MyMz
Anzeige

Themenwoche

Ein Beruf, der Herz erfordert

Viele sehen die schönen Seiten an der Altenpflege nicht. „Dabei gibt einem der Beruf so viel“, findet Irene Balan.

Irene Balan (40) ist bei ihrer Ausbildung mit dem Herzen dabei. Sie ist auf dem besten Weg, Altenpflegerin zu werden. Sich auf die Bewohner einzulassen und individuell auf sie einzugehen, ist ihr wichtig. Foto: Buchner
Irene Balan (40) ist bei ihrer Ausbildung mit dem Herzen dabei. Sie ist auf dem besten Weg, Altenpflegerin zu werden. Sich auf die Bewohner einzulassen und individuell auf sie einzugehen, ist ihr wichtig. Foto: Buchner

Am 21. November findet für Schülerinnen und Schüler der erste „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“, kurz „Talk“ statt. Sie können auf Bustouren Ausbildungsbetriebe verschiedenster Sparten besuchen. Schwierige Entscheidung? Wir stellen schon mal fünf Azubis aus verschiedenen Bereichen vor. Am 19 Oktober ist Anmeldeschluss für „Talk“.

Ein Herz für alte Menschen, Empathie und aufrichtiges Interesse – all das braucht man, um ein guter Altenpfleger zu sein.

„Man muss Herz haben. Den Umgang mit Menschen lieben, alte Leute lieben“, sagt Irene Balan, 40 Jahre alt. Auszubildende im Azurit-Seniorenheim. Von ihr selbst kann man das wohl behaupten – der Grund dafür liegt in ihrer Vergangenheit: „Meine Oma war für mich die tollste Person. Sie hat mich so viele Sachen gelehrt und ich habe sie sehr bewundert. Und inzwischen empfinde ich allgemein für alte Leute Bewunderung.“ Um das zum Ausdruck zu bringen, versucht sie sich so gut wie möglich auf die einzelnen Bewohner einzulassen. „Ich lese im Vorfeld immer die biografischen Daten zur jeweiligen Person.“ Dadurch Interesse an der Person zu zeigen, zu betonen, dass die Bewohner als Individuen wahrgenommen werden und eine persönliche Beziehung aufzubauen, ist für Irene im Alltag notwendig. „Gegenseitiges Vertrauen und aufeinander einzugehen ist sehr wichtig!“

Sie unterhält sich gerne mit den Senioren. Foto: Buchner
Sie unterhält sich gerne mit den Senioren. Foto: Buchner

So sieht das auch Sebastian Halser, der Heimleiter des Azurit-Seniorenheims in Rohr. „Wir wollen den Bewohnern hier eine schöne Zeit ermöglichen und mit ihnen wertschätzend umgehen. Sie verbringen hier ihre letzten Lebensjahre und – so traurig es ist – sie werden hier sterben. Deswegen wünschen wir uns, dass sie es hier so schön wie möglich haben.“ Auszubildende müssen deshalb vor allem eins mitbringen: Einfühlungsvermögen. „Ohne Empathie läuft hier gar nichts.“ Zudem müssen sie körperlich stark und psychisch stabil sein – denn dass der Arbeitsalltag hart ist, will keiner der beiden bestreiten. Aber: „Diese Arbeit ist unglaublich sinnvoll. Wir können damit Menschen schöne Momente schenken, die dafür unendlich dankbar sind!“ Jedem, der das auch so sieht und einen Realschulabschluss aufweisen kann, steht einer Bewerbung nichts im Wege.

Am 21. November können Schülerinnen und Schüler beim ersten „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“ auf Busreise zu ihrem Traumberuf gehen. Wir stellen Euch hier einige Azubis schon mal vor.

Die Medizin nimmt einen Großteil der dreijährigen Ausbildung ein – sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis.

Auf dem Plan stehen auch Beweglichkeitsübungen mit den Senioren. Foto: Buchner
Auf dem Plan stehen auch Beweglichkeitsübungen mit den Senioren. Foto: Buchner

Die Ausbildung ist auf drei Jahre ausgelegt und in Theorie- und Praxis-Blöcke aufgeteilt. Drei Wochen am Stück geht Irene in Regensburg in die Berufsschule und lernt dort in der Theorie, was sie für den Berufsalltag braucht. Die Fächer sind dabei sehr medizinlastig: von Anatomie über Neurologie bis zur Psychologie. Das, was sie beispielsweise an Techniken in der Schule lernt, wendet sie in den Praxisphasen an und lässt sich diese „Hausaufgaben“ von ihrer internen Ansprechpartnerin unterschreiben. Sie „überwacht“ ihre praktische Entwicklung und unterstützt sie bei Unsicherheiten.

Verantwortung bekommen die Azubis im Pflegeberuf schon früh übertragen – denn sie arbeiten vom ersten Tag an am Menschen. Natürlich noch nicht allein, aber: „nur so lernt man das“, findet Irene. Zu Beginn übernehmen die Auszubildenden grundpflegerische Tätigkeiten, wie zum Beispiel Hilfe bei der Körperpflege, lernen die Krankenbeobachtung oder bestimmte Lagerungstechniken. Mit der Zeit und dem vermehrten Wissen, dürfen sie schwierigere Aufgaben übernehmen. „Wenn die Azubis über medizinisches Hintergrundwissen verfügen, dürfen sie Aufgaben wie zum Beispiel das Insulinspritzen übernehmen.

Irene Balan erzählt in unserem Video, was ihr am meisten Spaß an ihrem Beruf macht:

Irene Balan ist Auszubildende im Seniorenheim in R

Der Beruf ist körperlich und psychisch gesehen sehr fordernd; aber auch unglaublich bereichernd, findet Irene.

Schon seit zwei Jahren arbeitete sie im Seniorenheim in Rohr. Foto: Buchner
Schon seit zwei Jahren arbeitete sie im Seniorenheim in Rohr. Foto: Buchner

„Ich erinnere mich noch gut: Am Anfang war es schwer, den Zugang zu den Bewohnern zu finden. Wir hatten ja auch noch eine gewisse Sprachbarriere.“ Denn Irene wohnt erst seit fünf Jahren in Deutschland. Davor lebte sie in Rumänien. Hierher kam sie auf der Suche nach besserer medizinischer Versorgung für ihren Sohn. Durch die Ausbildung fühlte sie sich in Deutschland schnell heimisch: „Schon nach ein paar Tagen haben mich die Leute gefragt, ob ich am nächsten Tag wieder komme und haben sich gefreut, wenn dem so war.“ In solchen Momenten merkt Irene, wie wichtig sie für die Bewohner ist und wie dankbar sie ihr sind. Umgekehrt gilt das aber auch. „Mir sind die Bewohner inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Ich kann ehrlich gesagt auch gar nicht richtig abschalten. In Gedanken bin ich irgendwie immer bei ihnen.“ Mit Menschen zusammenzuarbeiten, erfüllt Irene. Es verlangt viel ab und sie ist den Stimmungen der Bewohner ausgesetzt, aber genauso wird sie oft mit Dankbarkeit und Lob überhäuft. Und auch wenn der Beruf durchaus an einem zehrt – „am Ende des Tages, weiß man, was man getan hat“, findet Halser.

Für Irene ist ein zusätzlicher Pluspunkt mit Kollegen in einem Team zu arbeiten und einen internen Ansprechpartner für die theoretischen Inhalte zu haben. „Die Praxis und die Theorie greifen hier wirklich ineinander. Ich habe kein Fach, das ich hier nicht anwenden kann.“ Besonders angetan hat es ihr die Anatomie. Und das Wissen kann sie nicht nur im Beruf, sondern auch im Privaten gebrauchen.

Themenwoche

Täglich hat er mit hohen Summen zu tun

Ist der Beruf des Bankkaufmanns „out“? „Überhaupt nicht“, sagt Johannes Prücklmayer, Azubi bei der Kreissparkasse Kelheim.

Halser findet: Ein Imagewandel ist notwendig. Der soll durch das Pflegeberufgesetz entstehen.

Sebastian Halser (links) ist der Heimleiter des Azurit-Seniorenheims und auch verantwortlich für die Ausbildung von Irene Balan. Foto: Buchner
Sebastian Halser (links) ist der Heimleiter des Azurit-Seniorenheims und auch verantwortlich für die Ausbildung von Irene Balan. Foto: Buchner

In den letzten Jahren ist die Lebenserwartung der Menschen stark angestiegen. Die Alten werden mehr, die Jungen weniger. Durch den demografischen Wandel in Deutschland ist der Altenpfleger ein Beruf mit Zukunft. Derzeit herrscht ein großer Fachkräftemangel in Deutschland, so dass viele Betriebe Azubis mit offenen Armen empfangen. Deswegen wird gerade an der Attraktivität des Jobs gearbeitet; Abhilfe soll das „Pflegeberufegesetz“ (2017) schaffen. Das Gesetz wird stufenweise in Kraft treten. Die Reform besagt vor allem eins: Alle Auszubildende im Bereich Pflege erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, auf wichtige Aspekte der Pflege ausgerichtete Ausbildung. Im dritten Ausbildungsjahr können sie wählen, ob sie die sogenannte „generalistische“ Ausbildung fortführen (und den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ erlangen) oder einen gesonderten Berufsabschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege anstreben. In diesem Fall würden sie im dritten Jahr eine entsprechende Spezialisierung wählen. Für diese Ausgebildeten sollen sich in Zukunft zusätzliche Wechsel-, und Aufstiegsmöglichkeiten in allen Bereichen der Pflege ergeben.

