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Rechtskolumne

Ärger um sehr private Fotos

Eigentlich hat jeder das Recht am eigenen Bild – doch für Promis gibt es manchmal eigene Spielregeln.
von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Harry und Meghan sind bei Paparazzi derzeit sehr beliebt. Dies ist aber ein Bild von ihrem offziellen Fotoshooting zur Verlobung. Foto: Lipinski/dpa
Harry und Meghan sind bei Paparazzi derzeit sehr beliebt. Dies ist aber ein Bild von ihrem offziellen Fotoshooting zur Verlobung. Foto: Lipinski/dpa

Neumarkt.Jetzt mal ganz ehrlich: Gehören Sie auch zu denen, die zugeschaut haben? Bei der Hochzeit, meine ich. Megan und Harry! Sie müssen sich nicht dafür schämen. Angeblich haben es ungefähr zwei Milliarden andere auch gemacht. Menschen sind einfach von Grund auf neugierig. Vor allem, wenn es um andere Menschen geht. Ohne unsere Neugier gäbe es so was wie Boulevardzeitungen gar nicht. Und ohne die gäbe es keine Paparazzi. Sie wissen schon, diese Fotografen, die bei Ereignissen wie der royalen Hochzeit Schnappschüsse von berühmten Leuten in Momenten machen, die die gerade am allerwenigsten verewigt haben möchten.

Erwischen können die Paparazzikameras eigentlich jeden. Einzige Voraussetzung: Sie müssen prominent sein, oder wenigstens mit jemand Prominentem ertappt werden. Die Promis finden das angeblich übrigens gar nicht so toll, ungefragt abgebildet zu werden! Die Zeitschrift „Freizeit Revue“ zum Beispiel veröffentlichte im Jahr 2006 die Schlagzeile: „Nach 18 Jahren heiratete er seine Thea – Günter Jauch – Warum wollte er sein Glück nicht mit seinen Fans teilen?“

Thea Sihler-Jauch hatte sicher ihre Gründe, diesen Moment privat zu genießen und freute sich umso weniger, ihr Hochzeitsfoto trotzdem, dank Freizeit Revue, mit den Fans ihres Mannes zu teilen. Sie war so wütend, dass sie das OLG Köln um Hilfe bat und die sagten: 15 000 Euro Schmerzensgeld für Günthers Thea! Wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte (Az. 15 U 163/08).

Klingt doch gut, oder? Aber reden sie lieber nicht mit Heide Simonis darüber. Sie erinnern sich noch an die frühere Ministerpräsidentin aus Schleswig? Irgendwann wollte die raus aus dem Rampenlicht und schmiss am 27. April 2005 spektakulär hin. Am 28. April erschienen prompt Fotos von der roten Heide bei „Bild“ unter dem Titel: „Danach ging Heide erstmal shoppen“. Dazu ein Paparazzo-Foto von Frau Simonis in einem Einkaufszentrum. Dass ist doch privat! So klagte Heide Simonis laut und bis zum BGH. Doch die obersten Bundesrichter befanden: Nein, die einkaufende Ex-Landeschefin ist ein „Bildnis der Zeitgeschichte“ und darf deshalb auch im Supermarkt gezeigt werden. Jedenfalls am Tag nach ihrem Abgang (Az. VI ZR 156/06).

„Turtelnd und verliebt im Urlaub“. Über die dazu im Jahr 2005 abgebildeten Fotos mit Partner auf Sardinien freute sich die frühere Bundes-Badenixe Franziska van Almsick so wenig, dass sie nicht nur erfolgreich eine Unterlassungserklärung von den Paparazzi holte, nein – sie wollte, dass der BGH diesen Leuten ein für alle Male verbietet, überhaupt jemals wieder irgendwelche Privatfotos von ihr zu veröffentlichen. Bis in alle Ewigkeit.

Wiebitte? Das geht nun wirklich nicht! Fand jedenfalls der BGH. Nie mehr Franzi? Und wenn es mal wahnsinnig spannend wird in ihrem nächsten Urlaub? Das ist einfach zu wichtig für den Fortbestand der Menschheit! Ob solche Momente privat bleiben dürfen, das muss in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen werden, entschieden die Richter und wiesen mit dieser Begründung die Klage ab (Az. VI ZR265/06).

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