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Serie

Türöffner in die Geschichte

Alte Gebäude machen oft den Anschein, als wären sie dem Verfall preisgegeben. Zu erzählen gibt es über sie aber Einiges.
Von Emily Buchner

Hunderte von Autos fahren täglich am Langkeller vorbei - aber fast niemand weiß Genaueres über ihn. Foto: Buchner
Hunderte von Autos fahren täglich am Langkeller vorbei - aber fast niemand weiß Genaueres über ihn. Foto: Buchner

Kelheim.Alte Gemäuer gehören hier in der Region zum Ortsbild. Viele Menschen gehen oder fahren an ihnen vorbei – aber die wenigsten nehmen sie dabei aktiv wahr. Selten weiß man, was sich hinter den Mauern befindet.

Der Wert solcher Gebäude geht im Alltag unter; dabei sind die Orte nicht nur durch ihre frühere oder heutige Funktion definiert – die Bauwerke sind Zeugen einer bestimmten Zeit oder einer spezifischen Lebensweise. Sie bieten nicht nur einen geschützten Innenraum, sondern auch Platz für Erlebnisse und Geschichten, die dann wieder lebendig werden, wenn sich jemand findet, der sie erzählen kann.

Der Maderturm ist auch Thema der Serie. Foto: Abeltshauser
Der Maderturm ist auch Thema der Serie. Foto: Abeltshauser

Denn viele Geschichten wollen noch erzählt werden. Über viele Gebäude, teilweise verborgen, teilweise mitten in der Stadt, gibt es Anekdoten aus der Vergangenheit und Gegenwart, die überraschen oder zum Nachdenken anregen. Diese Geschichten gilt es zu entdecken, bevor es zu spät ist. Dafür hat sich unsere Reporterin quer durch den Landkreis auf die Suche nach solchen Orten begeben, um mit Besitzern oder Experten einen Blick hinter die Fassade und zurück in die Vergangenheit zu werfen. In den kommenden Wochen werden wir diese Orte und ihre Geschichten vorstellen. Wir werden sehen, dass manche Orte, wie der Langkeller in Kelheim, vergessen wirken – das Innere aber das Gegenteil offenbart. Manche sind von außen jedem bekannt, wie der Maderturm in Abensberg – aber ein Blick in sein Inneres bleibt der Öffentlichkeit verwehrt. Und manche hatten früher eine erhebliche Bedeutung für das gesamte Dorf, wie die alte Schmiede in Ihrlerstein - und heute kennt sie fast keiner mehr. Die Beispiele sind keine Einzelfälle: Viele Gebäude scheinen verlassen, vergessen oder dem Verfall preisgegeben zu sein.

Jahre der Zerstörung

Durch den Zweiten Weltkrieg wurden viele Bauwerke zerstört, im Landkreis Kelheim war beispielsweise Neustadt stark betroffen. Auch danach wurde nicht viel Wert auf die Instandhaltung von alten Gemäuern oder denkmalwürdigen Gebäuden gelegt. Viele wurden achtlos abgerissen oder man überließ sie der Natur.

Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke. Foto: Bachmeier-Fausten
Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke. Foto: Bachmeier-Fausten

Moderne Neubauten nahmen ihren Platz ein. So war es in der Kelheimer Innenstadt der Fall, weiß Dr. Wolf-Heinrich Kulke, Kreisheimatpfleger und Stadtarchivar in Kelheim: „Ein wunderschönes, gotisches Bürgerhaus musste einem ‚Plastikbau‘ weichen“ – eine „Bausünde“, seiner Meinung nach. Einhalt bot bayernweit das Denkmalschutzgesetz von 1973. „Wäre das nicht eingeführt worden, wäre es Schritt für Schritt so weiter gegangen“, sagt Kulke. Im Landkreis Kelheim gibt es zahlreiche bekannte Monumente, deren Entstehung, Funktion und Bedeutung gut aufbereitet sind und die weiterhin erhalten bleiben. Kulke sieht aber die Notwendigkeit, sich ebenfalls um die „kleinen“ Orte zu kümmern. „König Ludwig und die Befreiungshalle sind jedem hier präsent. Aber es sind die unscheinbaren Orte und die Menschen, die dort wohnten, die leicht in Vergessenheit geraten.“

Das ist die Türöffner-Serie

  • Einblick: Im Kreis Kelheim gibt es viele Gebäude, die alt und verlassen wirken - teils sind sie verborgen, teils mitten in der Stadt. Die Orte unserer Serie haben alle gemeinsam, dass ihr Inneres der Öffentlichkeit verwehrt bleibt.

  • Besuch:

    MZ-Reporterin Emily Buchner hat sich quer durch die Region auf die Suche nach solchen Orten begeben. In einer Serie zeigen wir, was sich hinter den Türen befindet und welche Geschichten die Gebäude zu erzählen haben.

  • Erzähler: Für jeden Serienteil haben wir einen „Türöffner“ ausfindig gemacht, der Geschichten aus der Vergangenheit des Gebäudes erzählt, von den ehemaligen Eigentümern berichtet, oder Anekdoten und Mythen preisgibt.

Auch wenn inzwischen von offizieller Seite viel für die Erhaltung von Denkmälern getan wird, die Bedeutung von Privatinitiativen ist dabei nicht zu unterschätzen, findet Kulke: „Personen, die verfallene Gebäude wieder herrichten, erhalten wollen und mit Leidenschaft dabei sind – diese Leute geben den Gebäuden wieder das Leben zurück.“ Diese Menschen haben oftmals auch einen persönlichen Bezug zu den Orten. Sie wollen sowohl die Mauern als auch ihre Geschichten bewahren.

Wir stellen Gebäude vor, die verlassen, verborgen oder vergessen wirken. Hier lesen Sie die anderen Teile der Serie „Türöffner“.

Unbemerkte Schätze

Anderen – ob Besitzern, Nachbarn oder Spaziergängern – ist vielleicht gar nicht bewusst, welche Schätze sie vor sich haben. „Interesse ist mit Sicherheit bei einigen Leuten da“, meint Kulke. Aber viele Objekte haben sich so sehr in das Stadt- oder Dorfbild eingegliedert, dass man nicht mehr hinterfrägt, warum es da steht oder welche Funktion es mal hatte. Es ist eben „schon immer da“. Ihnen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wäre wünschenswert, findet Kulke. Die Gemeinden sieht er dabei jedoch nicht im Zugzwang. „Sie könnten vermutlich mehr für die Erhaltung solcher Gebäude tun – einen Vorwurf kann man ihnen aber nicht machen.“ Denn oft fehlt das Wissen über die Besonderheiten der Orte. Wenn alte Mauern abgerissen werden, gehen nicht nur Bauweise und Architektur verloren, sondern auch die Geschichten rund um das Gebäude, das Gedenken an Personen und Ereignisse. Wenig später erinnert daran nichts mehr. Mit unserer Serie wollen wir dem entgegenwirken und einige Gebäude und ihre Geschichten vorstellen.

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