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Geschichte

Zeitzeuge rüttelte im WGG Schüler auf

Rainer Schneider mahnte seine Zuhörer, so etwas wie die DDR nicht nochmal passieren zu lassen.

Rainer Schneider nahm kein Blatt vor den Mund – seine Geschichte machte viele sprachlos.

Neumarkt. Als Rainer Schneider die Seiten eines Kinderbuches vor den Augen der Schüler durchblätterte, ging ein entsetztes „Ohh“ durch den Raum. Ein Schüler murmelte das Wort „krass“ vor sich hin. Denn das, was der Dozent mit seinem thüringischen Dialekt hier präsentierte, war ein Buch voller Panzer, Kampfflieger, Waffen und militärischen Abzeichen. Als Rainer Schneider noch ein Kind war, gab es dieses Buch in vielen Handlungen – und es war nur eines von vielen. Rainer Schneider ist ein Zeitzeuge einer Diktatur, die heute von vielen verklärt wird, wie er sagt. Der gebürtige Erfurter erzählte von der DDR – der Deutschen Demokratischen Republik.

Auch Rainer Schneider ist einer, der eine damals eine dicke Akte beim Ministerium für Staatssicherheit füllte. Auch Schneider wollte dem Unrechtsstaat fliehen. Damals, so sagte er den Schüler, sei er noch naiv und blauäugig gewesen, als er am 13. Februar 1972 bei ein paar Bieren im Gasthof sich einem Freund anvertraute. Doch schon am Valentinstag darauf, wusste die Geheimpolizei bescheid. Wenige Tage später saß er im bereits im Gefängnis – und sollte erst neun Monate später seine Freundin wieder in die Arme nehmen können.

Der Mann, der am Dienstag im Mehrzweckraum des Gymnasiums mit drastischen Worten die Schüler immer wieder fassungslos macht, sieht seine Geschichten aber eher als Randnotiz in seinen Vorträgen. Immer wieder läuft der Mann in Anzug und Krawatte durch die Gänge und mahnt seine Zuhörer, so etwas nicht wieder geschehen zu lassen. Denn nach dem Mauerfall seien die Spitzel der SED nicht verschwunden. Denn viele säßen auch heute noch in Kommunal- und Landesparlamenten – und im Bundestag.

Dabei prangt hinter ihm an der Wand der Projektion des Beamers, auf der er als Heranwachsender mit Häftlingsnummer 483538 zu sehen. Damals war er so alt, wie die Schüler die heute vor ihm sitzen.

Schneider ist nach Neumarkt gekommen, weil WGG-Lehrer Dr. Thomas Kraus seinen Schülern jüngste deutsche Geschichte anhand eines Verfolgten klarmachen wollte. Denn der Unrechtsstaat DDR werde zunehmend verharmlost, so Kraus.

Drei Vorträge hat Rainer Schneider an diesen Tag in der Schule gehalten. Sein Bericht zeigte Wirkung: „Zwar kannte ich vieles schon, aber eine Stasi-Akte zu sehen war wirklich interessant“, sagt Dominik Seidel nach dem Vortrag. Das kann auch sein Mitschüler Florian Häberlein bestätigen, der allerdings damit hadert, dass die Gefahr seines solchen Regimes immer noch da sei. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Eigentlich dürfte so etwas doch nicht mehr möglich sein.“

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