MyMz
Anzeige

Türöffner

Spukt ein Geist im Maderturm herum?

Sagen und Legenden ranken sich um den Maderturm in Abensberg. Eigentümer Bernhard Krinninger lässt die MZ herein.
Von Emily Buchner

Der Maderturm (links) gehört fest zu Abensbergs Stadtbild. Von innen bekommt ihn aber kaum jemand zu Gesicht. Fotos: Buchner
Der Maderturm (links) gehört fest zu Abensbergs Stadtbild. Von innen bekommt ihn aber kaum jemand zu Gesicht. Fotos: Buchner

Abensberg.Den Maderturm kennen die Abensberger. Er ragt über die Reste der Stadtmauer hinaus und gehört fest zum Stadtbild. Und doch: Das Innere des Turms kennt fast keiner. Seit Jahrhunderten ist er im Privatbesitz und bleibt damit der Öffentlichkeit verborgen. Für die MZ öffnet der Eigentümer Bernhard Krinninger (77) jetzt die Tür und ermöglicht einen Blick hinter die Fassade.

Die Geschichte des Maderturms geht weit zurück: Graf Babo soll ihn um 1340 errichtet haben. Der Adlige soll Vater von 40 Kinder gewesen sein und Sagen zufolge für jedes von ihnen einen eigenen Turm errichtet haben – für die 32 Jungen jeweils einen Rundturm, für die Mädchen einen Eckturm. Der besagte Maderturm ist einer der Ecktürme und der Einzige, der von den ehemaligen 40 noch übrig geblieben ist. Genau in diesem Turm soll – Überlieferungen zufolge – Graf Babo eine „abtrünnige“ Tochter eingemauert haben. Krinninger glaubt daran jedoch nicht: „Dafür gibt es keinerlei Beweise“. Einige sind aber bis heute überzeugt, dass der Geist der Tochter sich noch in dem Turm rumtreibt. Und auch der Name des Turms scheint damit zusammenzuhängen. „Marterturm“ war wohl die frühere Bezeichnung; im Laufe der Zeit entstand daraus „Maderturm“.

Hier sehen Sie ein 360-Grad-Bild aus dem Maderturm:

Maderturm 2 - Spherical Image - RICOH THETA

Ein historisches Erbe

Bernhard Krinninger öffnet die Tür zum Maderturm, der seit Jahrhunderten im Privatbesitz ist. Fotos: Buchner
Bernhard Krinninger öffnet die Tür zum Maderturm, der seit Jahrhunderten im Privatbesitz ist. Fotos: Buchner

1840 erwarb Bader Hotz, ein Vorfahre Krinningers, den Turm. Seither befindet er sich im Besitz der Familie und wird von Generation zu Generation vererbt. Bernhard Krinninger wohnte nicht von Kindesbeinen an in Abensberg – aufgewachsen ist er im Bayerischen Wald. Und auch wenn er seine Heimat durchaus vermisst; die Liebe zu seinem Turm ist stärker.

Inzwischen ist die Instandhaltung des Turms zu einer Lebensaufgabe für Krinninger geworden. Er kümmert sich selbst um alles, was rund um den Turm anfällt. Immer wieder muss etwas ausgebessert oder ausgetauscht werden. In den 1960er Jahren hatte er sich ein besonders großes Projekt vorgenommen: In alten Ansichten der Stadt war der Turm zwei Stockwerke höher eingezeichnet, als er zur damaligen Zeit noch erhalten war. Zusammen mit der Stadt packte Krinninger das Projekt an und ließ den Turm nach alten Plänen rekonstruieren. Inzwischen hat er wieder die ursprüngliche Größe – ganz fertig sind die Arbeiten aber bis heute nicht. Die Sanierungsarbeiten in den oberen zwei Geschossen sind noch im Gange. Und auch abgesehen davon: Bei den alten Gemäuern tauchen immer wieder unerwartete Probleme auf.

Die Serie

  • Hintergrund:

    In unserer Serie stellen wir Gebäude vor, die verlassen, verborgen oder unzugänglich wirken. Dabei werfen wir einen Blick hinter die Fassade und zurück in die Vergangenheit. Unsere Reporterin Emily Buchner hat sich quer durch die Region auf die Suche nach solchen Orten begeben.

  • Türöffner:

    In dieser Folge öffnet Bernhard Krinninger die Tür zum Maderturm, der seit Jahrhunderten im Privatbesitz ist.


Maderturm mit antiken Möbeln eingerichtet

„Mir ist wichtig, dass die Möbel immer eine Geschichte erzählen.“

Bernhard Krinninger, Besitzer des Turms

Krinninger zufolge soll aber nicht nur die Sanierung, sondern auch die Einrichtung der Historie des Turms entsprechen. Als Kunstschreiner hat er ein Gefühl für Möbel und Einrichtung. „Mir ist wichtig, dass die Möbel immer eine Geschichte erzählen“, sagt Krinninger. Und das ist im Turm, wohin man auch sieht, der Fall. Die Holzbalken in der Decke stammen aus seinem Elternhaus, die Möbel sind allesamt Antiquitäten und im Zuge der großen Restaurierungsarbeiten in den 1960er-Jahren ließ er eine originale Abensberger Zwei-Drittel-Tür aus dem 18. Jahrhundert zur Abtrennung von Wohnraum und Treppenbereich einbauen. Jede Ecke des Turms scheint voller Geschichten und Überraschungen zu stecken.

Hier sehen Sie ein 360-Grad-Bild aus dem Maderturm:

Maderturm 1 - Spherical Image - RICOH THETA

Die MZ stellt Gebäude aus der Region Kelheim vor, die verlassen, verborgen oder vergessen wirken. Dabei werfen wir einen Blick hinter die Fassade und zurück in die Vergangenheit.

Tote Frau im Boden gefunden

Das Kurioseste: Im Erdgeschoss des Turms wollte Krinningers Großvater eine Kapelle einrichten. Als er den Boden dafür ausheben ließ, kam eine tote Frau mit roten Haaren zum Vorschein. Besagte Tochter des Grafen? Krinningers Einschätzung zufolge, kann das nicht sein: Die vorliegenden Daten würden nicht mit denen des Turms und der Sage zusammenpassen.

Den Altar seines Großvaters hält Krinninger in Ehren. Seinen Standort musste er trotzdem ändern. Fotos: Buchner
Den Altar seines Großvaters hält Krinninger in Ehren. Seinen Standort musste er trotzdem ändern. Fotos: Buchner

Inzwischen ist die Kapelle einer Stube mit Holztisch und offenem Kamin gewichen. Die Kapelle verlagerte Krinninger in einen angrenzenden überdachten Raum: „Es ist mir wichtig, den Altar meines Großvaters in Ehren zu halten.“ Man merkt: Sich um den Turm, seine Geschichte und seiner Erhaltung zu kümmern ist für Bernhard Krinninger Herzenssache. Das Ganze macht er für sich und seine Familie. Nur einmal hat er bisher die Türen des Turms geöffnet. In den 1980er-Jahren fand eine Ausstellung mit Werken des Grafikers Manfred Sillner in dem Wohnraum des Turms statt. „Es kamen sehr viele Besucher – viele wohl auch, weil sie den Turm mal von innen sehen wollten“, vermutet Krinninger. Durch dieses Ereignis hat er gemerkt, dass großes Interesse an dem Turm besteht. Er könnte den Turm der Öffentlichkeit zugänglich machen, Eintrittsgeld verlangen und würde so für die Mühen mit dem Turm materiell belohnt werden. Darum geht es ihm aber nicht. „Man darf nicht immer nur den Nutzen sehen. Manchmal muss man einfach nur geben.“ Er will den Turm erhalten und als Familienschatz hüten.

Dem Langkeller in Kelheim wurde durch Technisierung sein ursprünglicher Nutzen entzogen. Unbrauchbar und vergessen ist er aber nicht. Hier nehmen wir Sie mit in das Kellergewölbe.

Hier lebten immer wieder Frauen

Der Blick in eines der „neuen“ Turmgeschosse. Fotos: Buchner
Der Blick in eines der „neuen“ Turmgeschosse. Fotos: Buchner

Die letzten Jahre über war der Turm immer bewohnt. Bernhard Krinninger vermietete bis vor kurzem die kleine Wohnung, die im Turm beginnt und über die Stadtmauer weiterführt. „Hauptsächlich waren die Bewerber und damit auch die Bewohner Frauen“, sagt Krinninger lachend. Ob da der klassische Mädchentraum vom Prinzessinenleben in einem Märchenturm schuld dran ist, sei dahingestellt. Die Mieterinnen haben die Zeit im Turm jedenfalls genossen. „Sie haben sich da sehr wohl gefühlt – eine war aber fest davon überzeugt, dass in dem Turm tatsächlich ein Geist wohnt“, erzählt er.

Momentan steht die Wohnung jedoch leer. Und Bernhard Krinninger ist sich noch nicht sicher, ob das nicht auch so bleiben wird. „Ich merke immer mehr, wie gern ich selbst mich hier aufhalte, um Abstand zum Alltag zu bekommen.“ Was die Zukunft für den Turm noch alles bereithält, lässt sich noch nicht sagen. Aber fest steht: Erstmal bleibt er in der Familie - ob mit oder ohne Geist.

Mehr Geschichten aus der Region Kelheim lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht