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600 Jahre alte Fresken werden saniert

Vor hundert Jahren entdeckten Maler in der Ottmaringer Kirche Fresken. Jetzt werden sie gereinigt und gesichert.
Von Johann Grad

Das Fresco zeigt die Grablegung Jesu. Der rechte Teil des Bildes ist gereinigt und stabilisiert. Der andere Teil zeigt noch farbliche Veränderungen. Foto: Firma Bruno Fromm, Parsberg
Das Fresco zeigt die Grablegung Jesu. Der rechte Teil des Bildes ist gereinigt und stabilisiert. Der andere Teil zeigt noch farbliche Veränderungen. Foto: Firma Bruno Fromm, Parsberg Foto: Firma Fromm Parsberg

Ottmaring.Eine wirklich diffizile Arbeit passiert zurzeit in der Chorturmkirche St. Ottmar. Mit der Außenrenovierung des Turmes wurde auch innen das „Erdgeschoss“ restauriert. Der Chorraum wurde vom Kirchenschiff mit einer Folienwand abgetrennt und der Hochaltar und die Fresken sorgfältig abgedeckt. Die Maler reinigten die Wände und das Gewölbe und im Sockelbereich entfernten sie den Putz. Dann brachten sie eine Schicht Sanierputz auf, ließen sie trocknen und brachten die nächste Schicht auf.

Chorraum erhielt Anstrich

Als sie damit fertig waren, erhielt der Chorraum einen neuen Anstrich. Von den Fresken und dem Hochaltar wurden die Folien abgenommen und die Trennwand entfernt. Doch die Arbeiten waren noch nicht fertig. Die ganz diffizile Aufgabe wird momentan ausgeführt: Die Sanierung der gotischen Fresken. Diese stammen nach Ansicht von Fachleuten aus der mittleren Phase der Gotik um 1450 nach Christus und zeigen in acht Bildern auf der Ostseite des Turms die Passion Christi und auf einem Fresko auf der Turm-Südseite die Auferstehung.

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In seinem Visitationsbericht schreibt Generalvikar Priefer, das „von den Kirchenwänden alle Farbe abgegangen sei“. Laut Kunsthistoriker Gerald Dobler aus Regensburg, der die Fresken untersucht und beschrieben hat, ist das nur so zu deuten, „dass jedenfalls keine Wandmalereien mehr sichtbar waren“. Bei einer Restaurierung des Innenraumes 1921 entdeckten die Maler die Bilder. Pfarrer Karl Schad verständigte das Bezirksamt Beilngries und ersuchte, das Landesamt für Denkmalpflege in München fernmündlich zu verständigen.

Weitere Fresken

  • Nordwand:

    Man sah eine Kreuzigung mit Maria und Johannes, darüber das Lamm Gottes mit der Fahne. Außerdem waren Personen zu erkennen.

  • Südwand:

    Neben der Auferstehung waren auch der Heilige Ottmar und der Heilige Nikolaus zu sehen.

Hauptkonservator Lischka kam aus München und nahm die Fresken in Augenschein. Er datierte deren Alter und empfahl, „die bisher bloßgelegten Malereien so weit freizulegen, dass eine angenehme Bildwirkung erreicht wird“. Eine Übertünchung lehnte er ab, weil dann eine neuerliche Freilegung unmöglich sei. Für eine Restaurierung der Fresken hatte die Kirchenverwaltung kein Geld und Zuschüsse gab es nicht. Angeblich wurde 1922 eine Restaurierung durch einen Münchner Restaurator durchgeführt. Von weiteren Arbeiten an den Fresken ist nichts bekannt. Doch jetzt nahm man sich der Bilder an und will sie sichern und erhalten. Die Parsberger Firma Bruno Fromm, Werkstätte für Kirchenmalerei, Restaurierung und Konservierung, führt diese Arbeiten aus.

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Aufsteigende Feuchtigkeit reicherte den Salzgehalt im Putz an, der zwar nach oben abnahm, aber zu Ausblühungen führte. Anton Fiegl, Mitarbeiter der Firma Fromm, entfernte diese mit der gebotenen Sorgfalt mit einem Trockenschwamm. Die größte Gefahr jedoch waren kleine Körnchen von ungelöschtem Kalk unter der Malschicht, die Schäden an den Fresken auslösten. Diese „Kalkspatzen“ oder Kalktreiber werden aufgespürt und entfernt, Fehlstellen gekittet und kleinteilige Malschichten gefestigt.

Geringe Freilegungsschäden

An anderen Stellen hat sich der alte Putz vom Mauerwerk gelöst und muss befestigt werden. Der Fachmann nimmt eine Spritze mit flüssigem Material und spritzt es hinter den Putz. Die Substanz härtet aus und stabilisiert die Stelle. Lose Verschmutzungen der Oberflächen werden mit einem weichen Pinsel gesäubert und auch ein Staubsauger kommt zum Einsatz. Zuletzt werden die Stellen mit einem Trockenreinigungsschwamm behandelt.

Die restaurierten Bilder sind heller und farblich intensiver. Die Malschicht ist an vielen Stellen verloren gegangen, auch die Gesichter der Figuren sind zum Teil nicht mehr erkennbar. Trotz der unebenen Putzfläche ist es laut Gerald Dobler erstaunlich, dass Freilegungsschäden nur in geringem Umfang zu beobachten sind.

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