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Begegnungsprojekt
Montag, 25. Juni 2018 23° 3

Kultur

Explodierende Farbenwelt Afrikas

Das Kunst- und Begegnungsprojekt der Kirchmann-Stiftung im März in Abensberg geht weit über eine „Werkschau“ hinaus.
Von Wolfgang Abeltshauser

  • Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann sowie Dr. Petra Skiba zeigen die Bandbreite der Bilder, die bei der Ausstellung zu sehen sein wird. Foto: Abeltshauser
  • Melanie Schmid von der Stadtverwaltung hilft mit bei der Organisation. Foto: Abeltshauser
  • Interessant: Ein Bild bestehend aus vielen Buchstaben und Wörtern. Foto: Abeltshauser
  • Schnappschuss der Bilderauswahl in Mauretanien. Foto: Kirchmann

Abensberg.Arbeit ohne Ende ist es für Dr. Petra Skiba. Die Kunstexpertin steht im Abensberger Pfarrsaal, ist umgeben von kleinen Bildern und großen Gemälden, in knalligen Farben, abstrakten Motiven wie auch sehr detailliert gegenständlichen. Die Werke liegen auf dem Boden, auf Tischen, lehnen an den Wänden. Zehn Künstler aus Mauretanien und Burkina Faso haben Werke für die Kunstausstellung im Rahmen des Kunst- und Begegnungsprojekts „Traum und Wirklichkeit“ beigesteuert.

Die Kunsthistorikerin Dr. Petra Skiba geht mit Sachverstand vor – lässt sich aber auch von ihrer eigenen Begeisterung leiten. Ihr Blick fällt immer wieder auf Werke von Christophe Sawadogo. Er hat Aquarelle geliefert. „Das ist außergewöhnlich für Afrika“, ist Skiba beeindruckt. Diese Technik komme dort nur selten vor. Sawadogo fällt aber nicht nur deshalb auf: Er hat sich augenscheinlich mit Kalligraphie beschäftigt. Einige seiner Bilder bestehen aus vielen kleinen Buchstaben und Wörtern. Das fasziniert auch den Kunstlaien. Sawadogo hat auf alle Fälle einen Stein im Brett bei Skiba.

Der Ort Sabou steht am Anfang des Engagements von Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann in Westafrika. Foto: Kirchmann
Der Ort Sabou steht am Anfang des Engagements von Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann in Westafrika. Foto: Kirchmann

Ein weiterer Künstler, der Eindruck auf die Expertin macht, ist Mohamed Sidi. Nicht nur, dass der Maler taubstumm ist. Der Mauretanier bringt auch ein wenig Gesellschaftskritik mit nach Abensberg. In seinem Heimatland gibt es die Berber mit eher heller Hautfarbe – und die dunkelhäutigen Menschen. Viele seiner Figuren haben eine helle und eine dunkle Gesichtshälfte, um zu zeigen, dass sie eigentlich zusammenhalten sollen. Das aber, sagt der Initiator der Ausstellung, Hanns-Peter Kirchmann, ist nicht immer so.

Wir waren bei der Bilderauswahl dabei:

Hanns-Peter Kirchmann spricht über das Begegnungsprojekt.

Kirchmann und die Kunsthistorikerin Dr. Skiba kennen sich schon seit vielen Jahre. Kennengelernt haben sie sich über gemeinsame Kontakte zur Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.

Skiba, deren Aufgabe es als Kuratorin ist, die Bilderauswahl und -zusammenstellung zu machen, macht keinen Hehl daraus, dass in ihren Augen Ausstellungen wie die geplante in Abensberg und Kelheim wichtig ist für Künstlerinnen und Künstler aus Afrika. Ist es schon in Europa nicht einfach, sich mit Kunst zu ernähren, gilt das für Afrika erst recht. Von Ateliers können die meisten Künstler dort nur träumen. „Die arbeiten in irgendwelchen Kammern“, weiß Skiba. Immerhin gebe es mittlerweile in der Hauptstadt von Mauretanien ein Künstlerhaus. Das sei aber die Ausnahme von der Regel.

In Atar in Mauretanien befindet sich derzeit das Hauptprojekt der Stiftung. Unterstützt wird ein Jugendzentrum. Die Kinder erhalten Schulunterricht, Hilfe bei den Hausaufgaben. Foto: Kirchmann
In Atar in Mauretanien befindet sich derzeit das Hauptprojekt der Stiftung. Unterstützt wird ein Jugendzentrum. Die Kinder erhalten Schulunterricht, Hilfe bei den Hausaufgaben. Foto: Kirchmann

Dazu komme, dass die Menschen, Mitbürger der Künstler in deren Heimatländern, oftmals keinen Zugang zur Kunst haben, was man ihnen aber nicht übel nehmen könne. Nach wie vor sei es anstrengend genug, in Afrika den Alltag zu bewältigen. Sich mit der Muse Kunst zu beschäftigen, könne man da einfach nicht voraussetzen.

Gerollt und zusammengehalten von umfunktionierten Wasserflaschen aus Plastik kamen die rund 100 Leinwände aus Burkina Faso und Mauretanien in Abensberg an. Mitstreiter der Kirchmann-Stiftung und die Schreinermeister Konrad Schlund und Josef Huber haben die Bilder gerahmt.

Weitere Baumassmahmen

  • Poller:

    :Auch in Zukunft werden am Haupteingang Poller platziert sein, um Fahrzeugen das Eindringen auf das Festgelände zu verwehren. So sagt es Hans Schmid. Sie sollen im Zuge der Arbeiten fest installiert werden. Da sie versenkbar sein werden, müssen sie nicht nach jedem Gillamoos entfernt werden.

  • Parken:

    An den Parkplätzen, die rund um die Gillamooswiese bereit stehen, wird im Rahmen dieser Maßnahme nichts gemacht. Überlegungen gebe es aber. So sagt Hans Schmid, dass er sich im Bereich Gaden zusätzliche vorstellen kann, die mittels Shuttle-Service mit dem Jahrmarkt verbunden werden könnten.

  • Wohnmobil

    Wohnmobil: Die Forderungen, in Abensberg Wohnmobil-Stellplätze zu schaffen, kommt immer wieder auf. Jetzt sieht Schmid die Chance gekommen, solche anzulegen. Zehn davon werden Richtung Liebesinsel hin entstehen. Selbstverständlich stünden sie aber nur außerhalb des Gillamoos zur Verfügung.

Neben den vielen farbenfrohen Bildern werden die Besucher der Ausstellung auch Geheimnisvolles betrachten können. Denn Hanns-Peter Kirchmann hat es geschafft, einige Masken nach Abensberg zu holen. Echte Masken, die in Dörfern im Einsatz waren und nun ausgedient haben wohlgemerkt – keine Nachbildungen.

In Sérékéni will die Stiftung auf Bitte des Gesundheitsministeriums in Burkina Faso eine neue Gesundheitsstation aufbauen. Diesen abgelegenen Platz habe bisher noch keine ausländische Hilfe erreicht. Umso herzlicher wurde Kirchmann bei seinem ersten Besuch in Sérékéni empfangen. Foto: Kirchmann
In Sérékéni will die Stiftung auf Bitte des Gesundheitsministeriums in Burkina Faso eine neue Gesundheitsstation aufbauen. Diesen abgelegenen Platz habe bisher noch keine ausländische Hilfe erreicht. Umso herzlicher wurde Kirchmann bei seinem ersten Besuch in Sérékéni empfangen. Foto: Kirchmann

Viele Menschen in Afrika schreiben Masken magische Kräfte zu. Wie klingt Abensberg? Auch das wird in der Projektwoche zu hören sein. Musiker aus Burkina Faso geben ein Konzert in Kelheim (14. März, 19 Uhr, Sparkasse, Schäfflerstraße 3, Eintritt: 10 Euro, Vorverkauf in den Geschäftsstellen der Sparkasse in Abensberg und Kelheim) und zusammen mit jungen Musikern aus Abensberg in Abensberg (16. März, 19.30 Uhr, Eintritt frei, Spenden erbeten).

Die Auswahl der Exponate:

Afrikanische Kunst in Abensberg.

Immerhin rücke zeitgenössische Kunst aus Afrika immer mehr ins Blickfeld von Kunstinteressierten in Europa, sagt Dr. Skiba. Das war vor rund 150 Jahren noch ganz anders. Damals wollten europäische Kunstexperten einfach nicht glauben, dass Skulpturen und Güsse wirklich aus afrikanischen Händen stammten. Heute ist das ganz anders. Dr. Petra Skiba: „Was die Qualität angeht, müssen sich afrikanischen Künstler überhaupt nicht hinter ihren europäischen Kollegen verstecken.“

Hier erhalten Sie einen Überblick über den Einsatz der Kirchmann-Stiftung in Afrika:

Ein Blick nach Burkina Faso und Mauretanien

Allerdings sei der europäische Kunstmarkt nach wie vor nicht bereit, dieselben Preise zu zahlen wie für Kunst aus dem Abendland, so dass afrikanische Künstler in der Regel eher geringe Einnahmen haben. Und deshalb einfallsreich sind, was die Materialien betrifft. Da werden schon mal farbige Stofffetzen mitverwendet – weil diese billiger seien als Farbe.

Ab nächster Woche wird die Mittelbayerische die beteiligten Künstler einzeln vorstellen.

Hier finden Sie weitere Artikel über das Projekt.

Hier finden Sie weitere Artikel über Abensberg.

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