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Bilanz

Der Härtetest im E-Wald hat geklappt

Elektroautos und Fahrzeug-Teilen funktioniert auch am Land. Das zeigt ein Projekt im Bayerwald – und dessen Firmennachfolger.
Von Martina Hutzler

Öffentlichkeitsarbeit war wichtig für die Akzeptanz des Projekts „E-Wald“ im Bayerischen Wald. Hier testet Chams Landrat Franz Löffler bei einem Pressetermin die Chipkarte, mit der sich die Tür des Elektroautos öffnen lässt. Foto: Archiv/Fischer
Öffentlichkeitsarbeit war wichtig für die Akzeptanz des Projekts „E-Wald“ im Bayerischen Wald. Hier testet Chams Landrat Franz Löffler bei einem Pressetermin die Chipkarte, mit der sich die Tür des Elektroautos öffnen lässt. Foto: Archiv/Fischer

Kelheim.Den Bayerwäldlern hängt der Ruf an, konservativ und Neuerungen gegenüber eher skeptisch zu sein. Auch wenn’s ein Klischee ist: Dass zwischen Cham und Passau das Auto-Teilen, und zwar mit Elektroautos, von einem Projekt zum Geschäftsmodell wurde, ist doch bemerkenswert. Denn ein ländlicher Raum mit ordentlich Hügeln zwischen den Dörfern und mit strammen Wintern ist nicht das beste Terrain für E-Mobilität. Und doch: „Dass es funktioniert, haben wir in den letzten vier Jahren mit ,E-Wald’ bewiesen“, sagt Ursula Achatz selbstbewusst.

Sie ist Assistentin der Geschäftsführung bei der E-Wald GmbH in Teisnach; der Firma also, die aus dem gleichnamigen Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Deggendorf hervorging und jetzt einen Miet-Fuhrpark von 200 Elektroautos betreibt. Das Projekt selbst lief von 2013 bis 2016 und basierte auf staatlicher Förderung sowie dem Verbund aus Forschungsinstituten, kommunalen und Industrie-Partnern.

Hauptziel war es, in sechs ostbayerischen Landkreisen mit rund 7000 Quadratkilometern Fläche zu zeigen, dass „Elektromobilität im ländlichen Raum funktioniert und angenommen wird“ – bei privaten Nutzern, aber auch als integrativer Bestandteil im ÖPNV und im Tourismus. Weitere Ziele waren der Einsatz erneuerbarer Energien und die Entwicklung einer App, die vor allem eine sichere Reichweiten-Anzeige für die Fahrzeuge ermöglicht. Die Landkreise sind mittlerweile aus dem Projektverbund ausgestiegen; dafür sind mittlerweile fast 90 Gemeinden, einige Firmen, private Investoren und die DB regio mit an Bord.

Diese Sorge vorm Liegenbleiben, weil der Akku leer ist, war in der Tat eine Hürde, berichtet Ursula Achatz. Deshalb wurde, zumindest im Kerngebiet, ein dichtes Ladesäulen-Netz – „ungefähr alle zehn Kilometer“ – auf. Obwohl das eher „zur Beruhigung“ nötig war. Denn „wer E-Autos regelmäßig fährt, kennt das Ladeverhalten“ – die 24-Stunden-Hotline für „Liegengebliebene“ werde selten benötigt, so Achatz. Wohl auch dank der für E-Wald entwickelten Reichweiten-App: Als selbstlernendes System ermittle sie längst viel realistischer den Stromverbrauch in der Bayerwald-Topographie als die fahrzeug-eigenen Systeme. Aber die flächendeckende Lade-Infrastruktur – jedem E-Auto-Besitzer zugänglich – kam gut an und zog Kreise: „Benachbarte Kommunen haben weitere Ladestationen errichtet.“ Dem Projekt hilft das: Je größer eine Region, die sich an Elektromobilität wagt, desto besser. „Insellösungen sind schwieriger“, so Achatz.

Öffentlichkeitsarbeit war wichtig für die Akzeptanz des Projekts „E-Wald“ im Bayerischen Wald. Hier testet Chams Landrat Franz Löffler bei einem Pressetermin die Chipkarte, mit der sich die Tür des Elektroautos öffnen lässt. Foto: Archiv/Fischer
Öffentlichkeitsarbeit war wichtig für die Akzeptanz des Projekts „E-Wald“ im Bayerischen Wald. Hier testet Chams Landrat Franz Löffler bei einem Pressetermin die Chipkarte, mit der sich die Tür des Elektroautos öffnen lässt. Foto: Archiv/Fischer

Mit „gutem Beispiel“ vorangehen und publik machen, das war laut Achatz der wichtigste Erfolgsfaktor. „Wenn der Bürgermeister oder Rathaus-Mitarbeiter mit einem E-Auto fahren, dann weckt das bei den Bürgern die Neugier und Bereitschaft“, so die Erfahrung von E-Wald. In dem Sinne interessant für den Kreis Kelheim dürfte der erste „Elektro-Mobilitätstag“ werden, der am 7. Mai in Train stattfindet.

Die anfängliche Zurückhaltung der Bevölkerung war die eine Hürde fürs E-Carsharing. Die zweite: die oft große Distanz zwischen Haustür und nächstgelegener Miet-Station. Ein Problem, das typisch ist für den ländlichen Raum – in Großstädten können Auto-Teiler ja auch noch auf Bus, Tram, S- und U-Bahn umsteigen. Im Bayernwald dagegen trennte sich nach Erfahrung von E-Wald an diesem Problem die Spreu vom Weizen: „Wem der Weg zu weit ist, der macht beim Carsharing nicht mit. Wer mitmachen will, der findet Wege: zum Beispiel mit dem Radl“.

Mitmacher sind jetzt bereits rund 4000 Carsharing-Kunden – nicht mehr nur im Bayerwald: E-Wald ist bereits in anderen Gebiete der Republik aktiv. Kunden sind oft diejenigen, die sich mit den Mietwagen ein Zweitauto sparen. Andere liebäugeln mit einem eigenen Elektroauto, wollen aber erst mal testen, ob sie ihren persönlichen Mobilitäts-Alltag damit bestreiten können.(hu)

Hier finden Sie weitere Beiträge unserer Themenwoche.

www.e-wald.eu

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