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31-Jähriger gab sich reumütig

Mit einem „blauen Auge“ durfte er das Gericht verlassen.
Von Andreas Friedl.

Neumarkt.Da er im vergangenen Jahr knapp 50 Gramm Methamphetamin, oder auch Crystal genannt, an einen bereits verurteilten Mann zum Preis von 976 Euro „weitergegeben“ hatte, musste sich am gestrigen Vormittag ein 31-jähriger Mann vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Rainer Würth wegen eines Verbrechens nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) verantworten.

Im Klartext würde das heißen, dass der Angeklagte, im Gegensatz zu einem Vergehen, mindestes ein Jahr Freiheitsstrafe hätte verbüßen müssen. Wie dann aus der Anklageschrift von Staatsanwalt Andreas Neufanger weiter zu entnehmen war, bekam er aber vom Abnehmer der Ware den Großteil des Rauschgiftes wieder zurück, da dieses offensichtlich nicht den Qualitätsanforderungen entsprach. Weiter wurden in der Wohnung des Angeklagten zudem noch ein paar Ecstasytabletten gefunden. Nachdem der reumütige Angeklagte den Tatvorwurf des Handels, oder die „Weitergabe“ der Suchtmittel über seinen Verteidiger Dr. Nicolas Frühsorger, München, eingeräumt hatte, stellte die Staatsanwaltschaft auf Anregung von Richter Würth den Antrag, dass der Besitz der Ecstasytabletten eingestellt werden könne, was dieser dann auch mit Beschluss vollzog. Dem doch inzwischen gut situierten Angeklagten sprach Richter Würth nun etwas ins Gewissen: „Wenn ich sie so ansehe, kann ich das nicht begreifen. Wie kommen sie dazu“, dem der Angeklagte anfügte: „Sie haben recht.“

Staatsanwalt Andreas Neufanger wollte, bevor noch Richter Würth die Einträge des Angeklagten im Bundeszentralregister (BZR) verlas, wissen: „Haben sie selbst konsumiert?“ „Hier nicht, vorher schon“, so der 31-Jährige. Laut dem anschließend vorgelesenen Einträgen aus dem BZR waren hier nur vier „Notizen“ aufgeführt, die jedoch nicht im Zusammenhang mit dem BtMG standen. Sichtlich erleichtert war anschließend der Angeklagte, als Staatsanwalt Andreas Neufanger für die Sache „nur“ eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden kann, und keine sofortige Haftstrafe forderte. Zudem ließ die Anklagebehörde wissen, dass beim Angeklagten ein Betrag von 976 Euro eingezogen werden soll.

Verteidiger Dr. Nicolas Frühsorger war in seinem Plädoyer der Meinung, dass für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ausreichend sei, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung sagte der Angeklagte unter anderem: „Ich kann mich hier nur entschuldigen.“ Nach Beratung mit seinen beiden Schöffen sprach Richter Würth sein Urteil. Ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe auf vier Jahre Bewährungszeit. Da keine der beteiligten Parteien Rechtsmittel einlegte, wurde das Urteil gleich rechtswirksam.

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