Besonders attraktiv soll das Berufsfeld auch dadurch werden, dass – unabhängig vom gewählten Abschluss – die Ausbildung für die Azubis kostenlos wird. Zudem wird die Ausbildungsvergütung erhöht. Das macht sich schon bemerkbar: „Die Bezahlung ist inzwischen schon nicht schlecht: 1200 Euro bekommt man im dritten Lehrjahr“, sagt Halser. Er verweist darauf, dass man sich auch nach der Ausbildung noch fort- und weiterbilden kann. „Es gibt viele Angebote: Beispielsweise kann man Fortbildungen zur Fachkraft machen, unter anderem im Bereich der Hygiene, man kann Schulungen im Palliativ-Bereich besuchen oder sich in Richtung Management weiterbilden.“

All das fördert die Einrichtung. Auch ein Studium wäre eine Option: Im Bereich Pflege oder Medizin. So hat es Sebastian Halser selbst gemacht: Mit 19 Jahren begann er seine Karriere als Altenpfleger, danach studierte er Pflegemanagement und Gerontologie. Heute leitet er das Azurit-Seniorenheim in Rohr. Der Beweis dafür, dass man auch in diesem Bereich Karriere machen kann.

Beim „Tag der Ausbildung“ am 21. November ist das Seniorenzentrum eine der Stationen. Welche weiteren Betriebe aus dem Bereich Gesundheit/Soziales gibt es noch zu entdecken? Und welche sonstigen Branchen? Das können Sie in dieser Grafik nachschauen! Sortieren Sie die Tabelle, indem Sie auf das Stichwort klicken oder suchen Sie nach einem Unternehmen oder einer Branche, indem Sie ihren Suchbegriff oben eingeben:

So funktioniert der „Talk“

  • Die Idee:

    Wo bekommt man den besten Einblick in einen Beruf? Klar: Dort, wo er praktiziert wird. Auszubildende von morgen mit Bussen zu einem Schnupper-Besuch zu Betrieben im Kreis Kelheim zu fahren, das ist die Idee hinter dem „Tag der Ausbildung“ („Talk“). Der Landkreis Kelheim veranstaltet „Talk“ heuer erstmals, und zwar am Mittwoch, 21. November, dem Buß- und Bettag.

  • Die Zielgruppe:

    Der Tag der Ausbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Jahrgangsstufen der fortführenden Schulen, ob Mittelschule, Wirtschaftsschule, Realschule oder Gymnasium. Die Teilnahme ist kostenlos.

  • Die Anmeldung:

    Das Anmeldeformular findet man im „Talk“-Flyer, der an den Schulen und im Landratsamt erhältlich ist (online auf www.landkreis-kelheim.de/wirtschaft-regionales/tag-der-ausbildung). Das Anmeldeformular muss vollständig ausgefüllt und von den Eltern unterschrieben sein. Man schickt es bis 19. Oktober ans Landratsamt Kelheim, Wirtschaftsförderung, Donaupark 12, 93309 Kelheim oder gibt es in der Schule ab. Die Organisatoren rechnen mit einer Vielzahl von Anmeldungen und bitten daher um Verständnis, dass nicht alle auf ihrer Wunschroute mitfahren können. Deshalb sollte man bei der Anmeldung gleich eine oder zwei Alternativ-Wunschrouten angeben.

  • Der Ablauf

    : Für die meisten Jugendlichen ist zweierlei wichtig bei der Stellensuche: Es muss der richtige Beruf sein, und der Ausbildungsplatz muss halbwegs erreichbar sein. Danach orientiert sich auch der Tag der Ausbildung. Er besteht aus zwölf Bustouren, die einen thematischen und einen geografischen Schwerpunkt haben. Man meldet sich für die Tour an, die den eigenen Interessen am nächsten kommt . Die Busse steuern von ca. 9 bis 16 Uhr zwei bis vier Unternehmen pro Route an. Die Start- und Endpunkte einer Route sowie die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten werden Anfang November bekannt gegeben.

  • Der Inhalt:

    In jedem Unternehmen haben die Schüler jeweils ein bis zwei Stunden Zeit, den Betrieb und die angebotenen Ausbildungsberufe kennenzulernen und vielleicht den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen. In einem der Betriebe gibt es jeweils Mittagessen. Am Ende der Fahrt bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat, das man zum Beispiel bei Bewerbungen beilegen kann.

  • Der Veranstalter:

    Organisiert wird „Talk“ von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, unterstützt von der Agentur für Arbeit, der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, Kreissparkasse und den Volks-/Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht