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Ratgeber

6 Tipps für insektenfreundliche Gärten

Simone Spangler und Anne Fröhlich von der Öko-Modellregion Neumarkt erklären, wie man Bienen und Schmetterlingen helfen kann.
Von Eva Gaupp

Die meisten Schmetterlinge brauchen bestimmte Pflanzen als Nahrungsquelle für sich und die Aufzucht der Raupen. Foto: Foto: Bernd Wüstneck, dpa
Die meisten Schmetterlinge brauchen bestimmte Pflanzen als Nahrungsquelle für sich und die Aufzucht der Raupen. Foto: Foto: Bernd Wüstneck, dpa

1. Mut zur Unordnung – nicht nur Insekten brauchen Nisthilfen und einen Unterschlupf.

In der Regel präsentieren sich Gärten wohl geordnet: Beetränder sind gerade abgestochen, Rasen wird vom Unkraut befreit, ebenso Gemüse- und Blumenbeete, Laub wird zusammen mit verwelkten und verblühten Stängeln zum Wertstoffhof gebracht oder auf dem Kompost verteilt. Ein Garten soll schließlich gepflegt aussehen – und die Nachbarn sollen nicht den Eindruck gewinnen, dass man sich nicht kümmert.

Doch ein blitzsauberer Garten ist genau das, was Insekten, Vögel oder Igel gar nicht mögen: Sie finden keinen Unterschlupf, keine geeigneten Stellen zum Brüten. Deshalb: Brennnesseln in Ecken bitte stehen und blühen lassen, denn sie sind wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlingslarven. Blätter unter Büschen und Bäumen dürfen ebenfalls gerne liegenbleiben oder zu Haufen zusammengeschoben werden – sie sind ein Paradies für alle Krabbler. Nur sehr harte Blätter wie die des Walnussbaums sollten entsorgt werden.

Abgestorbene Bäume oder auch Blumenstängel werden gerne von Insekten als Unterschlupf genutzt – das beweisen die Löcher. Foto: Anne Fröhlich
Abgestorbene Bäume oder auch Blumenstängel werden gerne von Insekten als Unterschlupf genutzt – das beweisen die Löcher. Foto: Anne Fröhlich

Sind Stauden oder Blumen verblüht, müssen sie nicht im Herbst abgeschnitten werden, im Frühjahr reicht es noch, bevor die ersten Knospen treiben. Denn in verdorrten Stängeln nisten sich Insekten ein. Sand- und Erdhaufen sowie übereinandergelegte Zweige bieten Wildbienen und Bodenbrütern eine Heimat und Totholz (am besten Hartholz wie Buche) sorgt für eine reiche Artenvielfalt. Schon bald wird man erste Bohrlöcher entdecken.

2. Kräuter – sie verfeinern nicht nur den Speiseplan von Menschen.

Oregano, Minze, Salbei, Thymian und Rosmarin bereichern so manches Gericht. Generell gilt die Regel, dass man die Kräuter ernten soll, bevor sie blühen, weil dann die Blätter noch weich und besonders schmackhaft sind. Doch wer die Blüten abschneidet, nimmt Bienen und Schmetterlingen eine wichtige Nahrungsgrundlage. Denn sie lieben Kräuter.

In einer Kräuterspirale finden ganz unterschiedliche Kräuter auf engstem Raum ihren Platz – und Insekten eine Vielfalt an pollenreichen Pflanzen. Foto: Marion Nickig/dpa-tmn
In einer Kräuterspirale finden ganz unterschiedliche Kräuter auf engstem Raum ihren Platz – und Insekten eine Vielfalt an pollenreichen Pflanzen. Foto: Marion Nickig/dpa-tmn

Ob Kräuter duften oder nicht, spielt für Insekten keine Rolle. Kräuter lassen sich auch leicht in kleinen Töpfen auf dem Balkon pflegen und dann mundgerecht frisch für Salat, Suppe oder Fleischgericht ernten – man ist nicht auf einen Garten angewiesen.

Wer Platz hat, kann sich an einer Kräuterspirale versuchen. Sie bietet in verschiedenen Ebenen rundherum ideale Voraussetzungen für verschiedene Kräuter: Während es unten noch etwas feuchter und nährstoffreicher zugeht, können die Pflanzen zwischen den Steinen oben die volle Sonne und trockenere magere Standorte genießen. So fühlen sich Pfefferminze und Rosmarin gleichermaßen wohl. Beim Bau und der Anordnung der Pflanzen kann der Rat eines Gärtners sinnvoll sein – auch Fachbücher helfen weiter. Die Steine der Trockenmauer speichern zum einen die Wärme der Sonne und bieten zum anderen mit ihren Spalten und kleinen Öffnungen auch jede Menge Unterschlupfmöglichkeiten. Grundsätzlich eignet sich ein besonders sonniger Platz für Kräuterspiralen.

3. Lieber ein artenreicher Steingarten als eine tote Steinwüste

Kiesgarten und Kiesbeete nennt sich eine moderne Form des Gartendesigns: Anstatt von Rasen oder Blumenbeeten werden schwarze und weiße Zierkieselsteine großflächig verteilt. Ein Unkraut-Vlies darunter soll dafür sorgen, dass die Gartenbesitzer von Unkraut verschont bleiben. Allerdings: Diese Steinwüste verhindert jedes Leben von nützlichen Insekten. Und:Im Laufe der zeit lagern sich Staub und Erde ab und so macht sich doch Unkraut breit, das zwischen den einzelnen Kieselsteinen schwer zu jäten ist.

Diese Steinwüste bietet keinerlei Lebensraum für Insekten. Foto: Anne Fröhlich
Diese Steinwüste bietet keinerlei Lebensraum für Insekten. Foto: Anne Fröhlich

Wer Steine liebt, kann sich einen Steingarten anlegen, der ebenfalls einen modernen Look besitzt, aber gleichzeitig sehr artenreich ist. Polsterstauden, Kräuter und Sedum-Arten wie Mauerpfeffer oder die verschiedenen Fetthennen wie Purpurfetthenne, Prachtfetthenne oder die Felsen-Fetthenne sind anspruchslos und deshalb pflegeleicht. Sie bevorzugen magere Standorte. Um Unkräutern das Leben schwerzumachen, kann man auch unter einem Steingarten ein Unkraut-Vlies verlegen.

Ein Steingarten kann auch so aussehen – modern und dennoch insektenfreundlich mit Stauden, die einem mageren Boden angepasst sind und nicht viel Arbeit machen. Foto: Anne Fröhlich
Ein Steingarten kann auch so aussehen – modern und dennoch insektenfreundlich mit Stauden, die einem mageren Boden angepasst sind und nicht viel Arbeit machen. Foto: Anne Fröhlich

Als Steine eignen sich ausgediente Dachziegel genauso wie löchriger Kalkstein, in dem sich Insekten sehr wohlfühlen. So bieten die Pflanzen reichlich Nahrung – die Steine Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten. Moderne Gabionen-Mauern sind für Insekten eher uninteressant – lassen sich aber beispielsweise durch Zwischenräume und Pflanzen wie Mauerpfeffer attraktiv gestalten.

4. Begrünte Dächer reduzieren die versiegelten Flächen – sind aber nicht billig.

Für diesen Tipp braucht man den Profi: Doch wer das Dach seiner Garage, des Wohnhauses oder des Müllhäuschens begrünen will, kann viel für Insekten tun – und hat wenig Arbeit damit. Gärtnereien wissen, welche Pflanzen sich eignen und welches Gewicht das Dach trägt. Kiesel und Trockensubstrat eignen sich für Gräser, Kräuter, Sedum-Arten und Polsterstauden.

Ein begrüntes Hausdach ist in der Anschaffung nicht billig, aber man kann auch nur das Dach des Müllhäuschens bepflanzen.Foto: Stephanie Pilick/dpa
Ein begrüntes Hausdach ist in der Anschaffung nicht billig, aber man kann auch nur das Dach des Müllhäuschens bepflanzen.Foto: Stephanie Pilick/dpa

Die mageren Flächen bieten einen idealen Lebensraum für Insekten – jedoch speichern sie Feuchtigkeit und sorgen so für ein gesundes Mikroklima der Bewohner.

5. Auch auf dem kleinsten Balkon ist Platz für ein buntes Insektenparadies.

Selbst in der Stadt kann man kleine Oasen für Insekten schaffen: Vergissmeinnicht, Petunien, Kapuzinerkresse, Männertreu, Winden oder Kräuter ziehen Schmetterlinge, Bienen und Co. an. Dafür braucht es nur Töpfe und ein bisschen Platz auf dem Balkon. Wichtig: Es sollten keine gefüllten Blüten sein.

Denn bei ihnen sind die pollenproduzierenden Staubblätter nur noch Schauorgane – da gibt es nichts zu holen für Insekten. Pollen – Fehlanzeige! Deshalb sind gefüllte Astern, Dahlien, Nelken oder Kamelien nur etwas fürs Auge. Auch Oleander und Geranien, die auf vielen Balkonen und Terrassen zu finden sind, bieten wenig für Insekten. Aber vielleicht lassen sich die beiden Pflanzengruppen ja kombinieren.

Auch auf einem Balkon ist Platz für Kübel mit insektenfreundlichen Blumen, also Pflanzen mit Pollen. Foto: obs/Blumenbüro
Auch auf einem Balkon ist Platz für Kübel mit insektenfreundlichen Blumen, also Pflanzen mit Pollen. Foto: obs/Blumenbüro

Auch sogenannte ‚Insektenhotels‘ kann man getrost auf einem Balkon aufhängen. Wildbienen, Schlupfwespen und ihre Kollegen sind nicht aggressiv, besitzen teilweise nicht einmal einen Stachel und stören den Menschen nicht beim nachmittäglichen Kaffeegenuss im Freien.

Insektenhotels bieten durch verschiedene Materialien Schlupflöcher und Nistplätze beispielsweise für Wildbienen. Foto: Anne Fröhlich
Insektenhotels bieten durch verschiedene Materialien Schlupflöcher und Nistplätze beispielsweise für Wildbienen. Foto: Anne Fröhlich

Allerdings braucht es seine Zeit, bis die Insekten neu angelegte Oasen ausfindig machen. Deshalb ist Geduld und Kontinuität gefragt. Manchmal dauert es zwei bis drei Jahre, bis das Angebot angenommen wird. Darum sollte es nicht zu häufig wechseln oder nach kurzer Dauer wieder verschwinden. Ideal ist es, von Frühjahr bis Herbst Blühpflanzen anzubieten, damit die Nahrung nicht ausgeht.

6. Wasser ist nicht nur zum Trinken da, sondern auch zum Bauen und als Lebensraum.

Ein kleiner Quellstein auf dem Balkon, eine Vogeltränke, ein Bottich mit Steinen und Wasser, ein kleiner Teich oder ein Feuchtbiotop – es gibt viele Möglichkeiten, Insekten Wasser anzubieten. Zum einen benötigen sie es wie Menschen auch zum Trinken und als Ausgleich an heißen Tagen.

Es muss nicht unbedingt ein großer Gartenteich sein – auch ein Bottich mit Steinen und Wasserpflanzen bietet Insekten und Vögeln das lebenswichtige Nass. Foto: Simone Spangler
Es muss nicht unbedingt ein großer Gartenteich sein – auch ein Bottich mit Steinen und Wasserpflanzen bietet Insekten und Vögeln das lebenswichtige Nass. Foto: Simone Spangler

Doch am schlammigen Ufersaum sind beispielsweise auch Wespen zu beobachten, die das Material für ihre Nester verwenden. Es gibt viele Käferarten wie den Schwimmkäfer, den Gelbrandkäfer, den Seerosenblattkäfer, die sich ganz von allein an einer Wasserstelle einfinden. Libellenlarven tummeln sich im Nass und wer nicht unbedingt inmitten der Stadt wohnt, kann nach einiger Zeit Besuch von einem Teichmolch und seinen Gevattern bekommen.

Hat man genügend Platz, reicht es, einige Wasserpflanzen einzusetzen: Misst der Teich eine Tiefe von 60 bis 80 Zentimeter, eignen sich Seerosen, Scheincalla, Blumenbinse. Diese kann man direkt in den schlammigen Boden einsetzen. Am feuchten Uferrand fühlen sich Gartenstauden wie Greiskraut oder die Trollblume wohl.

Wer über nicht so viel Platz verfügt, kann einen Bottich oder eine Wanne mit Regenwasser füllen, saubere große und Kieselsteine hineinlegen und mit Pflanzen bestücken. Pfeilkraut, Froschlöffel und Blutweiderich brauchen beispielsweise nur eine geringe Wassertiefe.

Zierkies statt Blumen im Garten? Diese Diskussion treibt nicht nur die Gemeinde Postbauer-Heng um. Auch die Managerinnen der Öko-Modellregion Landkreis Neumarkt versuchen, Gartenbesitzer aufzuklären.

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