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Arbeit

Geballter Anlauf zur Berufsausbildung

Beim ersten Ausbildungstag des Landratsamtes bekamen 400 Jugendliche bei Firmen im Landkreis Kelheim praxisnahe Einblicke.
Von Gabi Hueber-Lutz

  • Die Schrauben müssen schön gerade eingepasst werden. Martin Zizlsperger zeigt Vanessa und Niklas wie das funktioniert Fotos: Hueber-Lutz
  • Auch bei Hidrive durften sich die Jugendlichen umsehen. Foto: Christian Rieger

Kelheim.Der erste Ausbildungstag im Landkreis Kelheim war ein Riesen- Erfolg. Am eigentlich schulfreien Mittwoch besuchten 400 Jugendliche auf Einladung des Landratsamts viele verschiedene Firmen. Die Veranstaltung traf offensichtlich den Nerv der Zeit. „Wir wurden total überrollt“, berichtete Martina Wimmer von der Abteilung Wirtschaftsförderung des Landkreises. Hundert weiteren Jugendlichen habe man absagen müssen, bedauerte sie.

Von Firma zu Firma

Da das aber zumeist Schüler der achten Klassen waren, können sie nächstes Jahr zum Zuge kommen. Auf verschiedenen Routen rollten Busse durch den Landkreis und brachten die Schüler zu den Firmen. Die Jugendlichen bekamen praxisnahe Einblicke in verschiedene Berufsfelder; für die Arbeitgeber war der Tag eine Möglichkeit, sich zu präsentieren. „Wir suchen händeringend Auszubildende“, sagte Martin Zizlsperger von der Firma Z-Fenster-Technik in Herrnwahlthann ganz unumwunden. Der große Fenster- und Türenbauer war die letzte Station auf einer der Routen, bei der Unternehmer aus den Bereichen Büro und Handel, Handwerk Mechanik und Elektrik besucht wurden. Begonnen hatte der Tag der rund 40 Jugendlichen auf dieser Route in Kelheim bei den Firmen Lotter-Objekt, Kosik und Heidrive.

Die kommenden Azubis im Gespräch mit Landrat Martin Neumeyer. Foto: Christian Rieger
Die kommenden Azubis im Gespräch mit Landrat Martin Neumeyer. Foto: Christian Rieger

Bei ihrer letzten Station erfuhren die potenziellen Azubis, dass es auch auf dem flachen Land sehr interessante Firmen gibt. Das Urteil der Jugendlichen über den bisherigen Tag fiel auf jeden Fall schon mal zumeist kurz und knapp, aber sehr einhellig aus. Jannik, Tobias und Paul, die drei 14-Jährigen, hatten alle spontan ein Wort für das Angebot: „Cool!“ Ähnlich sahen das ihre Alterskolleginnen Fiona und Milena: „Cool und interessant“. Am Ende können die Jugendlichen ihre Erfahrungen dem Landratsamt dann anhand der ausgegebenen Feedback-Bögen mitteilen. Aber zunächst ging es mitten ins Geschehen für die jungen Leute. Sie wurden mit gelben Warnwesten ausgestattet. „Damit man euch gleich kennt.“

Klaus Zizlsperger nahm die eine Hälfte mit auf Tour, Martin Zizlsperger die andere Hälfte. Für die einen ging es in die Produktionshalle, die andern arbeiteten selber. Klaus Zizlsperger teilte Kopfhörer aus. Das muss sein, betonte er. In der Produktionshalle ist es laut, da gehen Erklärungen unter. Beim Eintreten merkten die jungen Leute sofort, dass er Recht hatte. Da wurde geschliffen, da kreischten Sägen, da liefen Maschinen an. Aufmerksam hingen die Jugendlichen deshalb an den Kopfhörern und erfuhren unter anderem, dass die Türen der Firma in ganz Europa zum Einsatz kommen. Deutlich leiser hatte es die Gruppe, die mit Martin Zizlsperger mitging. Sie durfte selber etwas fertigen, aber natürlich nicht an den Maschinen, sondern mit dem Akkuschrauber und -bohrer in der Hand. Sämtliche Bauteile für ein hölzernes Werkzeugkistl lagen bereit. Zuerst lernten sie aber einen Grundsatz im Schreinerhandwerk kennen: „Beim Schreiner gibt es keine scharfen Kanten.“ Was bedeutete, dass der erste Arbeitsschritt das sorgfältige Abziehen sämtlicher Kanten mit Schleifpapier war.

Vier Stationen des Ausbildungstags

  • Route 1:

    Öffentlicher Dienst; Die Schüler wurden nach Vorstellung der Ausbildungsmöglichkeiten mit einer Schnitzeljagd durchs Landratsamt geschickt und befragten Mitarbeiter sowie Landrat Martin Neumeyer, um an einer Verlosung teilzunehmen.

  • Route 3:

    „Hidrive“; Industrie/Mechanik/Handwerk: In den Abteilungen IT, Logistik und Produktion wurden den Schülerinnen und Schülern anhand von Praxisbeispielen die Ausbildungsberufe im Werk, das die meisten in dieser Größe so nicht erwartet haben, vorgestellt.

  • Route 9:

    „Marc Aurel“; Gastronomie/Tourismus: Wie könnte sich ein Hotel besser präsentieren als die Schüler ins Mittagsbuffet einzubinden und zu erfahren, wie abwechslungsreich eine Ausbildung in der Gastronomie sein kann.

  • Route 12:

    Goldbergklinik; Gesundheit/Soziales: Etwas Besonderes ließen sich die Auszubildenden unter der Anweisung von Ausbildungsleiterin Veronika Habicht einfallen, als sie den Schülern den Alltag im Krankenhaus inszeniert nachgespielt haben und sie sogar in den OP-Saal führten.

Alle legten los und schnell breitete sich der Geruch nach Holz im Raum aus. Dann musste die erste Seitenwand angeschraubt werden. Der Zusammenbau ging nur im Team, wie Schreinermeister Markus zeigte. Einer hält, der andere schraubt. Und aufpassen, dass nichts schief läuft – im wahrsten Sinn des Wortes. Nicht jede der Schrauben fand nämlich ihren geraden Weg ins Holz. „Die muss nochmal raus“, befand Martin Zizlsperger nach der Prüfung eines Werkstücks. Der zweite Versuch passte dann.

Erfahrung weitergegeben

Auch Schreinerin Kerstin (20) stand den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Schnell ergaben sich Gespräche über die Ausbildung, eine Information aus erster Hand. Am Ende der Montage musste noch der Tragegriff durch die dafür vorgesehenen Löcher. Meist klappte das gut, der eine oder andere Stab spießte sich aber. Moritz probierte hin und her, bis Kerstin eine gängige Methode zeigte: umdrehen das Ding und kräftig draufhauen – schon saß der Stab. „Aha, mit Gewalt!“, schmunzelte Moritz. Der Besuch der Firma war aber nicht nur für handwerklich orientierte Jugendliche interessant. „Wir bieten auch ein Duales Studium an“, ergänzte Zizlsperger.

Über einen Tag wie diesen ist er genauso froh wie seine Frau Steffi, die Prokuristin der Firma ist und Obermeisterin der Schreinerinnung. Man spüre die Konkurrenz der großen Industriefirmen in Regensburg schon sehr, ist ihre Erfahrung. Wenn am Ende des Tags der Ausbildung einige Bewerbungen stünden wären sie sehr zufrieden. Natürlich sei man auch auf Messen vertreten. So ein Tag in den Betrieben sei aber mit Sicherheit eine ausgezeichnete Ergänzung für die Suche nach Nachwuchs. „Es ist etwas anderes, eine Produktion direkt vorzustellen, statt anhand eines Flyers“, ist Martin Zizlsperger überzeugt.

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