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Prozess

28-Jähriger warf Vase auf fremde Frau

Als sein Leben zusammenbrach, ist ein Neumarkter ausgeflippt. Dafür musste er jetzt vor Gericht geradestehen.
Von Luis Münch

Der 28 Jahre alte Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Malte Christians
Der 28 Jahre alte Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Malte Christians

Neumarkt.Erst trennte sich seine Freundin nach neun Jahren Beziehung von ihm, später verlor der Neumarkter seinen Job – und das innerhalb von 24 Stunden. Für den Mann war das nur schwer zu verkraften. Ende Mai besuchte der 28-Jährige eine Neumarkter Diskothek, trank dort über den Durst und beleidigte eine Frau.

Wörter wie „fette Sau“ und „Schlampe“ sollen gefallen sein. Der Mann verließ die Diskothek und kehrte kurz darauf wieder zurück. Im Anschluss warf er eine Vase, die nur knapp den Kopf der Frau verfehlte und stattdessen an der Wand zerschmetterte. Am Dienstag musste sich der 28-Jährige dafür vor dem Neumarkter Amtsgericht verantworten.

Angeklagte gibt alles zu

„Mein Mandant gesteht den Sachverhalt im vollen Maße. Er hat getrunken und macht so etwas normalerweise nicht. Es sind Sachen passiert, die er sich nicht erklären kann“, erklärte Rechtsanwalt Dr. Philipp Schulz-Merkel. Durch die Trennung seiner Freundin sowie den Verlust des Jobs habe sich eine „bescheuerte Situation“ für den 28-Jährigen entwickelt. Auf die Frage von Richter Rainer Würth, ob der Angeklagte die geschädigte Frau überhaupt kenne, antwortete der Mann mit einem klaren „Nein“.

Der Angeklagte selbst entschuldigte sich bei der Frau: „Ich kenne Sie ja nicht einmal, tut mir leid“, sagte der 28-Jährige. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Thomas Leykam, sah keinen „objektiv nachvollziehbaren Anlass“ für die Tat. Das Gefahrenpotenzial, das dieses Delikt mit sich gebracht habe, sei dafür hoch gewesen. „Ich nehme es ihm ab, dass er die Tat bedauert“, erklärte Thomas Leykam. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft erkannte zudem, dass – bedingt durch die Alkoholisierung – eine gewisse Enthemmung eingetreten sei und der Mann in einer „psychischen Belastungssituation“ gehandelt habe.

Gericht verhängt eine Geldstrafe

„Die Pferde sind ihm durchgegangen“, sagte Rechtsanwalt Schulz-Merkel. Sein Mandant habe an einem einzigen Tag die gesamte Lebensgrundlage verloren. „Er ist kein Typ, der das normalerweise macht“, schilderte Schulz-Merkel die Ausnahmesituation und zeichnete eine positive Zukunftsperspektive: Der Angeklagte habe nun bereits erste Jobangebote und nähere sich seiner ehemaligen Freundin wieder an.

Richter Rainer Würth verurteilte den Mann wegen Beleidigung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro. „Die Höhe der Strafe ist im unteren Bereich anzusiedeln und liegt unter der Eintragungsgrenze“, erklärte der Richter. Der Angeklagte habe den Sachverhalt eingeräumt, ohne dass der Richter auf ihn einreden musste. Er habe ein glaubwürdiges Geständnis abgegeben.

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Der MZ-Kolumnist und Rechtsanwalt Geedo Paprotta greift Gerichtsthemen augenzwinkernd satirisch auf: Lesesn Sie dazu Paprotta Paragrafen.

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