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Im September beginnt das neue Europäisch-Ungarische Gymnasium in Kastl mit dem Unterricht.

Der künftige Schuldirektor Rudolf Geiss, sein Stellvertreter Gáspár Nemes, die beiden Geschäftsführer Rechtsanwalt Laszlo Nagy und Krisztina Orban sowie aktiver Unterstützer Endre Tasnady wollen dafür sorgen, dass das neue Europäisch-Ungarische Gymnasium ein Erfolg wird. Für Bürgermeister Stefan Braun (hinten Mitte) ist die Einrichtung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor seiner Gemeinde.Foto: Gaupp

Von Eva Gaupp

KASTL. Das Europäisch-Ungarische Gymnasium ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Aber es hat denkbar gute Voraussetzungen: Eine Stiftung sorgt für Kapital, eine Unternehmensberaterin hat das Finanzkonzept erstellt und übernimmt zusammen mit einem Rechtsanwalt die Geschäftsführung. Die Lehrkräfte stammen aus ganz Europa, die Schulleitung teilen sich ein erfahrener Pädagoge und ein Experte für Lerntheorien – und das Kultusministerium garantiert die Einhaltung der bayerischen Schulrichtlinien für Gymnasien und gibt den Lehrplan vor.

Gestern haben alle Beteiligten das neue Schulkonzept vorgestellt. Nach einem Jahr Lehrlauf soll bereits im September der Unterricht in der Klosterburg beginnen. Seit Herbst hatten die Mitglieder der Stiftung Europäisch-Ungarisches Gymnasium (SEUG) an einem Finanz- und pädagogischen Konzept gearbeitet. Jetzt steht das Projekt in den Startlöchern. Es fehlt nur noch die Unterrichtserlaubnis des Kultusministeriums. Dieses muss noch die Abschlüsse und Qualifikationen der rund 20 ausländischen Lehrkräfte prüfen, ob sie bayerischem Standard entsprechen. Laut dem Nürnberger Anwalt László Nagy jedoch nur noch eine Formalität. „Vor allem innerhalb der EU dürfte das kein Problem sein“, bestätigt auch der Pressesprecher des Ministeriums, Dr. Ludwig Unger, auf Nachfrage.

Bis nach den großen Ferien die Schüler auf der Klosterburg einziehen können, müssen erst die Handwerker anrücken. Etwa 100000 Euro kosten die Renovierung und Ausstattung der Räume, rechnet Krisztina Orbán vor. Die ungarische Unternehmensberaterin hat sich auf die Sanierung von Firmen spezialisiert und hat nach Geldgebern für das Schulvorhaben gesucht. „Eine Schule ist ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt sie. Und eine Schule mit europäischer Ausrichtung habe sie als Vorhaben gereizt.

Als Startkapital für das erste Jahr sei rund eine Million Euro notwendig, sagt sie. Das Geld kommt aus Ungarn: von Banken, Venture-Capital-Gebern, aber auch Unternehmen wie der ungarischen Tochter der Shell AG. Baufirmen tragen ihren Teil durch Arbeitsleistungen bei. Auch das Kultusministerium unterstützt die Schule, die ein reguläres neusprachliches Gymnasium ist. Als Inhaber der Klosterburg ist der Freistaat außerdem für die Sanierung von „allem, was fest mit dem Gebäude verbunden ist“, zuständig, wie Bürgermeister Stefan Braun erklärte.

Doch zunächst geht es darum, die sanitären und die Schlafräume zu modernisieren, kleinere kosmetische Arbeiten durchzuführen. „Auch die Fenster und Türen sind in einem schlechten Zustand“, so Orbán. Lehrmittel und einige andere Ausstattungsmittel will die Stiftung von dem aktuellen Hausherrn, dem Insolvenzverwalter Dr. Harald Schwartz, abkaufen. Sie stammen noch von dem insolvent gegangenen Vorgänger-Gymnasium.

Da dieses komplett als Insolvenz abgewickelt worden ist, und nun ein neuer Träger feststeht, muss dieser auch keine Verbindlichkeiten von früher übernehmen, erklärt Nagy. Eine weitere Formalität sei es, dass der Mietvertrag von Schwartz auf die neue Trägerstiftung übergehe.

Neben einer sicheren Finanzierung musste die Stiftung das bayerische Kultus- und Finanzministerium mit ihrem pädagogischen Konzept überzeugen. „Das dürfte in Bayern einzigartig sein“, sagt Kultusministeriumssprecher Unger.

Und das war auch die Absicht der Initiatoren: Kinder aus der ganzen Welt sollen in Kastl von Lehrern aus ganz Europa unterrichtet werden. Sie sollen nicht nur Fremdsprachen – oder eben Deutsch – lernen, sondern auch den europäischen Gedanken leben, in engen Kontakt mit anderen Kulturen kommen. Dieses Ziel sei es gewesen, das die ungarischen Geldgeber überzeugt habe, sagt Nagy im Gespräch mit dem Tagblatt. „Die Ungarn sind stolz auf so eine Einrichtung. Außerdem hat Kastl eine lange Tradition. Ein europäisch-ungarisches Gymnasium in Frankfurt zu gründen, hätte sicher nicht geklappt.“

Darüber hinaus soll ein umfangreiches Kultur-, Sport und Freizeitprogramm dafür sorgen, dass den Schülern nicht nur fachliche Inhalte, sondern auch soziale und emotionale Qualifikationen vermittelt werden. Dafür sollen auch regelmäßige Wettbewerbe in verschiedenen Fachrichtungen sowie Sport mit den Partner-Schulen sorgen. Wer besonders gute Leistungen bringt, aber nicht den erforderlichen Schulbeitrag aufbringen kann, darf auf ein Stipendium hoffen.

Die Schulleitung werden Rudolf Geiss und Gábor Nemes übernehmen. Der 68-jährige Geiss ist eigentlich längst in Pension, doch auch im früheren Gymnasium hat er noch unterrichtet und die letzte Klasse zum Abitur geführt. „Es ist der besondere Geist der Schule, der mich berührt.“ An seiner Seite steht ein Experte für Lerntheorien und Gedächtnistraining. „Wir wollen die Schüler mit modernsten Unterrichtsmethoden unterrichten, dass sie an jeder Universität auf der ganzen Welt studieren können“, sagt Nemes.

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