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Politik

Ärger um Koll in Neumarkts Stadtrat

Der 25-Jährige will in den Stadtrat nachrücken. Seinen Wechsel zur Bayernpartei hat die SPD aber nicht vergessen.
von Wolfgang Endlein

Alexander Koll von der Bayernpartei ist wohl der neue Stadtrat, der auf den verstorbenen Sozialdemokraten Karl-Heinz Brandenburger nachfolgt. Foto: Koll
Alexander Koll von der Bayernpartei ist wohl der neue Stadtrat, der auf den verstorbenen Sozialdemokraten Karl-Heinz Brandenburger nachfolgt. Foto: Koll

Neumarkt.Was Karl-Heinz Brandenburger von der ganzen Sache hielte? Man wird es nie erfahren. Anfang April war das SPD-Urgestein im Neumarkter Stadtrat verstorben. Seither ist sein angestammter Platz, vorne rechts in den Reihen der Genossen leer. Am Donnerstag soll der Stadtrat diesen Zustand beenden und einen Nachfolger für Brandenburger wählen. Dabei ist aber Ärger vorprogrammiert.

Die MZ berichtete im April auch über den Tod und die Beerdigung von Karl-Heinz Brandenburger. Hier geht es zum Artikel.

„Innerlich grummelt es natürlich“, sagt Ursula Plankermann, die Fraktionsvorsitzende der SPD, die bald sehr wahrscheinlich einen Stadtrat weniger haben wird. Denn als Nachrücker für Brandenburger steht Alexander Koll parat. Einst selbst Genosse war er 2017 zur Bayernpartei gewechselt. 2014 war er noch für die SPD bei der Stadtratswahl angetreten und hatte so viele Stimmen geholt, dass er nun als erster Nachrücker für Brandenburger in Frage kommt.

SPD-Stadtrat Karl-Heinz Brandenburger war im April verstorben. Foto: Martina Gentele-Höllerl
SPD-Stadtrat Karl-Heinz Brandenburger war im April verstorben. Foto: Martina Gentele-Höllerl

Über den Wechsel von Alexander Koll von der SPD zur Bayernpartei berichtete die MZ in diesem Artikel.

Das ist so nun auch von der Stadtverwaltung und Leitendem Rechtsdirektor Jürgen Kohler bestätigt. Der 25-Jährige sei gemäß Artikel 37 des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes als Listennachfolger anzuerkennen. Zuvor hatte es Mutmaßungen gegeben, dass der inzwischen bei Nürnberg lebende Koll das Amt wegen seines Wegzugs nicht übernehmen dürfe. Koll hatte hingegen mit Artikel 21 des besagten Gesetzeswerkes argumentiert, in dessen Absatz drei es heißt, dass auch jener wählbar ist, der „sich im Wahlkreis gewöhnlich aufhält“. Koll arbeitet nach eigener Aussage als Bäcker in Neumarkt.

Im Streit von der SPD gegangen

Nach einigen Monaten steht nun also fest: Kolls Berufung durch den Stadtrat steht von rechtlicher Seite nichts im Weg. Der Stadtrat muss der Berufung allerdings zustimmen. Doch was passiert, wenn keine Mehrheit der Räte der Berufung zustimmt? „Auf rechtmäßige Weise kann er sich dem nicht entziehen“, erklärt Stadtsprecher Dr. Franz Janka zu dem wohl doch nur sehr theoretischen Szenario. Wie die Rechtsaufsicht am Landratsamt dies einschätzt, war am Montag auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Mehr zu Alexander Kolls politischen Ansichten lesen Sie hier:

Alexander Kolls politische Ansichten

  • Kernthemen:

    Er sei ein sozialer Mensch, sagt Koll. Daher könne er beispielsweise dem Antrag von FLitZ für mehr Sozialwohnungen nur zustimmen. Als bekannter Musiker ist ihm auch die Kultur ein wichtiges Anliegen.

  • Ganzjahres:

    Dem Großprojekt habe er anfangs skeptisch gegenüber gestanden, sagt Koll. Skepsis sei immer noch da, auch wenn die Zahl der Parkplätze jüngst durch die Stadt weiter aufgestockt worden sei.

  • Hochschule:

    Er verstehe das Argument, das Hochschulen Sache des Freistaats seien, sagt Koll. Das durch die Stadt kräftig mitfinanzierte Projekt hält er dennoch für richtig. Es sei für das Ansehen Neumarkts sehr gut.

Vier Gegenstimmen soll es aber auf jeden Fall geben, wenn es nach Ursula Plankermann geht. Sie wolle bei den SPD-Stadtratskollegen Gertrud Heßlinger sowie Günther und Gisela Stagat den Konsens durchsetzen, dass man nicht nur mit Nein stimme, sondern auch aus Protest den Saal verlasse. Der Abgang von Koll hat bei ihr Spuren hinterlassen. „Das war eine unschöne Geschichte, das nehme ich ihm übel“, sagt Plankermann. Dass sie die „bittere Pille“, wie sie es nennt, schlucken muss, damit hat sich Plankermann indes schon abgefunden.

Ursula Plankermann ist die Fraktionschefin der SPD im Neumarkter Stadtrat. Foto: Gaupp
Ursula Plankermann ist die Fraktionschefin der SPD im Neumarkter Stadtrat. Foto: Gaupp

Derjenige, um den es geht, sieht die Angelegenheit recht entspannt, auch wenn Alexander Koll vor der Sitzung am Donnerstag sagt: „Natürlich ist man etwas aufgeregt“. Die Stimmen aus der SPD stören ihn hingegen wenig. Er verstehe, dass es einigen in der SPD sauer aufstoße, aber: „Die Stadtratswahl ist zu allererst eine Personalwahl“. Der 25-Jährige sieht sich daher als rechtmäßiger Nachrücker in den Stadtrat.

Wo sitzt Alexander Koll?

Über das danach hat sich Koll indes noch keine großen Gedanken gemacht, wie er sagt. Zunächst einmal müsse er berufen und, sollte dies der Fall ein, in der Juli-Sitzung des Stadtrats vereidigt werden. Danach werde man sehen.

Für das politische Ehrenamt eines Stadtrats sieht sich Koll durchaus gerüstet. Er habe sich schon immer für die Stadtpolitik interessiert und verfolge diese seit langem. Die Bayernpartei sei auf kommunaler Ebene sehr aktiv und habe schon einige Stadt- und Gemeinderäte. „Ich habe daher einige Personen in meinem Umfeld, die mich beraten können“, sagt der 25-Jährige.

Vielleicht lässt sich Koll dann auch bei einer ganz praktischen Frage beraten, nämlich jener nach seinem künftigen Sitzplatz im Gremium. Denn auf dem bisherigen Stuhl von Karl-Heinz Brandenburger inmitten der Genossen wäre er wenig wohl gelitten, wie Ursula Plankermann sagt. Aber auch das sieht Koll gelassen. Ein Platz werde sich schon für ihn finden – wenn er denn zum Stadtrat berufen werde.

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