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E-Mobilität

Wie elektrisiert sind die Kelheimer?

Ein „Blitzerfoto“ von der Testfahrt mit einem E-Auto? Dazu kam’s zum Glück für die Reporterin nicht. Aber zum „Wow“-Effekt.
Von Beate Weigert

  • Leise, abgasfrei: Den BMW i3 der Stadtwerke Kelheim können sich Interessierte ausleihen, sagen Inga Theurich und Jürgen Buchner. Denn nur wer weiß, wie sich ein E-Auto fährt, wird sich eins anschaffen. Fotos: Weigert
  • Eine der entscheidenden Fragen für E-Auto-Fahrer: Finden sich die Ladesäulen dort, wo sie hinfahren? Im Dezember erscheint eine Kelheim-App, sie wird u.a. auch Infos für E-Mobilisten liefern.
  • Blick unter die Motorhaube: Reifenreparaturset und Abschleppseil – mehr ist da nicht. Die Batterie ist im Unterboden verbaut.
  • Jürgen Buchner und Inga Theurich finden, wer über E-Mobilität schreibt, sollte auch mal gefahren sein.
  • Wer E-Tankstellen anbietet, muss auch entsprechende Parkplätze reservieren.
  • Das E-Auto ist ein Automatik-Fahrzeug.

Kelheim.Das nennt man wohl den Vorführeffekt, sagt Jürgen Buchner. Und kämpft mit der Ladesäule, vor dem Gebäude der Kelheimer Stadtwerke. Die orangefarbene Station will entgegen der Anzeige auf dem Display das Ladekabel des davor geparkten BMW i3 nicht wieder hergeben. Wäre das jetzt ein Privatauto, könnte der Besitzer per Notruf-Nummer Hilfe organisieren, sagt Kollegin Inga Theurich.

Buchners Dienstauto mit dem der Energieberater u.a. zu den Bürgermeistern im Landkreis fährt, um ihnen sogenannte Wallboxen, sprich Wandladestationen, schmackhaft zu machen, steht „voll getankt“ da. Buchner und PR-Kollegin Theurich finden, wer einen Artikel über die E-Mobiltät im Kreis Kelheim schreiben will, der sollte auch mal E-Auto gefahren sein. Dann eben ohne Kabel im Kofferraum.

Das Fahren ist schnell erklärt. Der i3 ist ein Automatik-Auto. Kurz den Start-Knopf gedrückt, die Bremse lösen und leicht aufs Gaspedal steigen. Lautlos beschleunigt das weiß-schwarze Mobil auf mehr Sachen, als es einem innerorts lieb ist. Also schön, den Tacho im Auge haben. Ein „Blitzerfoto“ von der Testfahrt. Ja, das wäre was für die Überschrift des Artikels, scherzen die Stadtwerke-Mitarbeiter.

Das E-Auto steht voll „getankt“ bereit.
Das E-Auto steht voll „getankt“ bereit.

Ihr BMW ist eines von insgesamt 18 zugelassenen Firmen-E-Autos im Landkreis. Zudem sitzen 37 Privatleute am Steuer eines E-Stromers. Mehr nicht. Im Nachbarlandkreis Regensburg sind im Vergleich 150 E-Fahrzeuge zugelassen. 115 davon sind Pkw. Der ganze Freistaat bringt es auf an die 5800 E-Fahrzeuge.

Urlaubstrip geht – mit Vorbereitung

Ja, mit der E-Mobilität im Landkreis sieht es „mager“ aus, findet Jürgen Buchner. Privat fährt er ein Erdgas-Auto. Weil er damit auch lange Strecken, z.B. in Urlaub, fahren will. Obwohl wer wolle, könne das auch mit einem E-Auto schaffen. „Aber man muss sich halt vorbereiten, schauen, wo und wie man laden kann.“ Er kennt einen Fahrer, der seinen Renault „Zoe“ erfolgreich dem Härtetest unterzog und einen italienischen Vulkan ansteuerte.

Kaum am Parkplatz Niederdörfl angekommen, steckt der erste Interessierte den Kopf ins Innere des i3. Nein, selbst an den Kauf eines E-Autos habe er noch nicht nachgedacht, gibt der Mann zu.
Kaum am Parkplatz Niederdörfl angekommen, steckt der erste Interessierte den Kopf ins Innere des i3. Nein, selbst an den Kauf eines E-Autos habe er noch nicht nachgedacht, gibt der Mann zu.

Die meisten die E-Auto fahren, haben eine Ladestation zuhause. Die in der Region bestehenden Ladestellen lassen sich aktuell noch an zwei Händen abzählen (siehe Infokasten). Zu den aktuell sieben „Tankstellen“ zählen seit kurzem drei bei touristischen Betrieben. Robert Kreitmaier, der Inhaber des Erasmus-Turmhotels in Kelheim hat sich eine Wallbox anschafft. Er fährt privat E-Auto. Und da „freuen wir uns über jede zentrale Lademöglichkeit“. Diesen Service wolle er nun auch seinen Gästen bieten, sagt Kreitmaier. So sieht es auch Josef Böhm vom Bauernhofmuseum in Riedenburg. Je nach Größe des Modells sei eine Batterie nach drei Stunden wieder voll geladen. Das passe gut mit einem Museumsbesuch zusammen.

So viele E-Autos gibt‘s in KEH

  • Öffentliche Ladesäulen:

    Kelheim: Parkplatz Niederdörfl (zwei Schnellladestationen), Sparkasse/Schäfflerstraße, Edeka Dillinger; Mainburg: V-Markt

  • Kundenladepunkte/Wallboxen:

    Kelheim: Turmhotel, Hagebaumarkt (ab Herbst am neuen Standort im Donaupark), Riedenburg: Bauernhofmuseum; Mainburg: Zieglerbräu

  • Zugelassene E-Fahrzeuge im Kreis Kelheim:

    Aktuell sind im Landkreis Kelheim laut Landratsamts-Pressestelle 55 Elektrofahrzeuge angemeldet. 37 sind privat, 18 von Firmen angemeldet.

