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Themenwoche

Gastlich sein ist der Beruf von Bam

Ausbildung daheim und danach vielleicht in die weite Welt: Praweena Pidjaturat lernt beim Schneider in Essing Hotelfachfrau.
Von Martina Hutzler

Wissen, wie sich Gäste wohlfühlen und was Standard ist: Das lernt Bam von Ausbilder Johannes Schneider. Er erklärt ihr gerade, wie ein Tisch ganz akkurat eingedeckt wird. Foto: Hutzler
Wissen, wie sich Gäste wohlfühlen und was Standard ist: Das lernt Bam von Ausbilder Johannes Schneider. Er erklärt ihr gerade, wie ein Tisch ganz akkurat eingedeckt wird. Foto: Hutzler

Essing.Am 21. November findet für Schülerinnen und Schüler der erste „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“, kurz „Talk“ statt. Sie können auf Bustouren Ausbildungsbetriebe verschiedenster Sparten besuchen. Schwierige Entscheidung? Wir stellen schon mal fünf Azubis aus verschiedenen Bereichen vor. Am 19 Oktober ist Anmeldeschluss für „Talk“.


Die Idee kam beim Praktikum

Hotelfachfrau? Klingt interessant, dachte Praweena Pidjaturat, als sie an ihrer Ihrlersteiner Mittelschule erstmals von dieser Ausbildung hörte. Sie informierte sich ausführlicher. „Man lernt viel Neues, und man hat mit vielen Gästen Kontakt“, das hat ihr an der Berufsbeschreibung gefallen, schildert die 18-Jährige. Also hat sie sich vor drei Jahren um ein Praktikum beworben, im Hotel und Brauereigasthof Schneider in Essing. Nach der einen Woche war für die junge Praktikantin und für Ausbilder Johannes Schneider klar: Das passt! Und so hat Praweena, die alle nur mit ihrem Spitznamen „Bam“ rufen, nach erfolgreichem Quali schon gewusst, wie es weitergeht: mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau.

So funktioniert der „Talk“

  • Die Idee:

    Wo bekommt man den besten Einblick in einen Beruf? Klar: Dort, wo er praktiziert wird. Auszubildende von morgen mit Bussen zu einem Schnupper-Besuch zu Betrieben im Kreis Kelheim zu fahren, das ist die Idee hinter dem „Tag der Ausbildung“ („Talk“). Der Landkreis Kelheim veranstaltet „Talk“ heuer erstmals, und zwar am Mittwoch, 21. November, dem Buß- und Bettag.

  • Die Zielgruppe:

    Der Tag der Ausbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Jahrgangsstufen der fortführenden Schulen, ob Mittelschule, Wirtschaftsschule, Realschule oder Gymnasium. Die Teilnahme ist kostenlos.

  • Die Anmeldung:

    Das Anmeldeformular findet man im „Talk“-Flyer, der an den Schulen und im Landratsamt erhältlich ist (online auf www.landkreis-kelheim.de/wirtschaft-regionales/tag-der-ausbildung). Das Anmeldeformular muss vollständig ausgefüllt und von den Eltern unterschrieben sein. Man schickt es bis 19. Oktober ans Landratsamt Kelheim, Wirtschaftsförderung, Donaupark 12, 93309 Kelheim oder gibt es in der Schule ab. Die Organisatoren rechnen mit einer Vielzahl von Anmeldungen und bitten daher um Verständnis, dass nicht alle auf ihrer Wunschroute mitfahren können. Deshalb sollte man bei der Anmeldung gleich eine oder zwei Alternativ-Wunschrouten angeben.

  • Der Ablauf

    : Für die meisten Jugendlichen ist zweierlei wichtig bei der Stellensuche: Es muss der richtige Beruf sein, und der Ausbildungsplatz muss halbwegs erreichbar sein. Danach orientiert sich auch der Tag der Ausbildung. Er besteht aus zwölf Bustouren, die einen thematischen und einen geografischen Schwerpunkt haben. Man meldet sich für die Tour an, die den eigenen Interessen am nächsten kommt . Die Busse steuern von ca. 9 bis 16 Uhr zwei bis vier Unternehmen pro Route an. Die Start- und Endpunkte einer Route sowie die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten werden Anfang November bekannt gegeben.

  • Der Inhalt:

    In jedem Unternehmen haben die Schüler jeweils ein bis zwei Stunden Zeit, den Betrieb und die angebotenen Ausbildungsberufe kennenzulernen und vielleicht den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen. In einem der Betriebe gibt es jeweils Mittagessen. Am Ende der Fahrt bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat, das man zum Beispiel bei Bewerbungen beilegen kann.

  • Der Veranstalter:

    Organisiert wird „Talk“ von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, unterstützt von der Agentur für Arbeit, der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, Kreissparkasse und den Volks-/Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim.

