MyMz
Anzeige

Themenwoche

Für Kilian dreht sich alles ums Holz

Das Ansehen von Handwerkern sinkt, meint Konrad Schlund, Schreinermeister. Kilian Bauer will trotzdem einer werden.

Kilian Bauer (17) befindet sich im zweiten Lehrjahr in seiner Ausbildung zum Schreinergesellen. Seine Tätigkeitsfelder sind vielseitig und die Perspektiven nach dem Ausbildungsende ebenso. Fotos: Buchner
Kilian Bauer (17) befindet sich im zweiten Lehrjahr in seiner Ausbildung zum Schreinergesellen. Seine Tätigkeitsfelder sind vielseitig und die Perspektiven nach dem Ausbildungsende ebenso. Fotos: Buchner

Am 21. November findet für Schülerinnen und Schüler der erste „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“, kurz „Talk“ statt. Sie können auf Bustouren Ausbildungsbetriebe verschiedenster Sparten besuchen. Schwierige Entscheidung? Wir stellen schon mal fünf Azubis aus verschiedenen Bereichen vor. Am 19 Oktober ist Anmeldeschluss für „Talk“.


In letzter Zeit können Schreiner weniger neue Azubis verbuchen. Dabei würden sie sie dringend brauchen.

„Früher haben wir leichter Lehrlinge gefunden“, erzählt Konrad Schlund. Seit 25 Jahren leitet er seine eigene Schreinerei. Er führt die geringen Bewerbungen auf geburtenarme Jahrgänge, (vermeintlich) attraktivere Konkurrenzangebote von Industriebetrieben und dem sinkenden gesellschaftlichen Status von Handwerkern zurück. „Aber jeder braucht Handwerker. Das muss wieder in die Köpfe der Menschen“, findet er. Kilian Bauer (17), befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr und stimmt ihm aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen zu.

Das Arbeiten mit Holz machte Kilian schon immer Spaß. Fotos: Buchner
Das Arbeiten mit Holz machte Kilian schon immer Spaß. Fotos: Buchner

„Das Wichtigste für diesen Job ist der Spaß am Handwerk“, findet Kilian. Er hat seine Leidenschaft dafür schon früh entdeckt. Sein Vater hatte ebenfalls eine Ausbildung zum Schreiner absolviert. „Mein Vater hat nie von mir verlangt, auch Schreiner zu werden. Aber ich wollte das unbedingt.“ Deshalb hat er sich nach seinem Realschulabschluss bei der Schreinerei Schlund in Neustadt beworben und wurde als Auszubildender eingestellt.

Konrad Schlund ist als Ausbilder bei der Auswahl seiner Lehrlinge – neben einem qualifizierten Schulabschluss – wichtig, einen umfassenden Eindruck von ihnen zu bekommen. Deswegen empfiehlt er dringend im Vorfeld ein Praktikum zu absolvieren. „Da sehe ich schnell, ob’s passt. Und der Praktikant merkt auch, ob’s ihm wirklich Spaß macht.“ Außerdem legt Schlund besonderen Wert darauf, dass die Lehrlinge Teamfähigkeit und Selbstständigkeit beweisen und Kreativität sowie räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Und man darf nicht faul sein“, sagt Kilian lachend. Körperlich muss man als Schreiner durchaus einiges leisten: sperrige Holzplatten schleppen, schwere Maschinen bedienen.

So funktioniert der „Talk“

  • Die Idee:

    Wo bekommt man den besten Einblick in einen Beruf? Klar: Dort, wo er praktiziert wird. Auszubildende von morgen mit Bussen zu einem Schnupper-Besuch zu Betrieben im Kreis Kelheim zu fahren, das ist die Idee hinter dem „Tag der Ausbildung“ („Talk“). Der Landkreis Kelheim veranstaltet „Talk“ heuer erstmals, und zwar am Mittwoch, 21. November, dem Buß- und Bettag.

  • Die Zielgruppe:

    Der Tag der Ausbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Jahrgangsstufen der fortführenden Schulen, ob Mittelschule, Wirtschaftsschule, Realschule oder Gymnasium. Die Teilnahme ist kostenlos.

  • Die Anmeldung:

    Das Anmeldeformular findet man im „Talk“-Flyer, der an den Schulen und im Landratsamt erhältlich ist (online auf www.landkreis-kelheim.de/wirtschaft-regionales/tag-der-ausbildung). Das Anmeldeformular muss vollständig ausgefüllt und von den Eltern unterschrieben sein. Man schickt es bis 19. Oktober ans Landratsamt Kelheim, Wirtschaftsförderung, Donaupark 12, 93309 Kelheim oder gibt es in der Schule ab. Die Organisatoren rechnen mit einer Vielzahl von Anmeldungen und bitten daher um Verständnis, dass nicht alle auf ihrer Wunschroute mitfahren können. Deshalb sollte man bei der Anmeldung gleich eine oder zwei Alternativ-Wunschrouten angeben.

