MyMz
Anzeige

Themenwoche

Sie ist weit mehr als Bademeisterin

Anna-Lena wird Fachangestellte für Bäderbetriebe im Keldorado. Eine klassische Ausbildung war für sie keine Option.
Von Emily Buchner

Anna-Lena Müller (19) will ihren Lieblingsort zu ihrem täglichen Arbeitsplatz machen: das Keldorado. Im und rund um das Wasser fallen täglich viele Arbeiten an, die sie nach wie vor mit Freude übernimmt. Foto: Buchner
Anna-Lena Müller (19) will ihren Lieblingsort zu ihrem täglichen Arbeitsplatz machen: das Keldorado. Im und rund um das Wasser fallen täglich viele Arbeiten an, die sie nach wie vor mit Freude übernimmt. Foto: Buchner

Am 21. November findet für Schülerinnen und Schüler der erste „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“, kurz „Talk“ statt. Sie können auf Bustouren Ausbildungsbetriebe verschiedenster Sparten besuchen. Schwierige Entscheidung? Wir stellen schon mal fünf Azubis aus verschiedenen Bereichen vor. Am 19 Oktober ist Anmeldeschluss für „Talk“.

Fachangestellter für Bäderbetriebe: Ein Beruf für Wasserratten, Menschenfreunde und Technikbegeisterte

Thomas Hopfinger (52) ist Geschäftsführer des Keldorados und auch für Anna-Lenas Ausbildung verantwortlich. Foto: Buchner
Thomas Hopfinger (52) ist Geschäftsführer des Keldorados und auch für Anna-Lenas Ausbildung verantwortlich. Foto: Buchner

„Was wichtig ist: Man sollte eine gewisse Affinität zu Wasser haben“, sagt Thomas Hopfinger (52), Geschäftsführer des Keldorados. „Man hat ja jeden Tag damit zu tun, das muss man schon mögen.“ Zugleich betont er, dass Fachangestellte für Bäderbetriebe aber nicht nur den ganzen Tag am Beckenrand stehen. Der Beruf drehe sich zwar um das Wasser, aber die Arbeitsfelder sind trotzdem breitgefächert. „Wenn man sich für die Ausbildung im Badebetrieb entscheidet, sollte man auch Spaß am Kontakt mit Menschen haben“, findet Anna-Lena. Egal ob an der Kasse oder bei Schwimmkursen – gute Kommunikationsfähigkeit und ein offener Umgang mit Menschen seien unbedingt notwendig. Damit verbindet Anna-Lena auch Teamfähigkeit. „Im Bad gibt es viele Aufgaben, die man alleine gar nicht bewältigen kann. Da ist es wichtig, auch im Team gut zu funktionieren.“ Gerade bei technischen Angelegenheiten braucht man zu Beginn noch Unterstützung.

Laut Anna-Lena ist Interesse an Technik im Allgemeinen und im Speziellen an Physik und Chemie eine weitere Voraussetzung. Eine abgeschlossene Schulbildung wird verlangt, ob Hauptschulabschluss, Mittlere Reife oder Abitur spielt aber keine Rolle. Gern gesehen wird zudem das deutsche Jugendabzeichen in Silber. Auch während der Ausbildung trainieren die Azubis weiterhin ihre Schwimmfähigkeiten und stellen sie in ihrer Abschlussprüfung unter Beweis – denn im Notfall müssen sie Leben retten können. Dementsprechend wichtig ist es auch, mit dem ständigen Gefahrenpotenzial zurechtzukommen und schnelle Reaktionsfähigkeit zu besitzen.

Worauf kommt es in der Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe an? Anna-Lena erklärt es in unserem Video:

Anna-Lena ist Auszubildende im Keldorado

Schwimmunterricht steht ebenso auf Anna-Lenas Stundenplan, wie Bädertechnik und Betriebslehre

Die Ausbildung ist auf drei Jahre ausgelegt und schließt blockweisen Theorieunterricht in der Berufsschule in Landau ein. In ihrer Praxisphase können die Azubis in dem Betrieb schon in vielen Bereichen Verantwortung übernehmen: „Inzwischen darf ich beispielsweise den ‚Aqua Cycling‘-Kurs leiten. Es ist zwar immer noch eine zweite Person zur Aufsicht dabei, aber die hält sich da im Hintergrund“, erzählt Anna-Lena. Außerdem bewältigt sie Aufgaben wie Beckensaugen, Filterreinigen oder chemische Parameter messen.

Anna-Lena überprüft die Wasserqualität. Foto: Buchner
Anna-Lena überprüft die Wasserqualität. Foto: Buchner

Auch Organisatorisches fällt in Anna-Lenas Zuständigkeitsbereich. Für einen Kinderspielnachmittag überlegte sie sich mit anderen Azubis das Programm und die Spiele oder sie hilft an der Kasse aus, sortiert Belege oder Lieferscheine. In der Schule lernt sie die theoretische Basis für den Berufsalltag. Bädertechnik, Betriebslehre, Ethik, Schwimmpädagogik oder Kundenbetreuung zählen zu ihren Fächern. Daneben bekommt sie auch selbst Schwimmunterricht. Das Rettungsschwimmen zählt zusammen mit Erste-Hilfe-Kenntnissen zu den sogenannten „Schlüsselfächern“. Wenn die Auszubildenden hier schlecht abschneiden, fallen sie durch die Abschlussprüfung. „Diese Fähigkeiten braucht man einfach im täglichen Bäderbetrieb“, erklärt Hopfinger.

Themenwoche

Gastlich sein ist der Beruf von Bam

Ausbildung daheim und danach vielleicht in die weite Welt: Praweena Pidjaturat lernt beim Schneider in Essing Hotelfachfrau.

Durch ein Praktikum im Keldorado hat Anna-Lena gemerkt: Der Beruf ist facettenreicher als man von außen denkt.

Auch der Bereich Technik spielt in Anna-Lenas Ausbildung eine große Rolle. Foto: Buchner
Auch der Bereich Technik spielt in Anna-Lenas Ausbildung eine große Rolle. Foto: Buchner

Anna-Lena kann sich keine bessere Ausbildung vorstellen. Sie ist seit jeher eine richtige „Wasserrate“. Mit fünf Jahren hat sie bereits bei der Wasserwacht angefangen und jede freie Minute am Sankt Agatha-See verbracht. In der achten Klasse hat sie ein Praktikum im Keldorado absolviert und ab da stand für sie fest: Da will ich arbeiten. Nach ihrem Hauptschulabschluss war noch keine Stelle frei, deswegen hängte sie die Mittlere Reife dran. Als dann immer noch keine Azubis gesucht wurden, machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten. Und dann, vor einem Jahr, durfte sie endlich ihre Ausbildung starten. Selbst jetzt, wo sie täglich im Schwimmbad arbeitet und nebenbei bei der Wasserwacht tätig ist, trifft man sie in ihrer Freizeit oft im Schwimmbad an. „Auch in meinem Urlaub bin ich ins Keldorado gegangen. Ich bin hier einfach gerne“, sagt die 19-Jährige.

Neben der Begeisterung für Wasser hat sie Freude am Kontakt mit Menschen. Vor allem mit Kindern zusammenzuarbeiten, macht ihr Spaß. Durch das FSJ hat sie viel über den Umgang mit Kindern gelernt und kann das dort Gelernte jetzt anwenden – beispielsweise bei Schwimmkursen. Besonders froh ist Anna-Lena über die „zweispurige“ Arbeit: Technik und Animation. So kann man im Lauf der Zeit noch rausfinden, was am besten zu einem passt. Sie selbst kann sich da noch nicht festlegen – das muss sie aber auch nicht. „Ich glaube, viele Leute denken gar nicht, dass man als – umgangssprachlich – Bademeister so viele verschiedene Aufgaben hat. Dass der Beruf so facettenreich ist. Aber genau das macht den Reiz aus“, findet Hopfinger.

So funktioniert der „Talk“

  • Die Idee:

    Wo bekommt man den besten Einblick in einen Beruf? Klar: Dort, wo er praktiziert wird. Auszubildende von morgen mit Bussen zu einem Schnupper-Besuch zu Betrieben im Kreis Kelheim zu fahren, das ist die Idee hinter dem „Tag der Ausbildung“ („Talk“). Der Landkreis Kelheim veranstaltet „Talk“ heuer erstmals, und zwar am Mittwoch, 21. November, dem Buß- und Bettag.

  • Die Zielgruppe:

    Der Tag der Ausbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Jahrgangsstufen der fortführenden Schulen, ob Mittelschule, Wirtschaftsschule, Realschule oder Gymnasium. Die Teilnahme ist kostenlos.

  • Die Anmeldung:

    Das Anmeldeformular findet man im „Talk“-Flyer, der an den Schulen und im Landratsamt erhältlich ist (online auf www.landkreis-kelheim.de/wirtschaft-regionales/tag-der-ausbildung). Das Anmeldeformular muss vollständig ausgefüllt und von den Eltern unterschrieben sein. Man schickt es bis 19. Oktober ans Landratsamt Kelheim, Wirtschaftsförderung, Donaupark 12, 93309 Kelheim oder gibt es in der Schule ab. Die Organisatoren rechnen mit einer Vielzahl von Anmeldungen und bitten daher um Verständnis, dass nicht alle auf ihrer Wunschroute mitfahren können. Deshalb sollte man bei der Anmeldung gleich eine oder zwei Alternativ-Wunschrouten angeben.

  • Der Ablauf

    : Für die meisten Jugendlichen ist zweierlei wichtig bei der Stellensuche: Es muss der richtige Beruf sein, und der Ausbildungsplatz muss halbwegs erreichbar sein. Danach orientiert sich auch der Tag der Ausbildung. Er besteht aus zwölf Bustouren, die einen thematischen und einen geografischen Schwerpunkt haben. Man meldet sich für die Tour an, die den eigenen Interessen am nächsten kommt . Die Busse steuern von ca. 9 bis 16 Uhr zwei bis vier Unternehmen pro Route an. Die Start- und Endpunkte einer Route sowie die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten werden Anfang November bekannt gegeben.

  • Der Inhalt:

    In jedem Unternehmen haben die Schüler jeweils ein bis zwei Stunden Zeit, den Betrieb und die angebotenen Ausbildungsberufe kennenzulernen und vielleicht den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen. In einem der Betriebe gibt es jeweils Mittagessen. Am Ende der Fahrt bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat, das man zum Beispiel bei Bewerbungen beilegen kann.

  • Der Veranstalter:

    Organisiert wird „Talk“ von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, unterstützt von der Agentur für Arbeit, der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, Kreissparkasse und den Volks-/Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim.

Fachkräftemangel herrscht auch in Schwimmbädern. Nur rund 100 Neuanfänger wurden bayernweit verzeichnet.

Die vielfältigen Aufgaben machen Anna-Lena Spaß. Foto: Buchner
Die vielfältigen Aufgaben machen Anna-Lena Spaß. Foto: Buchner

„Wir brauchen in den Schwimmbädern dringend Fachpersonal“, sagt Hopfinger. Dass auch hier ein Fachkräftemangel herrscht, wissen Viele nicht. „Dieser Beruf ist noch nicht in den Köpfen der Menschen.“ Und dementsprechend wenig Bewerbungen gibt es – und zwar nicht nur hier in der Region, sondern deutschlandweit. In Bayern gibt es nur eine einzige Berufsschule für die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Nur 100 junge Menschen haben dort letztes Jahr diese Ausbildung begonnen. Auf Fachkräfte ist Hopfinger das ganze Jahr über angewiesen; ganz besonders hat er das in diesem rekordverdächtigen Sommer gemerkt. Momentan hat das Keldorado mit vier Auszubildenden einen Höchststand erreicht. So konnte er die besucherreiche Saison gut bewältigen. Aber auch für die nächsten Jahre will er top aufgestellt sein – und mit geringen Azubizahlen ist das nicht garantiert. Deshalb übernimmt er in der Regel seine Auszubildenden. „Aber nur, wenn die Leistung stimmt.“

Nach der abgeschlossenen Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe muss aber noch nicht Schluss sein. Der Betrieb unterstützt die Azubis gerne bei Weiterbildungen. Dabei werden fachspezifische Lehrgänge, die Meisterprüfung für Bäderbetriebe oder Fortbildungen zum Animateur sowie Fachwirt für Sport und Wellnessberater angeboten. Auch ein Studium ist eine Option. So hat es Thomas Hopfinger gemacht. Wie Anna-Lena startete er mit der Ausbildung zum Fachangestellten. Danach studierte er BWL, um sich all das anzueignen, was einen befähigt, ein Schwimmbad zu leiten. Und genau das macht er nun – inzwischen seit sieben Jahren. Für ihn war das der richtige Weg. „So habe ich einen recht guten Rundumblick bei der Geschäftsführung.“ Was Anna-Lena nach ihrer Ausbildung machen wird, weiß sie noch nicht. Eine Überlegung war, auf Kreuzfahrtschiffen zu arbeiten. Denn „Bademeister“ zu sein, bedeutet keineswegs nur in der Halle zu stehen. Man kann auch durch die ganze Welt „segeln“. Anna-Lena würde sich dadurch aber eher eingeschränkt fühlen: „Immer auf einem Schiff zu sein, stelle ich mir langweilig vor.“ Erstmal will sie deswegen im Keldorado bleiben, weil: „Hier ist es einfach super!“

Beim „Tag der Ausbildung“ am 21. November ist das Keldorado eine der Stationen. Welche weiteren Betriebe aus dem öffentlichen Dienst gibt es noch zu entdecken? Und welche sonstigen Branchen? Das können Sie in dieser Grafik nachschauen! Sortieren Sie die Tabelle, indem Sie auf das Stichwort klicken oder suchen Sie nach einem Unternehmen oder einer Branche, indem Sie ihren Suchbegriff oben eingeben:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht