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Region Neumarkt
Donnerstag, 20. September 2018 26° 1

Prozess

22-Jährige schlugen Zugführer zusammen

Nun müssen sich die Männer aus dem Landkreis Neumarkt wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Nürnberg verantworten.
Von Eva Gaupp und Helmut Sturm

Am Donnerstag begann ein Prozess gegen zwei Männer aus dem Landkreis Neumarkt vor dem Landgericht in Nürnberg. Archivfoto: Gaupp
Am Donnerstag begann ein Prozess gegen zwei Männer aus dem Landkreis Neumarkt vor dem Landgericht in Nürnberg. Archivfoto: Gaupp

Neumarkt.Wer hat zu welchem Zeitpunkt was getan? Das ist die große Frage, die das Landgericht Nürnberg-Fürth am ersten Verhandlungstag in einem Prozess wegen versuchten Totschlags zu klären versuchte. Zwei Männer im Alter von 22 Jahren aus dem Landkreis Neumarkt müssen sich in Tateinheit wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ledigen Schüler und dem Zeitsoldaten vor, im Oktober vergangenen Jahres einen Lokführer der Agilis lebensgefährlich verletzt zu haben. Die beiden Angeklagten sollen am 3. Oktober 2017 morgens kurz vor 6 Uhr sich an dem Wagen des Opfers zu schaffen gemacht haben, den er etwas entfernt vom Neumarkter Bahnhof abgestellt hatte.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die beiden an den Griffen der Beifahrertür gezogen und versucht einzusteigen. Und sie hätten von dem Agilis-Beschäftigten verlangt, sie nach Hause zu fahren. Als dieser sich weigerte und angab, er müsse jetzt seinen Dienst antreten, seien die beiden heute 22-Jährigen immer aggressiver geworden, hätten ihn beschimpft und ihm gedroht, ihn zusammenzuschlagen. Weil der Lokführer an den beiden Männern vorbeigehen musste, um zum Bahnhof zu gelangen, habe er sein Pfefferspray aus dem Rucksack geholt und damit nach vorne oben gesprüht – dabei jedoch nicht die Männer getroffen, sondern selbst davon in die Augen bekommen.

Daraufhin sei einer der Angeklagten auf ihn losgegangen, habe ihn festgehalten und versucht, mehrfach mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Teilweise habe er den Schlägen ausweichen können, so dass er nur leicht am Kopf getroffen wurde. Im Zuge des folgenden Gerangels setzte der Lokführer immer wieder sein Pfefferspray ein, konnte jedoch nicht verhindern, dass er zu Boden stürzte. Da sei der zweite Angeklagte hinzugekommen und habe den Lokführer mit dem Fuß gegen den Kopf getreten.

Mittelgesichtsfraktur erlitten

Das Opfer erlitt durch den Tritt links eine Mittelgesichtsfraktur sowie einen Trümmerbruch der linken Kieferhöhle sowie des Jochbogens und Hämatome. Als der Lokführer lautstark um Hilfe rief, ließen die beiden Angeklagten von ihm ab und Passanten liefen herbei, einer verständigte auch Polizei und Rettungsstelle.

Im Krankenhaus mussten in einer Operation mehrere Platten zur Fixierung der Knochenbrüche eingesetzt werden, wie bei der Verhandlung zu erfahren war. Diese können drin bleiben, so dass die medizinische Behandlung derzeit abgeschlossen scheint – nicht jedoch die psychologische.

Die beiden Angeklagten haben sich schriftlich und auch mündlich in der Verhandlung bei ihrem Opfer entschuldigt. Und dieses hat die Entschuldigung angenommen. Darüber hinaus haben die Angeklagten bereits vor Prozessbeginn Schmerzensgeld gezahlt – 8000 bzw. 3000 Euro. Dieses Geld konnte die Familie des Opfers gut gebrauchen, da der Lokführer einige Zeit nicht in der Lage war zu arbeiten.

Wie eine Blutentnahme ergab, waren die Angeklagten zur Tatzeit erheblich betrunken: Sie hatten 2,18 bzw. 2,27 Promille, wie Mediziner berechneten. Am Nachmittag wurden ein knappes Dutzend Zeugen verhört.

Die Plädoyers sind für den zweiten Verhandlungstag vorgesehen, er ist für Dienstag angesetzt. Dann gilt es für das Gericht zu klären, ob die beiden Täter gemeinschaftlich und zielgerichtet vorgingen – oder, ob sie den Lokführer einzeln verprügelten, weil sie ihn für einen Taxifahrer hielten, der sich weigerte, sie nach Hause zu fahren.

Die Taten eingeräumt

Die Beschuldigten ließen von ihren Rechtsbeiständen Erklärungen verlesen, die im wesentlichen darauf hinausliefen, dass sie die Tat zwar grundsätzlich einräumten, sich aber aufgrund ihrer Alkoholisierung nicht wirklich an den Tathergang oder Details erinnern könnten.

Die Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeisinger hoffte deshalb auf die Aussagen eines Gutachters, um zu klären, ob es plausibel sei, sich bei der polizeilichen Vernehmung zu erinnern und dann alles zu vergessen. Für den Verlauf der Verhandlung und das Strafmaß kommt es wesentlich darauf an, ob der Anklagevorwurf der Staatsanwältin Dr. Daniela Ruderich auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung Bestand haben wird.

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