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MZ-Themenwoche

Spritztour in die mobile Zukunft

Zuverlässig, schnell und umweltfreundlich von A nach B kommen in Kelheim: Wir stellen vor, wie es geht und wo es hakt.
Von Martina Hutzler

Neue Wege in der Mobilität können auch Spaß machen – wie hier im österreichischen Werfenweng, das sich ganz dem Projekt „Sanfte Mobilität“ im Tourismus verschrieben hat. Foto: TVB Werfenweng/ Bernhard Bergmann
Neue Wege in der Mobilität können auch Spaß machen – wie hier im österreichischen Werfenweng, das sich ganz dem Projekt „Sanfte Mobilität“ im Tourismus verschrieben hat. Foto: TVB Werfenweng/ Bernhard Bergmann

Kelheim. Warum denn in die Ferne schweifen? Weil man andernorts bei der Lösung von Problemen mitunter schon weiter ist. Mit diesem Hintergedanken hat das IHK-Gremium im Kreis Kelheim vom „Institut für neue Mobilität“ eine Studie über eben jene „neue Mobilität“ erstellen lassen. Einige der darin zusammengetragenen innovativen und kreativen Projekte aus Deutschland und Österreich stellen wir in dieser Woche, in unserer Themenwoche „Nächste Ausfahrt: Zukunft!“, vor. Denn unsere jetzigen Wege, um von A nach B zu kommen, enden immer öfter in der Sackgasse.

Neue Wege in der Mobilität können auch Spaß machen – wie hier im österreichischen Werfenweng, das sich ganz dem Projekt „Sanfte Mobilität“ im Tourismus verschrieben hat. Foto: TVB Werfenweng/ Bernhard Bergmann
Neue Wege in der Mobilität können auch Spaß machen – wie hier im österreichischen Werfenweng, das sich ganz dem Projekt „Sanfte Mobilität“ im Tourismus verschrieben hat. Foto: TVB Werfenweng/ Bernhard Bergmann

Volle Straßen, spärlich besetzte Busse, Fahrpläne, über die man lange meditieren muss, Klimaschutz-Ziele, die von einem scheinbar unvermeidlich wachsenden Individualverkehr durchkreuzt werden: Baustellen gibt es viele, aber auch schon viele interessante Lösungsansätze. Einen Total-Umbau des Nahverkehrs im Landkreis Kelheim erwartet aber Verkehrsplaner Frank Büsch trotzdem nicht.

Zweigleisige Entwicklung

„Dass wir in Zukunft nur noch mit autonom fahrenden Autos unterwegs sind, glaube ich nicht“, nennt der Geograph ein Beispiel. Und das klassische Netz für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werde es nicht nur weiterhin geben – es sollte sogar ausgebaut werden, in bestimmten Bereichen. Diese Empfehlung gibt Büschs Büro „plan:mobil“ auch dem Kreis Kelheim im neuen Nahverkehrsplan, mit dem das Kasseler Büro beauftragt war. Unlängst von der Kreispolitik gebilligt, ist der Plan das „Grundsatz-Programm“ für Kelheims ÖPNV in den nächsten zehn Jahren. Es sieht vor, dass das Busangebot auf den zentralen, jetzt schon stark genutzten Achsen sogar vestärkt wird; etwa zwischen dem Bahnhof Saal und Kelheim oder zwischen Abensberg und Mainburg. Aber was passiert überall links und rechts dieser zentralen Achsen?

Denn irgendwie müssen auch die Oberndorfer, die Thaldorfer oder die Niederumelsdorfer Anschluss an die zentralen Verkehrsknoten erhalten. Doch all die kleineren Orte und Ortsteile wie bisher – also mehr schlecht als recht – ins Linienbus-Netz zu integrieren, ist für Nutzer wenig attraktiv und kostet obendrein viel Geld: Spärlich besetzte „Geisterbusse“ sind für die zuständige Kreispolitik ein echtes Schreckgespenst.

Bus und Bahn werden das Rückgrat im ÖPNV bleiben. Doch in der Fläche sind neue Ansätze nötig. Foto: dpa
Bus und Bahn werden das Rückgrat im ÖPNV bleiben. Doch in der Fläche sind neue Ansätze nötig. Foto: dpa

Nach Alternativen suchen allerorten die ländlichen Regionen. Deshalb gibt es schon viele Ansätze und Modelle, aus denen sich der Kreis Kelheim zumindest testweise bedienen könnte, ermuntert das IHK-Konzept. Die Einen setzen auf ehrenamtliches Engagement, Andere testen Ruf-Busse und andere individuell abrufbare („On demand-“) Beförderungssysteme. Es gibt Unternehmen, die versuchen, ihre pendelnden Mitarbeiter zu vernetzen, und es gibt privat und kommerziell betriebene Mitfahr- und Fahrzeug-Sharing-Plattformen; gerade hier tun sich zudem für Elektrofahrzeuge große Chancen auf. „Irgendwann wird es auch autonom fahrende Kleinbusse geben“ als Zubringer in der Fläche, sagt Frank Büsch. Nur eines wird es wohl nicht geben: die auf ewig gültige Universallösung für alle Verkehrsanforderungen. Und: Allen intelligenten, smarten und vernetzten Lösungen zum Trotz wird es auch künftig nicht ohne menschliche Mittler gehen: Sie müssen all die Angebote koordinieren und sie den Nutzern erklären, immer wieder dafür werben.