  • Der Ablauf

    : Für die meisten Jugendlichen ist zweierlei wichtig bei der Stellensuche: Es muss der richtige Beruf sein, und der Ausbildungsplatz muss halbwegs erreichbar sein. Danach orientiert sich auch der Tag der Ausbildung. Er besteht aus zwölf Bustouren, die einen thematischen und einen geografischen Schwerpunkt haben. Man meldet sich für die Tour an, die den eigenen Interessen am nächsten kommt . Die Busse steuern von ca. 9 bis 16 Uhr zwei bis vier Unternehmen pro Route an. Die Start- und Endpunkte einer Route sowie die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten werden Anfang November bekannt gegeben.

  • Der Inhalt:

    In jedem Unternehmen haben die Schüler jeweils ein bis zwei Stunden Zeit, den Betrieb und die angebotenen Ausbildungsberufe kennenzulernen und vielleicht den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen. In einem der Betriebe gibt es jeweils Mittagessen. Am Ende der Fahrt bekommen alle Teilnehmer ein Zertifikat, das man zum Beispiel bei Bewerbungen beilegen kann.

  • Der Veranstalter:

    Organisiert wird „Talk“ von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, unterstützt von der Agentur für Arbeit, der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, Kreissparkasse und den Volks-/Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim.


Nach einem Jahr purem Unterricht an der BOS, stehen für die Auszubildenden zwei Jahre im Schreinerbetrieb an.

 Fotos: Buchner
Fotos: Buchner

Die Ausbildung zum Schreiner dauert drei Jahre. Im ersten Lehrjahr gehen die Azubis die komplette Zeit über in die Berufsschule. In diesem sogenannten Berufsgrundschuljahr, lernen die Azubis das notwendige Basiswissen: Grundlegendes über Materialien, unterschiedliche Arbeitsweisen, die Handhabung der verschiedenen Gerätschaften in der Theorie – und auch in der Praxis. Denn die Berufsschule in Mainburg hat eine hauseigene Werkstatt, in der die Lehrlinge – noch verschont von der realen Arbeitswelt – Erfahrungen sammeln können. Zudem lernen sie in der Schule technisches Zeichen, haben Fächer wie Deutsch, Religion und Sozialkunde und Baustoffkunde. Im zweiten Lehrjahr besucht Kilian nur noch einmal pro Woche die Berufsschule, die restlichen Tage arbeitet er. Im Betrieb darf er nun eigenständig arbeiten: Er schneidet Holz zu oder verleimt Bretter – je nachdem was gerade anfällt. „Aber man kann hier die Azubis noch nicht alles alleine machen lassen“, sagt Schlund. „Für einige Maschinen müssen sogar erst externe Maschinenkurse besucht werden, um sie bedienen zu dürfen“, erklärt er.

In unserem Video erzählt Kilian, wie er zu seinem Berufswunsch kam:

Kilian Bauer wird Schreiner

Am Ende der drei Jahre steht dann die Gesellenprüfung an. Schon jetzt macht sich Kilian darüber Gedanken. Denn das Gesellenstück soll was Besonderes sein. „Wenn ich irgendwo was sehe, was ich inspirierend finde, fotografiere ich mir das ab – um am Ende möglichst das perfekte Stück anfertigen zu können.“

Am 21. November können Schülerinnen und Schüler beim ersten „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“ auf Busreise zu ihrem Traumberuf gehen. Wir stellen Euch hier einige Azubis schon mal vor.


Jeden Tag steht was Neues in Kilians Alltag an: Größtenteils hat er dabei mit Holz zu tun – manchmal aber auch nicht.

Konrad Schlund (links) ist der Geschäftsführer der Schreinerei Schlund. Fotos: Buchner
Konrad Schlund (links) ist der Geschäftsführer der Schreinerei Schlund. Fotos: Buchner

„Es ist einfach toll, mit Holz zu arbeiten“, schwärmt Kilian. „Das ist so vielseitig. Viele wissen, glaube ich, gar nicht, was man aus Holz alles zaubern kann.“ Für sich selbst hat er inzwischen auch schon einige Dinge angefertigt, zum Beispiel einen Werkzeugschrank. „Da ist man am Ende unglaublich stolz darauf, wenn man das fertige Produkt, an dem man selbst lange gearbeitet hat, in seinen Händen hält – und es genauso aussieht, wie man es sich vorgestellt hat.“ An etwas zu arbeiten und am Ende das Ergebnis plastisch in den Händen zu halten, kann sehr motivierend sein und unterscheidet diesen Beruf von vielen anderen. Außerdem erlebt man immer wieder was Neues, sagt Schlund. Die Wünsche der Kunden sind individuell und auf Baustellen wird man mit immer neuen Situationen konfrontiert. Diesen Abwechslungsreichtum hat auch Kilian bereits erfahren: Nach der Explosion in Vohburg ist ein Team aus der Schreinerei ebenfalls vor Ort gewesen, um bei den Aufräumarbeiten unterstützend mitzuwirken. „Wir haben also auch mal mit anderen Materialien zu tun“, sagt er lachend. Aber natürlich füllt normalerweise das Holz seinen Arbeitsalltag komplett aus. Sich damit immer wieder was Neues zu überlegen, innovativ zu sein und sich auch mal an die Grenzen des kreativen Spielraums zu tasten, gefällt ihm. „Kein Tag ist hier wie der andere“, sagt er.

Themenwoche

Ein Beruf, der Herz erfordert

Viele sehen die schönen Seiten an der Altenpflege nicht. „Dabei gibt einem der Beruf so viel“, findet Irene Balan.


Nach der Ausbildung zum Schreinergesellen, stehen noch viele Türen offen. Auch das soll den Beruf attraktiver machen.

Für einen ausgebildeten Schreinergesellen bzw. einer ausgebildeten Schreinergesellin (auch viele Frauen machen inzwischen diese Ausbildung!) gibt es noch viele Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Durch ein- oder mehrtägige Fachlehrgänge kann man sich in Bereichen wie der Montage oder dem Einbruchschutz weiterbilden. In Technikerschulen oder über Speziallehrgänge können Qualifikationen wie „Holztechniker“, „Restaurator“ oder „Betriebswirt des Handwerks“ erworben werden. Besuchen die Schreinergesellen die Meisterschule, dürfen sie sich nach ihrem Abschluss Meister nennen und können unter anderem ein Studium beginnen. „Eine ehemalige Azubine von mir hat nach ihrer Meisterprüfung Innenarchitektur studiert“, erzählt Schlund. Ebenso könnte man aber auch Fachakademien im Bereich Raum- und Objektdesign besuchen.

Immer wieder erlernt Kilian den Umgang mit weiteren Maschinen. Fotos: Buchner
Immer wieder erlernt Kilian den Umgang mit weiteren Maschinen. Fotos: Buchner

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, die sich in diesem Arbeitsfeld eröffnen, nimmt die Zahl der neuen Auszubildenden im niederbayerischen Handwerk immer mehr ab. Deswegen versucht man momentan am Image des Berufs zu arbeiten. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sagt: „Die Stärken des Handwerks müssen verstärkt kommuniziert werden, sei es das attraktive Beschäftigungsfeld, Aufstiegsmöglichkeiten, flache Hierarchien und Eigenverantwortung, die familiäre Atmosphäre oder digitales Arbeiten.“ Momentan merkt man den Bewerbermangel aber noch deutlich.

Schlunds Ziel ist inzwischen „nur“ noch, einen Azubi pro Jahr einzustellen. „Aber das trotzdem nicht auf Biegen und Brechen.“ Es gab auch schon Jahre, in denen er keinen einstellte. In der Berufsschule bemerkte auch Kilian, wie wenig junge Leute heutzutage scheinbar Interesse am Handwerk haben. In seiner Klasse waren zu Beginn nur 22 Schüler – im neuen Ausbildungsjahr sind es noch weniger: 13. Die Handelskammer motiviert deshalb: „Die Lage für Bewerber ist so gut wie nie.“

In Schlunds Betrieb ist eine Übernahme bei passender Leistung durchaus wahrscheinlich. „Natürlich stelle ich gerne meine intern Ausgebildeten ein.“ Und Kilian würde es freuen, wenn er auch nach seiner Ausbildung weiterhin in der Neustädter Schreinerei arbeiten könnte.

Beim „Tag der Ausbildung“ am 21. November ist die Schreinerei Schlund eine der Stationen. Welche weiteren Betriebe aus dem Bereich Handwerk gibt es noch zu entdecken? Und welche sonstigen Branchen? Das können Sie in dieser Grafik nachschauen! Sortieren Sie die Tabelle, indem Sie auf das Stichwort klicken oder suchen Sie nach einem Unternehmen oder einer Branche, indem Sie ihren Suchbegriff oben eingeben:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht