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Premiere

Reise ins Berufsleben lockt

Der Run auf Kelheims ersten „Tag der Ausbildung“ überrascht auch die Organisatoren. Aber einige Sparten haben das Nachsehen.
Von Martina Hutzler

Anna-Lena ist angehende „Fachangestellte für Bäderbetriebe“: Bei ihrer Ausbildung im Keldorado lernt sie unter anderem, mit Messtechnik umzugehen. Foto: Archiv/Buchner
Anna-Lena ist angehende „Fachangestellte für Bäderbetriebe“: Bei ihrer Ausbildung im Keldorado lernt sie unter anderem, mit Messtechnik umzugehen. Foto: Archiv/Buchner

Kelheim. Da waren sie baff im Landratsamt: Fast 400 Jugendliche haben sich angemeldet für den ersten „Tag der Ausbildung im Landkreis Kelheim“, kurz „TALK“. Dass gleich bei der Premiere so viele Schüler/innen auf einer Bustour zu Ausbildungsbetrieben im Landkreis dabeisein wollen, „hätten wir nicht gedacht“, gesteht Martina Wimmer von der Kreis-Wirtschaftsförderung. Immerhin investieren die Kids dafür einen freien Tag – die Aktion findet am Mittwoch statt, dem schulfreien Buß- und Bettag. Das große Interesse hat die Organisatoren am Landratsamt und in den teilnehmenden Betrieben durchaus ins Rotieren gebracht – zumal sich das Interesse der Jugendlichen keineswegs gleichmäßig auf alle zwölf angebotenen Bustouren verteilt.

Martina Wimmer und Christian Rieger, Leiter der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, haben den ersten „Tag der Ausbildung im Landkreis“ organisiert. Foto: Archiv/ Hutzler
Martina Wimmer und Christian Rieger, Leiter der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, haben den ersten „Tag der Ausbildung im Landkreis“ organisiert. Foto: Archiv/ Hutzler

„Die Dynamik bei der Anmeldung war schon spannend“, bilanziert Martina Wimmer – für einige der Betriebe, die gerne teilgenommen hätten, war sie indes ernüchternd. Drei ursprünglich geplante Routen fallen aus, mangels Anmeldungen: je eine Handwerks-Tour im Raum Abensberg / Neustadt und Riedenburg / Essing, außerdem eine Gastro-/Tourismus-Tour im Raum Essing. Ein Spiegelbild also der Nöte von Unternehmen gerade in diesen Branchen, Auszubildende oder gar Fachkräfte zu finden.

Ganz zappenduster sieht es in diesen Branchen trotzdem nicht aus, sagt Martina Wimmer: Die Gastro-/Tourismus-Route Bad Gögging etwa sei gut gefüllt. Und die „gemischten“ Touren im Raum Kelheim - Saal und östlicher Landkreis, in denen es um Handwerk, Technik und Büro geht, „könnten wir doppelt belegen“: Bis zu 40 Jugendliche haben sich für eigentlich nur 20 geplanten Plätze gemeldet. Begehrt waren auch Fahrten zu öffentlichem Dienst, Banken und Dienstleistungen.

Arbeiten am Bankschalter steht nach wie vor hoch im Kurs. Diesen und andere Berufe haben wir in unserer Serie zum „Tag der Ausbildung“ vorgestellt:

Themenwoche

Täglich hat er mit hohen Summen zu tun

Ist der Beruf des Bankkaufmanns „out“? „Überhaupt nicht“, sagt Johannes Prücklmayer, Azubi bei der Kreissparkasse Kelheim.

Bürojobs stehen hoch im Kurs

Klar: Bürojobs stünden schon hoch im Kurs, bestätigt Michael Pechmann, als Wirtschaftslehrer auch für die Berufsorientierung zuständig an der Mädchenrealschule Riedenburg. Wenig gefragt seien handwerkliche Berufe bei den Schülerinnen. Aber immerhin steigendes Interesse registriert er für technische und naturwissenschaftlich orientierte Berufe – immerhin trägt die Schule das Siegel „MINT-freundlich“ („Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik“).

Anna-Lena ist angehende „Fachangestellte für Bäderbetriebe“: Bei ihrer Ausbildung im Keldorado lernt sie unter anderem, mit Messtechnik umzugehen. Foto: Archiv/Buchner
Anna-Lena ist angehende „Fachangestellte für Bäderbetriebe“: Bei ihrer Ausbildung im Keldorado lernt sie unter anderem, mit Messtechnik umzugehen. Foto: Archiv/Buchner

Insgesamt war das Interesse an „TALK“ riesig, berichtet Pechmann: „Unsere Neuntklässlerinnen haben sich fast alle angemeldet“. Sie haben zwar auch noch ein einwöchiges Betriebspraktikum. „Aber beim Tag der Ausbildung können sie an einem Tag gleich mehrere Unternehmen erkunden.“ Auch viele Achtklässlerinnen wären gerne schon mit auf Betriebserkundung gefahren; sie bekamen aber meist Absagen.

Stimmt, bestätigt Martina Wimmer: Man habe zwar gemeinsam mit den Betrieben die Zahl der Plätze so weit wie irgend möglich erhöht. Aber es waren trotzdem zu viele Anmeldungen – Wartelisten und Absagen seien unumgänglich gewesen. Vorrang vor den Jüngeren bekamen jeweils die höheren Jahrgangsstufen der jeweiligen Schulen – die übrigens alle Schularten repräsentieren, so Wimmer mit Blick auf die Anmeldungen: „Vor allem Realschulen, aber auch Gymnasien, Wirtschaftsschule, Mittelschulen, Berufliches Schulzentrum, Vhs-Weiterbildungsakademie“.

„TALK“: Ablauf und Ausblick

  • Organisation:

    Die Teilnehmer/innen haben ein Schreiben zu Abfahrtszeiten und Ablauf am Mittwoch erhalten. Die Tour-Daten stehen auch auf der Kreis-Homepage.

  • Begleitung:

    Die Wirtschaftsförderstelle will per Fragebogen Feedback von Betrieben und Schülern einholen. Auch die Schulen wollen im Nachgang wissen, wie ihre Schüler die Aktion beurteilen.

  • Aussicht:

    Wird es eine Neuauflage des „Tags der Ausbildung“ geben? „Bei der Nachfrage auf alle Fälle“, findet Martina Wimmer. Dabei sollen Anregungen von der Premiere aufgenommen werden.

Auch für Mittelschulen sei das Angebot „TALK“ eine gute Ergänzung, obwohl dort die Berufsorientierung bereits sehr viel Raum einnehme, sagt Tobias Oettl, Leiter der Kelheimer Wittelsbacher Mittelschule: zum Beispiel in Form von Betriebspraktika ab der achten Klasse. In denen besuchten die Mittelschüler durchaus auch Handwerks- und Betriebe in Gastronomie und Tourismus, ergänzt der Schulleiter: Die Gefahr, dass dort bald gar keine Azubis mehr zu finden sind, sieht Oettl daher nicht.

„Arbeitgeber kennen lernen“

Eine Lehrstelle suchen, das ist zwar nicht oberstes Ziel angehender Abiturienten. Aber auch Michaela Mahlmann, Koordinatorin für berufliche Orientierung am Donau-Gymnasium in Kelheim, hat die Werbetrommel gerührt für „TALK“ – und über 20 Anmeldungen eingesammelt. Neuntklässler haben im Juli ein einwöchiges Betriebspraktikum – „da ist dieser Tag jetzt super: Die Schülerinnen und Schüler sehen, welche Betriebe es in der Region gibt“. Das erleichtert ihnen nicht nur später im Schuljahr dann die Praktikumswahl.

„Die Schülerinnen und Schüler sehen bei so einem Tag, welche Betriebe es in der Region gibt.“

Michaela Mahlmann

„Ich hoffe auch, dass sie dabei erkennen, wie viele und vielseitige Arbeitgeber es hier in der Region gibt: Dann kommen sie vielleicht nach einem Studium hierher zurück und wandern nicht alle nach München ab!“

Studieren stehe auf der Hitliste der angehenden Abiturienten nach wie vor ganz oben, berichtet Lehrerin Mahlmann – auch in dem Fall sei ein Einblick in die Betriebswelt aber wichtig. Steigendes Interesse registriert sie an dualen Studiengängen, also der Kombi aus Studium und Praxiseinsätzen in Unternehmen: Die jungen Leute schätzen es, dass sie dabei schon Geld verdienen. Vereinzelt peilen Abiturienten auch eine Ausbildung an, ergänzt Michaela Mahlmann.

Egal, wohin die Reise nach Schulschluss geht: Schule muss jungen Leuten den Kompass dafür mitgeben, ist die Kelheimer Lehrerin überzeugt: Das hätten längst auch die Gymnasien erkannt und umgesetzt.

Alle Beiträge zum „Tag der Ausbildung“ sehen Sie hier!

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