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Region Neumarkt
Sonntag, 22. Juli 2018 23° 6

Natur

700000 Leben wurden gerettet

Das Zwischenhoch bei den Temperaturen hat die Kröten in Gang gesetzt. Zu ihrem Schutz wird einiges getan.
Von Rosi Sippl und

Katharina und Norbert Schneider bauen zusammen mit Ulrich Ridil, Siegbert Heinrich und Michael Schneider den neuen 400 Meter langen Amphibienzaun entlang der Straße von Pirkach nach Batzhausen auf. Bürgermeister Alois Scherer bedankte sich für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Foto: Sippl
Katharina und Norbert Schneider bauen zusammen mit Ulrich Ridil, Siegbert Heinrich und Michael Schneider den neuen 400 Meter langen Amphibienzaun entlang der Straße von Pirkach nach Batzhausen auf. Bürgermeister Alois Scherer bedankte sich für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Foto: Sippl

Landkreis.Während noch bis vor kurzem der gefrorene Boden den Aufbau der Amphibienschutzzäune entlang der Straßen verhinderte, hat der rasche Temperaturanstieg Kröten, Frösche und Molche aus den Winterquartieren gelockt, auch wenn inzwischen wieder eine Frostperiode gefolgt ist.

Die rund 6000 freiwilligen Helferinnen und Helfer des BUND Naturschutz (BN), unterstützt von Straßenbaubehörden, Gemeinden und Landschaftspflegeverbänden mussten nun den Aufbau der Zäune in kürzester Zeit erledigen. Denn auf dem Weg zu den Laichgewässern droht der Tod auf der Straße. Die bayernweite Aktion rettet jährlich 500 000 bis 700000 Amphibien das Leben. Weitere Helferinnen und Helfer sind willkommen. Der BN bittet Autofahrer um erhöhte Aufmerksamkeit.

Mit den ersten warmen Tagen und frostfreien Nächten machen sich die Amphibien in den Abend- und Nachtstunden auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Ab einer nächtlichen Temperatur von circa 5 ° C und insbesondere bei regnerischem Wetter sind die fortpflanzungsbereiten Tiere dann massenweise unterwegs.

Ehrenamtliche Aktive unterwegs

Deshalb sind in den nächsten Wochen wieder die ehrenamtlich Aktiven des BUND Naturschutz an Straßenrändern unterwegs, kontrollieren jeden Abend und oft auch morgens die Fangzäune und bringen die eingesammelten Tiere sicher auf die andere Straßenseite.

„Bis Ende April muss man auf unseren Straßen mit den Amphibien rechnen und mit Menschen, die zu deren Schutz in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind“, so Josef Guttenberger, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Neumarkt.

Im Kreisgebiet befinden sich Amphibienzäune bei: Deining, Pirkach, Meilenhofen, Mühlbach, Burggrießbach, Unterrohrenstadt, Mauertsmühle, Frickenhofen, Danlohe, Weichselsteinweg (Landesbund für Vogelschutz), Erbmühle und Daßwang.

Josef Guttenberger wünscht sich, dass die Krötenrettung im Landkreis an all diesen Strecken auch in Zukunft weiter geht: „Über die Jahrzehnte konnten wir zigtausende Kröten und Frösche vor dem Verkehrstod retten. Allerdings kommen viele Helferinnen und Helfer in die Jahre. Wir hoffen, dass es überall gelingt, dass die Betreuung der Zäune auch von Jüngeren übernommen wird.“

Kraftvoll schwingt Katharina Schneider auch bei Pirkach den Hammer und schlägt eine Halterung nach der anderen in den Boden – der Froschzaun steht. Im Abstand von jeweils zwei Metern braucht es diese Befestigung, damit der rund 400 Meter lange Zaun hält und nicht einknickt.

Norbert Schneider, Siegbert Heinrich, Ulrich Ridil, Michael Schneider und Stilla Schmitt helfen beim Aufbau des Krötenzauns. Heuer konnten sie erstmals nach 26 Jahren einen nagelneuen Zaun aufstellen.

Im Frühjahr 1992 rief Katharina Schneider das „Projekt Amphibienzaun“ in Pirkach ins Leben. Milde Temperaturen und Regenwetter locken die Molche, Kröten und Frösche aus ihren Winterverstecken ans Tageslicht. Sie haben im Wald oberhalb von Pirkach überwintert und machen sich über die Äcker auf den Weg zu ihrem Laichgewässer gegenüber, um sich fortzupflanzen. Dazu müssen sie allerdings die dazwischen liegende Gemeindestraße überwinden – und das endet für viele tödlich. Die Tiere sind vor allem nachts und in der Morgen- und Abenddämmerung unterwegs. Hinter dem entlang der Straße angebrachten Amphibienzaun haben die Helfer etliche Eimer eingegraben, in denen sich die Kröten sammeln.

Jeden Morgen werden die Eimer über die Straße getragen, geleert und die Tiere gezählt. Dadurch rettet das Pirkacher Helferteam alljährlich zwischen 1200 und 3700 Fröschen, Kröten und Molchen das Leben. Insgesamt dürften es schon über 40 000 Amphibien gewesen sein, die durch den Einsatz der Pirkacher Naturfreunde in den letzten 26 Jahren vor dem sicheren Tod bewahrt wurden.

Froschzaun hatte ausgedient

Katharina Schneider organisierte den ersten Zaun 1992 über den Bund Naturschutz und baute diesen seitdem alljährlich mit ihren Helfern aus Pirkach an der Gemeindestraße nach Batzhausen auf. Nach nunmehr 26 Jahren hatte der alte Froschzaun endgültig ausgedient. Er war löchrig und lädiert, auch das ständige Ausbessern half nichts mehr. Guttenberger vom Bund Naturschutz begleitet das Projekt und brachte einen neuen Krötenzaun nach Pirkach. Der Preis dafür beträgt sieben Euro pro laufenden Meter plus Mehrwertsteuer. Der Bund Naturschutz übernimmt 40 Prozent der Kosten. Die Gemeinde Deining beteiligt sich mit 60 Prozent. Bürgermeister Alois Scherer dankte Katharina Schneider und ihrem Helferteam für die investierte Zeit und das ehrenamtliche Engagement. Es sei wichtig, dass die Autofahrer vorsichtig und langsam fahren.

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