  • Im Landkreis Regensburg

    sind 150 Elektrofahrzeuge zugelassen. Darunter finden sich zwölf Elektrostapler, 115 E-Pkw, neun E-Kräder und 14 Quads. Von den Autos sind 84 auf private Personen angemeldet, 31 auf Firmen. Kräder und Quads sind alle privat.

  • E-Car-Sharing:

    Wie kürzlich bei Bengel vorgestellt, können seit August 2015 im Kreis Regensburg Bürger sich ein E-Auto leihen. Derzeit finden sich zwei BMW i3 und ein VWe-Golf im Fahrzeugpool der Genossenschaft (Internet: www.kerl.landkreis-regensburg.de). (re)

  • www.goingelectric.de bietet Infos über Fahrzeuge und Stromtankstellen in ganz Deutschland.

Julia Schönhärl, die Regionalmanagerin des Landkreises, findet, dass sich durchaus viele in der Region für das Thema interessieren. Dass manche Kommune etwa mit der Investition in eine Ladestation abwartet, kann sie nachvollziehen. Die Technik entwickle sich rasant weiter. Da wolle man sich nichts womöglich bald Überholtes anschaffen. Auch ob sich die Sache mit dem „schweren“ Ladekabel auf Dauer als praktikabel erweise, müsse sich noch zeigen.

Insgesamt vermisst sie bundesweit echte Kampagnen für Elektromobilität. Das neue Förderprogramm will sie zwar nicht als „Feigenblatt-Aktion“ bezeichnen, aber das Thema werde mit „zu wenig Herz“ kommuniziert. Und auch im Landkreis bzw. im Bezirk könne das Thema noch größer und mit mehr Mut gedacht werden. Die Regensburger Nachbarn machten etwa gute Erfahrungen mit dem E-Car-Sharing-Projekt von „KERL“.

Stammtisch-Vorurteile à la „viel zu teuer“ widerlegten mittlerweile „flotte Kleinwagen“ wie der Renault „Zoe“.

Je nach Ladekarte und Verbund erwarten einen viele oder wenige Tankstellen, die man nutzen kann.
Je nach Ladekarte und Verbund erwarten einen viele oder wenige Tankstellen, die man nutzen kann.

Auch verwirrende Ladesysteme sind Geschichte, sagt Jürgen Buchner. Als die Stadtwerke vor sechs Jahren einen E-Mitsubishi kauften, hatte der noch ein eigenes System. Mittlerweile gebe es einen einheitlichen Standard.

Immer wieder erreichen die Stadtwerke Anfragen von Auswärtigen. „Kann man bei Euch mit der und der Ladekarte tanken?“ Buchner erinnert sich an einen Münchener, der kannte über 1000 verschiedene Ladekarten quer durch die Republik. Die Karte der Stadtwerke gilt auch im Raum Regensburg und umgekehrt. Man kooperiert mit der Rewag. Noch flexibler ist man mit der Karte von „The New Motion“, damit sind mehr als 27 000 Ladestationen in Europa verfügbar, so Inga Theurich.

Strom fürs Auto als Service?

Einige Gemeinden im Landkreis überlegen laut Buchner, ob sie sich eine Ladesäule anschaffen. Eine große koste knapp 9000 Euro. „Niederschwelliger“ sei da das Angebot der Wallboxen, die gibt’s für an die 750 Euro. Letztere sind allerdings nicht abrechnungsfähig. Will heißen: Der Betreiber stellt den Strom zur Verfügung.

Sicher sei neuerdings durch den Zuschuss vom Bund für den Kauf ein Anreiz da, sagt Markus Reichelt, der Filialleiter von BMW Hofmann in Abensberg. Doch nicht für jeden sei ein E-Auto das Passende. Für Reichelt punktet es eher in der Stadt bzw. im Umfeld einer größeren Stadt, weil dort auch die Infrastruktur passt. Die Wege zum Laden kurz sind.

Die ideale Kombination für Kelheims Regionalmanagerin Schönhärl wäre es, das E-Auto mit dem Strom aus der Photovoltaik-Anlage vom eigenen Dach zu „betanken“. Ein Vorteil, der sich v.a. im ländlichen Raum biete.
Die ideale Kombination für Kelheims Regionalmanagerin Schönhärl wäre es, das E-Auto mit dem Strom aus der Photovoltaik-Anlage vom eigenen Dach zu „betanken“. Ein Vorteil, der sich v.a. im ländlichen Raum biete.

Doch an die 200 Kilometer weit komme man schon, damit schafft man es von Kelheim aus in die umliegenden Zentren, finden Schönhärl und Buchner. Insbesondere als Zweitwagen sei ein E-Auto eine gute Option. Sicher die Hemmschwelle sei nach wie vor da, sagt Reichelt. Doch dass ein E-Auto nicht mehr unbedingt nach E-Auto aussehen muss, beweise Tesla, wirft Buchner ein. Dafür müsse man aber halt auch tiefer in die Tasche greifen.

Für Schönhärl wäre die „ideale Kombination“: Ein E-Auto, das mit dem Strom von der Photovoltaikanlage am eigenen Hausdach betankt wird. Ein Vorzug, der sich v.a. Menschen im ländlichen Raum biete.

www.goingelectric.de bietet Infos über Fahrzeuge und Stromtankstellen in ganz Deutschland.

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