag schlicht. Vormittags wurde wie an jedem anderen Tag gearbeitet, später wurde dann der Christbaum geschmückt. „Wir Kinder haben in der Zeit auf der Straße gespielt, weil wir den Baum nicht vor der Bescherung sehen durften“, erzählt Kellner. Zu essen gab es zur Feier des Tages Blut- und Leberwurst und danach ging die ganze Familie in die Christmette. „Aber mehr war da auch nicht.“ Auch als sie selbst Familie hatte, lief Weihnachten nicht anders ab. „Wir hatten eine Landwirtschaft, wir mussten uns vormittags genau wie an jedem anderen Tag um unser Vieh kümmern. Erst nachmittags ging es dann um Weihnachten.“

Dass heutzutage Weihnachten ein Großereignis im Jahresverlauf ist, kann Franziska Kellner nicht nachvollziehen. „Das ganze Tam-Tam ist übertrieben. Der eigentliche Sinn von Weihnachten geht dabei verloren.“

Sonja Simmerl pflichtet ihr bei, Weihnachten als Fest der Liebe stehe bei all dem Konsum auch ihrer Meinung nach oft nicht mehr im Vordergrund.

Traditioneller Baumschmuck

Aber auch wenn früher für so etwas nicht viel Zeit war: Die vorweihnachtlichen Ereignisse und die Dekoration im Altenheim gefallen Franziska Kellner. „Der ganze Schmuck ist schon schön anzusehen“, findet sie. Und in den kommenden Wochen wird das noch mehr, verspricht Simmerl. Adventskränze kommen auf jeder Station dazu und kurz vor Weihnachten werden die Christbäume aufgestellt. Sonja Simmerl achtet dabei darauf, dass auch hier die Tradition gewahrt wird: „Der Baumschmuck wird in rot und gold gehalten. Für die Bewohner ist es wichtig, dass wir da die klassischen Farben einhalten.“ Bei Vielen werden auch durch solche „Kleinigkeiten“ wieder Erinnerungen wach.

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