Wissen, wie sich Gäste wohlfühlen und was Standard ist: Das lernt Bam von Ausbilder Johannes Schneider. Er erklärt ihr gerade, wie ein Tisch ganz akkurat eingedeckt wird. Foto: Hutzler
Wissen, wie sich Gäste wohlfühlen und was Standard ist: Das lernt Bam von Ausbilder Johannes Schneider. Er erklärt ihr gerade, wie ein Tisch ganz akkurat eingedeckt wird. Foto: Hutzler

Klar war für sie damit auch, wie die folgenden Jahre aussehen würden: Drei Jahre Lernen in Betrieb und Schule. Die Berufsschule für Hotel-Azubis befindet sich in Regensburg. Im ersten Lehrjahr hatte Bam zwei Tage Unterricht pro Woche; im zweiten und jetzt im dritten einen Tag. Die Zwischenprüfung hat sie schon geschafft – „sehr gut“, schiebt Johannes Schneider ein. Mitte 2019 wird’s dann ernst: bei der schriftlichen und der praktischen Abschlussprüfung.

Die Lehre: Schwerpunkt im Service

Bis zur Abschlussprüfung will Bam in allen vier Bereichen fit sein, die sie als Azubi durchläuft. Den größten Anteil hat der „Service“, sprich: Wenn sie sich im Restaurant ums Wohl des Gastes kümmert. „Das geht los vom Eindecken der Tische für ein Drei-Gang-Menü bis hin zum Servieren des Essens“, erklärt Johannes Schneider. Fast eine Art „Bibel“ ist dabei das dicke Buch, das Bam herzeigt: das Reservierungsbuch. „Man schaut gleich morgens drin nach: Wie viele Hausgäste sind da, für die man Frühstück herrichtet, welche Tisch-Reservierungen sind eingetragen, und so weiter“.

Das Rezeptionsbuch ist eines der wichtigsten „Arbeitsmittel“ für Bam.   Foto: Hutzler
Das Rezeptionsbuch ist eines der wichtigsten „Arbeitsmittel“ für Bam. Foto: Hutzler

Als zweites lernt Bam die Arbeit an der Rezeption kennen. Dort bekommt der Gast den ersten Eindruck vom Hotel, wenn er eincheckt; und er nimmt dort einen letzten Eindruck mit, wenn er abreist. Ihr persönlich gefalle die Arbeit an der Rezeption besonders, erzählt Bam: „Es ist schön, wenn neue Gäste kommen: Sie erzählen oft, wo sie schon waren, und ich erzähle ihnen, was man als Tourist in der Gegend machen kann.“ Unverzichtbarer Helfer an der Rezeption ist der Computer.

Ivan Brnjakovic ist im ersten Lehrjahr zum Hotelfachmann. Auch für ihn gehört die Arbeit mit dem Reservierungssystem schon zu seinen Aufgaben. Foto: Hutzler
Ivan Brnjakovic ist im ersten Lehrjahr zum Hotelfachmann. Auch für ihn gehört die Arbeit mit dem Reservierungssystem schon zu seinen Aufgaben. Foto: Hutzler

Betten machen, Bad putzen – nicht jedermanns Traumjob. Aber „Housekeeping“ ist nun mal wichtig, damit sich ein Gast wohlfühlt. Und deshalb muss Bam lernen, wie diese Arbeiten professionell erledigt werden – „damit sie später zum Beispiel überprüfen kann, ob in den Zimmern alles passt“. Der vierte, eher kleine Teil der Ausbildung erfolgt in der Restaurantküche. Eigentlich das Reich der Köche – aber auch Restaurantfachleute brauchen Grundkenntnisse, zum Beispiel, wie man eine kalte Platte herrichtet, wenn der Koch schon Feierabend hat.

Kleinere Gerichte herrichten und servieren, auch das müssen Hotelfachleute beherrschen. Die Küche ist daher auch eine Ausbildungsstation. Foto: Tobias Hase/dpa
Kleinere Gerichte herrichten und servieren, auch das müssen Hotelfachleute beherrschen. Die Küche ist daher auch eine Ausbildungsstation. Foto: Tobias Hase/dpa

In der Abschlussprüfung muss Bam dann beweisen, dass sie all das drauf hat: Umgang mit Gästen, Wissen über Marketing und Arbeitsorganisation; auch Kenntnisse zu Sicherheit, Hygiene und Einsatz von Gerätschaften. Eine Aufgabe könnte zum Beispiel lauten, das dreitägige Treffen eines Golfclubs im Hotel von Anfang bis Ende durchzuplanen, inklusive eines festlichen Menüs, schildert Johannes Schneider.

Wichtige Voraussetzungen: Flexibel und aufgeschlossen

Der Beruf ja – aber die Arbeitszeiten?! Solche Reaktionen von Interessenten hören Ausbilder oft. Wer einen Job „montags bis freitags, acht bis sechzehn Uhr“ sucht, der ist im Hotelfach fehl am Platz. „Es gibt Früh- und Spätdienste, und auch Teildienste“, in denen eine längere Pause den Arbeitstag unterbricht, erklärt Johannes Schneider. Unregelmäßige Dienstpläne erschweren einerseits die Freizeitplanung. Andererseits findet es Johannes Schneider herrlich, unter der Woche zum Beispiel Baden oder Einkaufen zu gehen – und nicht am überfüllten Wochenende.

Für viel entscheidender hält er, dass es bei acht Stunden Regel-Arbeitszeit bleibt. Die schwarzen Schafe in der Branche – „auch hier im Landkreis Kelheim“ – seien schuld am eher bescheidenen Image von Gastro-Berufen: „Wenn dort die Mitarbeiter 15-Stunden-Tage haben, dann schreckt das natürlich ab“, ärgert er sich.

„Mein Motto ist: Immer positiv denken!“

A propos Ärger: Auch wenn einen was wurmt – der Gast darf davon nichts mitbekommen. „Gäste zahlen fürs Wohlfühlen, sie wollen mit einem Lächeln in den Tag starten. Und dazu braucht es freundliche Mitarbeiter“, sagt Johannes Schneider. Gerne mit fremden Menschen ins Gespräch kommen, auf sie eingehen: Das sei wichtig in diesem Beruf, erklärt Bam. Sie selbst hat ein simples, aber nicht immer einfaches Motto: „Immer positiv denken!“ Noch etwas hilft ihr: Ihr Privatleben lässt sie zuhause; umgekehrt nimmt sie Berufliches nicht mit heim.

Die Perspektiven: Weiterbilden und die weite Welt ziehen

Jetzt zum Ende ihrer Lehrzeit denkt Bam auch schon drüber nach, wie es danach für sie weitergehen soll. Erst mal im Betrieb noch weitere Erfahrung sammeln, ja – aber sie hat sich auch schon über nächste Schritte kundig gemacht. „Ich würde gerne entweder die Meisterprüfung machen oder mich weiterbilden zur Betriebswirtin“. Für Letzteres würde sie die Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement besuchen.

Im Video führt Bam durch einige ihrer Ausbildungsstationen und schildert ihre Zukunftspläne:

Bam und Johannes Schneider stellen den Arbeitsplatz Hotel vor. Video: Hutzler

Beide Wege stehen der jungen Dame voraussichtlich weit offen – denn bisher glänzt sie mit guten Schulleistungen, lobt ihr Chef. Die Karriereleiter nach oben steigen können Hotelfachleute nach ihrer Ausbildung aber auch innerhalb eines Betriebs, indem sie dort zum Beispiel die Leitung eines Teilbereichs übernehmen.

Eine sehr weit verbreitete Tradition ist es in Hotellerie und Gastronomie, dass man früher oder später seine Fühler ausstreckt: Ab und an mal den Arbeitsplatz zu wechseln, einen neuen Betrieb kennenzulernen, das gehört für die meisten Fachkräfte in dieser Branche einfach dazu. Auch Bam schmiedet für die Zeit nach der Ausbildung schon Pläne: „Als Hotelfachfrau muss man einfach mal in der Schweiz gearbeitet haben“, ist sie überzeugt. Das Land gilt als Mekka gehobener Gastronomie und Hotellerie, erklärt Johannes Schneider: „Dort ist die Dichte an Nobel-Hotels einfach am größten.

Bam möchte auch mal im Ausland arbeiten, am liebsten in der Schweiz. Das Land hat die größte Dichte an Nobelhotels in Europa. Foto: Andrea Warnecke
Bam möchte auch mal im Ausland arbeiten, am liebsten in der Schweiz. Das Land hat die größte Dichte an Nobelhotels in Europa. Foto: Andrea Warnecke

Überhaupt: Für junge Leute, die andere Länder sehen, die Welt erkunden wollen, hat im Hotelfach beste berufliche Voraussetzungen, weiß Schneider: Die Branche ist international, und gerade die deutsche duale Ausbildung sei weltweit angesehen – ob in Hotels oder zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen.

So manche Hotelfachkraft geht dienstlich auf Reisen: Kreuzfahrtschiffe wissen in Deutschland ausgebildete Fachleute sehr zu schätzen. Die Arbeit auf hoher See ist anstrengend, aber auch spannend.  Foto: Carmen Jaspersen/dpa
So manche Hotelfachkraft geht dienstlich auf Reisen: Kreuzfahrtschiffe wissen in Deutschland ausgebildete Fachleute sehr zu schätzen. Die Arbeit auf hoher See ist anstrengend, aber auch spannend. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Wer in Ferne will, sollte zumindest in Englisch halbwegs sattelfest sein – im Berufsschul-Unterricht werden unter anderem englische Fachausdrücke gelehrt. Auch mit Französisch bekommt man schon in der Ausbildung ein wenig zu tun, denn das ist weltweit die Fachsprache in der Küche und im Service. Für Bam steht noch ein weiterer Weg offen: Geboren in Thailand, hätte sie auch dort sprachlich keine Probleme.

Manche wechseln aber auch in verwandte Branchen. Jobs gibt es z.B. in Lebensmittelindustrie und -behörden oder im Veranstaltungs-Management.

Beim „Tag der Ausbildung“ am 21. November ist der Essinger Brauereigasthof & Hotel Schneider, zu dem ein neu eröffnetes Bierhotel gehört, eine der Stationen.

Welche weiteren Betriebe aus Tourismus und Gastronomie gibt es noch zu entdecken? Und welche sonstigen Branchen? Das können Sie in dieser Grafik nachschauen!

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