Ohne Institutionen geht es nicht

Das zeigen insbesondere Modelle, bei denen Bürger ehrenamtlich am Mobilitätsangebot mitarbeiten – einige davon stellen wir im Lauf der Woche vor. Mindestens in der Aufbauphase, meist auch im laufenden Betrieb „braucht es einen organisatorischen Rahmen“, bestätigt Verkehrsplaner Büsch aus seiner bundesweiten Erfahrung. Das kann ein Landkreis sein, ein staatliches Förderprojekt oder auch ein innovationsfreudiges Verkehrsunternehmen, das zum Beispiel mit einem Fahrzeugsharing-Verein zusammenarbeitet.

Anlaufstellen sind auch nötig, will man Nutzer mit neuartigen Angeboten nicht verschrecken. Dass wir unsere Mobilität in absehbarer Zukunft nur noch via Smartphone und App planen, davon sind Experten überzeugt. Entsprechend wird das irgendwann so selbstverständlich wie heute die Bedienung von Haushaltsmaschinen. Aber selbst dann wird es noch Situationen geben, in denen man einfach jemanden mal schnell fragen können will, wie man nun am besten von A nach B kommt. Irgendwie auch wieder eine tröstliche Aussicht…

Auch die IHK-Vertreter, die die Mobilitätsstudie für den Kreis Kelheim initiiert haben, setzen sowohl auf eine digitale Plattform als auch einen „echten“ Kümmerer, der neue Mobilitätsformen im Landkreis voranbringt. Das sagen IHK-Gremiumsvorsitzender Michael Gammel und der Leiter der Kelheimer IHK-Geschäftsstelle im Interview mit unserem Medienhaus:

Acht große Themen nennt die Studie „Neue Mobilität“, und dazu wiederum viele Projekte und Beispiele. Wollen Sie die alle in Kelheim umsetzen?

Gammel: Uns ist klar, dass wir so ein Riesen-Konzept runterbrechen müssen auf Teilprojekte und im Rahmen eines ,Masterplans’ umsetzen.

Was wären solche Teilprojekte?

Gammel: Einige unserer Unternehmen klagen zum Beispiel über zu wenig Mitarbeiterparkplätze. Da könnte ein Projekt helfen, bei dem Mitarbeiter ein gemeinsames Fahrzeug zur Verfügung gestellt bekommen – idealer Weise ein Elektro-Fahrzeug. Aber weil das allein mit Berufspendlern zu wenig genutzt würde, kann man sich eine Zweitnutzung überlegen: zum Beispiel für die Jugendarbeit oder im Tourismus, etwa, um Gäste vom Hotel zum Bahnhof zu bringen.

Wie wollen Sie so unterschiedliche Nutzer unter einen Hut bringen?

Gammel: Das geht nur über Digitalisierung. Meiner Meinung nach bilden Bus- und Bahnlinien zwar auch künftig das ,Rückgrat’ im ÖPNV, die Hauptverkehrsachsen. Aber man muss sie sinnvoll kombinieren mit dem Individualverkehr.

Lorenz: Und dazu braucht es eine umfassende, einfach zu bedienende Plattform: eine App wie zum Beispiel ,Qixxit’ von der Bahn oder ,Wien-mobil’, die man auf den Kreis Kelheim übertragen könnte.

Alle weiteren Projekten kommen also erst, wenn es so eine Plattform gibt?

Lorenz: Nein, so lange warten wir nicht. Wichtig ist nur, dass man später dann alle bestehenden und neuen Mobilitätsangebote in so eine Plattform integrieren kann.

Wer soll sich um die Organisation und Umsetzung all dieser Mobilitätsprojekte kümmern?

Gammel: Viele Projekte gehen ja weit über das Mandat der IHK hinaus. Unsere Idee wäre deshalb, dass das letztlich bei der Wirtschaftsförderung am Landratsamt angesiedelt wird, die der neue Landrat Martin Neumeyer ja ausbauen will. Vielleicht können wir dazu auch ein Förderprojekt zusammen mit einer Hochschule an Land ziehen. (hu)

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