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Glaube

Abgründe des Lebens Thema im Ölbergspiel

Bei der ersten Dietfurter Aufführung ermunterte ein Franziskaner-Vikar die Gläubigen zur Zuversicht auch in schweren Stunden.
Von Hans Gleisenberg

Lukas Neger sang auf der neugestalteten Bühne den Part des Engels.Foto: Gleisenberg
Lukas Neger sang auf der neugestalteten Bühne den Part des Engels.Foto: Gleisenberg

Dietfurt.„Ölberg ist überall, aber jeder muss seinen eigenen Ölberg finden und für sich besteigen“, so der Guardian der Dietfurter Franziskaner, Johannes Matthias. Weiter gab er in seiner Begrüßung zur ersten Ölbergandacht in diesem Jahr seiner Freude Ausdruck, dass wieder einmal so viele den Weg in die Klosterkirche gefunden haben: „Viele Gläubige verbinden Dietfurt explizit mit diesem kirchlichen Ereignis, das sich über die Jahrhunderte erhalten hat und das sich ins Bewusstsein der Menschen geprägt hat“, sagte der Geistliche weiter.

Gottvertrauen als Überschrift

Sein besonderer Gruß galt Provinzialvikar Franz Josef Kröger, Franziskaner, aus München, der die erste Predigt in der neuen Ölbergspiel-Zeit hielt. Die Klosterkirche war, dem Brauch gerecht, abgedunkelt und hatte so eine unverwechselbare Atmosphäre. „Mir nach, spricht Christus“ wurde zum Auftakt der Ölbergandacht gemeinsam gesungen. Der Provinzialvikar stellte seine Gedanken anschließend unter das Leitwort „Angst und Gottvertrauen“. Er begann mit einem Zitat des im französischen Burgund wirkenden und dort ermordeten Priors von Taize, Roger Schütz, der den Satz geprägte hatte: „Um das Leben bestehen zu können, muss man auch die Abgründe des Daseins bewohnbar machen“. Weiter ging der Vikar auf das Leben und Sterben ein. Zu Lebzeiten sei es gut, mit Gott unterwegs zu sein, denn Gott biete eine Weggemeinschaft an, die von großem, gegenseitigem Vertrauen geprägt sei. Vertrauen sei auch die Grundlage für das, von einigen Propheten zum Ausdruck gebrachte Liebesverhältnis zwischen Gott und den Menschen, führte Kröger aus. „Doch auch die Abgründe gehören zum Leben und diese sollten ebenso angenommen und überstanden werden, denn jeder sollte sich im Klaren sein, dass man nie tiefer fallen könne als in Gottes Hände“.

Er machte dies am Leiden und Sterben Christi fest: „Auch Jesus hatte Angst vor dem Tod, doch das Vertrauen zum Vater gewann letztlich die Oberhand, was in seinen letzten Worten zum Ausdruck kam: ‚Vater in deine Hände lege ich meinen Geist’“. Doch nicht nur in Zeiten von Krisen sollte man sich im Gebet an Gott wenden und um dessen Hilfe bitten. „Was ist das für ein Glaube, wenn ich mich nur an Gott wende, wenn mir Wünsche erfüllt werden sollen? Glaube heiße aber auch, auf die Zusage Gottes zu hoffen“.

Viel Gelächter am Sterbebett

Vikar Kröger erinnerte sich dabei an eine Krankensalbung, die statt des üblichen Prozederes zu einem humorvollen Gespräch wurde und für ihn seither ein unvergessliches Erlebnis darstellt: „Die schwerkranke Dame erzählte gut 20 Minuten von ihrem Leben und es gab an ihrem Sterbebett viel zu Lachen. Als ich mich verabschiedete, sagte sie: ‚Nun bin ich erleichtert und wenn es Gott gefällt, so kann er mein Leben zurückholen’. Für mich ist das bis heute die Bestätigung für ein Leben im Glauben, bei dem kein Absturz am Ende steht.“ Umso mehr träfen die Worte des sterbenden Jesus am Kreuz – „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“ – zu, sagte Prediger Kröger zum Abschluss seiner Ausführungen.

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