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Bilanz

Zufrieden nach Übernahme

Voriges Jahr hat Adfors den Neustädter Gelegehersteller Kirson übernommen. Die Gefühle bei der Übernahme waren gemischt.
Von Jochen Dannenberg

Der Gelegehersteller aus Neustadt ist guit ins neue Jahr gestartet. Foto: WEINRETTER.de
Der Gelegehersteller aus Neustadt ist guit ins neue Jahr gestartet. Foto: WEINRETTER.de

Neustadt.55 Jahre war Kirson ein Familienunternehmen, spezialisiert auf die Herstellung von Gelegen. Im Jubiläumsjahr wechselte der Betrieb den Besitzer und wurde Teil eines großen französischen Konzerns mit 170000 Mitarbeitern. Mittendrin befand sich nun der eher kleine Betrieb aus dem Neustädter Ortsteil Mauern mit seinen rund 100 Beschäftigten. Nicht jedem von ihnen war dabei wohl.

„Es gab natürlich Fragen, als wir von der Übernahme erfuhren“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Schmid seinerzeit der Mittelbayerischen. „Die Mitarbeiter fragten sich, was aus unserer Arbeit wird.“ Brennende Fragen waren auch, ob das Werk geschlossen wird oder Teile der Produktion verlagert werden. Inzwischen ist in der Belegschaft wieder Ruhe eingekehrt. Die Stimmung ist gut.

Kurs gestiegen

Die Saint-Gobain Adfors Deutschland GmbH (vormals Kirson) stellt Gelege her, mit denen zum Beispiel Dachpappe verstärkt wird. Das Unternehmen wurde von der Adfors-Gruppe übernommen. Foto: Göhl
Die Saint-Gobain Adfors Deutschland GmbH (vormals Kirson) stellt Gelege her, mit denen zum Beispiel Dachpappe verstärkt wird. Das Unternehmen wurde von der Adfors-Gruppe übernommen. Foto: Göhl

Das hat mehrere Gründe: Neben der weiter gut laufenden Bauwirtschaft und der damit verbundenen Nachfrage nach Baumaterialien profitiert der Betrieb in Mauern auch vom Aktienkurs des Eigentümers Saint-Gobain. Der war von 40 Euro auf 27 Euro im vorigen Jahr abgesackt. Diese „Performance“, wie es Neudeutsch gerne heißt, ließ die Eigentümer nicht ruhen. Ihr Rezept lautete „transform and grow“: Personal wurde ausgetauscht, die komplizierte Organisation vereinfacht, weshalb die Verwaltung nicht nur verkleinert wurde, sondern den einzelnen Werken des Konzerns mehr Verantwortung übertragen wurde.

Das kam dem Standort in Neustadt zugute. Und auch der Aktienkurs erholte sich. Er liegt mittlerweile wieder bei 35 Euro.

Weitere Veränderungen

Sorgen, dass ein Teil der Produktion aus dem ehemaligen Kirson-Betrieb verlagert werden könnten, bestätigten sich nicht. Über 50 Prozent des Neustädter Geschäfts, sagt Geschäftsführer Jörg Göhl, würden innerhalb des Konzerns nur von Neustadt bestritten. Allerdings – und das ist durchaus eine Veränderung – muss der hiesige Betrieb inzwischen auch Produkte betreuen, die in anderen Werken von Saint-Gobain hergestellt werden.

Während insofern in Mauern Zufriedenheit nach der Übernahme herrscht, ist die Zukunft einer anderen bekannteren Marke des französischen Baustoffkonzerns ungewiss. Insidern zufolge strebt das Unternehmen den Verkauf des deutschen Baustoffhändlers Raab Karcher voran.

Idee

  • Start:

    Gegründet wurde Kirson von Horst Kirzinger. Er war zunächst in einer von seinem Vater und einer Geschäftspartnerin geleiteten Firma nahe dem Bahnhof in Neustadt beschäftigt.

  • Gelege:

    Kirzinger entwickelte Ideen für eine Gelegemaschine, bei der die Fäden nicht mehr verknüpft worden. Darüber kam es zur Gründung eines eigenen Unternehmens in Mauern.

Saint-Gobain hatte im November angekündigt, sich von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Konzernteilen zu trennen – auch das ist Teil der Strategie des „transform and grow“. Auf die Verkaufsliste setzten die Franzosen damals unter anderem Raab Karcher, das 2017 einen Umsatz von fast zwei Milliarden Euro erzielte.

Vorm Verkauf

Wie erfolgreich Saint-Gobain damit sein wird, ist unklar. Das Problem ist, dass es gegenwärtig mehrere Unternehmen in Deutschland gibt, die ihre Bauhandelsgeschäfte veräußern wollen. Das dürfte auf die Preise drücken.

Die Bilanz für die Saint-Gobain Adfors Deutschland GmbH, wie Kirson jetzt heißt, fällt positiv aus. „Wir haben geringfügig Personal aufgebaut“, sagt Geschäftsführer Göhl. Außerdem sei man im vorigen Jahr beim Umsatz gewachsen. Äußerst zufriedenstellend sei der Jahresbeginn 2019 gewesen. „Wir haben in den ersten drei Monaten in diesem Jahr einen Superstart hingelegt.“

Wieder eine Lesung

Damit ändert sich – zumindest vorerst – auch nichts an den bekannten gemeinnützigen und kulturellen Aktivitäten des Neustädter Gelegeherstellers. So ist auch in diesem Jahr wieder die Lesung in der Fabrikhalle geplant. Voraussichtlich am 10. Juli wird deshalb der Kabarettist Frank Goosen auftreten.

17 400 Euro spendete der Gelegehersteller zur Jahreswende an Kindergärten, Schulen und Büchereien. Einen Kalender der Firma gab es zusätzlich. Foto: Göhl
17 400 Euro spendete der Gelegehersteller zur Jahreswende an Kindergärten, Schulen und Büchereien. Einen Kalender der Firma gab es zusätzlich. Foto: Göhl

Keine Abstriche gab es zudem zur Jahreswende bei den Spenden an Kindergärten, Schulen und Büchereien. 17400 Euro spendete das Unternehmen an diverse Einrichtungen in Abensberg und Neustadt an der Donau. In den beiden Städten und deren Ortsteilen wohnen die meisten Mitarbeiter des Unternehmens. Auch das „denkbar Schulfrühstück“ des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) konnte sich über von 2500 Euro freuen. Der BLLV sorgt unter anderem an der Grundschule Neustadt dafür, dass die Schüler den Unterricht nicht mit leerem Magen beginnen müssen.

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