MyMz
Anzeige

Umwelt

700 Menschen wollten Vandana Shiva hören

Die Wissenschaftlerin kritisierte in Neumarkt Großkonzerne. Bei ihrem Vortrag rief sie zu zivilem Ungehorsam auf.
Von Doris Distler

Dr. Vandana Shiva sprach sich bei ihrem Vortrag für ökologische Landwirtschaft aus.  Foto: Doris Distler
Dr. Vandana Shiva sprach sich bei ihrem Vortrag für ökologische Landwirtschaft aus. Foto: Doris Distler

Neumarkt.Die Stadt Neumarkt als Hauptstadt des Fairen Handels hatte Dr. Vandana Shiva im Zug ihrer Deutschland-Tour eingeladen, auch in Neumarkt über ihre Arbeit zu sprechen und ihr neues Buch „Eine andere Welt ist möglich“ vorzustellen. Rund 700 Menschen füllten die kleine Jurahalle bis auf den letzten Platz, einige standen.

Oberbürgermeister Thomas Thumann und Richard Mergner, der Landesvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern, eröffneten die Veranstaltung und Thomas Thumann betonte, dass man an der großen Anzahl der Besucher erkenne, wie wichtig den Menschen das Thema Umwelt sei.

Shiva kritisiert Monsanto

Ein Grundrecht der Menschen sei das Recht auf Essen, auf Nahrungsmittel, sagte Dr. Shiva in ihrem Vortrag. Doch dieses Recht würden Konzerne den Menschen aberkennen, um kurzfristig Gewinne zu machen. Die IG Farben habe bei einer Konferenz beschlossen, dass man mit Chemie alleine nicht so viel Geld machen könne, also müssten ihnen die Saaten gehören. Die Idee mit dem Patent auf Saatgut sei von Monsanto gekommen, erklärte Vandana Shiva. Zu diesem „Giftkartell“, wie sie es nennt, gehörten auch Syngenta, Bayer und BASF und kleinere Firmen, welche von den Riesen bereits geschluckt worden sind.

Neun Saaten

  • Person:

    Vandana Shiva ist Wissenschaftlerin, soziale Aktivistin und Globalisierungskritikerin. Sie verlangt bei ihren Vorträgen kein Honorar, sondern bittet um Spenden für Navdanya.

  • Navdanya:

    1991 gründete sie die Organisation Navdanya, das bedeutet „Neun Saaten“. Die Organisation ist ein Netzwerk lokaler Gemeinden in Indien und gilt als Pionier einer Bewegung zur Sicherung und Bewahrung von regionalem Saatgut. (ndd)

Bei einer Konferenz habe das „Giftkartell“ festgestellt, dass Amerika und Europa zu wenig Gewinne abwerfen, also müsse auch noch Asien in ihre Saatgut-Macht gelangen. In Indien hätte vor allem Monsanto den Bauern genmanipuliertes Getreide angedreht, das sich nicht mehr reproduzieren lasse. Die Folge seien Hunger und allein im Jahr 2006 mehr als 118 000 Selbstmorde von Bauern gewesen, mit steigenden Zahlen. Indien habe sich schließlich gegen die Übermacht gestellt und auf das Recht am eigenen Saatgut gepocht. Mit Erfolg: „Heute ist das ehemalige Entwicklungsland Indien ein Leuchtturmland,“ wie Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bund Naturschutz in der Podiumsdiskussion betonte.

Appell gegen Junk Food

Vandana Shiva rief in ihrem Vortrag zum zivilen Ungehorsam auf, dies bedeute: „Den großen Unternehmen nicht mehr Folge leisten und zum Beispiel Junk Food die Stirn bieten.“ Der zweite Schritt sei es, alternative Systeme zu schaffen. Diese Alternative sei die ökologische Landwirtschaft, die gefördert werden müsse – sowohl von der Politik, als auch vom Verbraucher in Form seines Einkaufsverhaltens. „Wir haben die Wahl, uns auf die ökologische Seite zu stellen oder der Industrie zu folgen,“ formulierte Shiva, wobei sie kein Hehl daraus machte, dass sie industriell erzeugte Lebensmittel für weitaus weniger nahrhaft hält. Die ökologische Landwirtschaft ist laut Vandana Shiva auch ein Meilenstein in der Lösung der weltweiten Klimaprobleme.

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht