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Themenwoche

Ein Reise-Tag in die Welt der Berufe

Zwölf Bus-Touren, 40 Betriebe: Schüler haben große Auswahl beim ersten „Tag der Ausbildung“ im Kreis Kelheim.
Von Martina Hutzler

Werkbank, Büro, Hotel – oder ganz was Anderes? Schülerinnen und Schüler können sich am 21. November informieren, welche Ausbildungsberufe es im Kreis Kelheim gibt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Werkbank, Büro, Hotel – oder ganz was Anderes? Schülerinnen und Schüler können sich am 21. November informieren, welche Ausbildungsberufe es im Kreis Kelheim gibt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Kelheim. Wer jetzt keinen Lehrling hat, findet lange keinen mehr – frei nach Rilke lässt sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt beschreiben. Laut September-Statistik, die die Bundesagentur für Arbeit am Freitag vorgelegt hat, waren im gesamten Regensburger Agenturbezirk 221 Jugendliche im klassischen Azubi-Alter (also 15- bis 20-Jährige) arbeitslos; sprich: in Stadt und Kreis Regensburg sowie den Kreisen Kelheim und Neumarkt.

Aus der Arbeitsmarkt-Statistik

  • Rückgang:

    Im September startet das neue Ausbildungsjahr – weshalb in diesem Monat die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stets drastisch sinkt. Sie hatten sich nach Schulende oft vorübergehend arbeitslos gemeldet.

  • Trend:

    942 junge Leute (15 bis 25 Jahre) waren im September im Arbeitsagenturbezirk Regensburg (mit Kelheim) arbeitslos gemeldet: Deutlich (- 271) weniger als im August, aber etwas mehr (+ 19) als im September 2017.

  • Ausblick:

    Stichtag in Sachen Ausbildungsmarkt ist für die Statistiker der Arbeitsagentur der 30. September; Ende Oktober erst liegen Zahlen vor. Aber die Zahl der unversorgten jungen Bewerber sinkt seit Monaten stetig.

Eltern und Jugendliche freuen sich über die Arbeitsmarktlage. Betriebe müssen reagieren. Viele stecken enorme Anstrengungen in die Nachwuchsgewinnung. So manche aber resignieren und verzichten auf Ausbildung. Nicht umsonst warnen Berufsverbände und Wirtschaftsexperten immer eindringlicher vor den Folgen sinkender Ausbildungszahlen. Der Fachkräftemangel in der Pflege zum Beispiel ist mittlerweile in der politischen Debatte angekommen. Und wer schon mal Wochen auf einen Handwerker-Termin gewartet hat, dem wird Angst, wenn er von immer mehr Betriebsinhabern hört, dass sie mangels Mitarbeitern und Nachfolgern aufhören wollen. Immerhin melden zum Beispiel die Kammern mittlerweile, dass zumindest die Nachfragen von jungen Leuten zu Ausbildungsmöglichkeiten wieder etwas zunehmen.

Berufsmesse – umgedreht

Während sich in Betrieben und Berufsschulen die neuen Azubis gerade sortieren und letzte „Spätzünder“ in die Ausbildung starten, blicken Personalverantwortliche längst nach vorn; viele haben sogar schon das übernächste Ausbildungsjahr im Blick. 40 Betriebe und Einrichtungen im Kreis Kelheim hoffen konkret auf den ersten „TALK“ am 21. November. So heißt, abgekürzt, der erste „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“. Er dreht das Prinzip von Berufsmessen um: Junge Leute werden zu Ausbildungsbetrieben gefahren, wo sie sich ein Bild von der Arbeit machen können.

Werkbank, Büro, Hotel – oder ganz was Anderes? Schülerinnen und Schüler können sich am 21. November informieren, welche Ausbildungsberufe es im Kreis Kelheim gibt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Werkbank, Büro, Hotel – oder ganz was Anderes? Schülerinnen und Schüler können sich am 21. November informieren, welche Ausbildungsberufe es im Kreis Kelheim gibt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Für Betriebe, die sich auf diese Weise als Arbeitgeber präsentieren wollen, ist die Anmeldung schon längst abgeschlossen; jetzt läuft die Werbung bei Schülern und Eltern an, berichtet Martina Wimmer von der Wirtschaftsförderstelle am Kelheimer Landratsamt. Sie bietet den „Wirtschafts-Wandertag“ per Bus, am schulfreien Buß- und Bettag, den Mädchen und Buben aller Schularten an, bei denen das Schulende in Sichtweite rückt; also Acht- bis Zehntklässler. Deren Lehrkräfte hat Wimmer angeschrieben mit der Bitte, das Projekt zu bewerben. Ihr Chef, Wirtschaftsförderer Christian Rieger, hat es im Realschul-“Arbeitskreis Schule & Wirtschaft“ vorgestellt.

Die Resonanz falle unterschiedlich aus: Einige Lehrer hätten darauf verwiesen, dass es schon Projekte zum Thema Ausbildung gebe. Der neue Ansatz „raus in die Praxis“ stoße aber auch auf viel Zuspruch, berichtet Martina Wimmer. Auch drei Berufsberater der Arbeitsagentur stellen die Aktion an den Schulen vor. Die IHK Oberpfalz/Kelheim, Kreissparkasse und Raiffeisenbank sowie der Hotel- und Gaststättenverband werben ebenfalls mit.

Arbeitgeber müssen sich einiges einfallen lassen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. Denn die Arbeitslosigkeit in der Region ist zum Glück sehr niedrig; der Fachkräftemarkt ist weitgehend leergefegt:

Wer am 21. November mit auf Busreise Richtung Ausbildung gehen will, steht erst mal vor der Qual der Wahl: Für eine von zwölf Touren muss man sich anmelden. Auf jeder Route liegen drei bis vier Unternehmen, die zwischen 9 und 16 Uhr angesteuert werden. Meist sind es branchen-verwandte Betriebe, die man auf einer Route besucht. Bei der Zusammenstellung der Touren hat Martina Wimmer aber auch die Firmen-Orte berücksichtigt, weshalb es auch branchen-gemischte Touren gibt. Gerade in einem Flächenlandkreis wie Kelheim spielt für junge Leute auch die Erreichbarkeit eines Betriebs eine wichtige Rolle.

Fünf Azubis stellen Arbeit vor

Rieger und Wimmer sind nun gespannt auf die Resonanz bei den Azubis von morgen: Kommt die Premiere an, könnte die Aktion künftig regelmäßig die Berufs- und Ausbildungsmessen in der Region ergänzen. Um Schülern und Eltern einen Einblick zu geben, welche Branchen und Tätigkeiten sie bei „Talk“ am 21. November kennenlernen können, starten wir am Montag, 1. Oktober, mit einer einwöchigen Serie: Wir haben fünf teilnehmende Betriebe aus ganz unterschiedlichen Branchen besucht und uns von Azubis dort ihre Lehre und ihre Zukunftsperspektiven vorstellen lassen: Wir sind zu Besuch im „Keldorado“, im Hotel und einer Bank, bei einem Schreiner-Lehrling und bei einer angehenden Altenpflegerin. Außerdem erklären wir den genauen Ablauf von „Talk“ und welche Routen zur Auswahl stehen.

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