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Aiwanger zeigte sich attackierfreudig

Bayerns Wirtschaftsminister nahm sich beim Landfrauentag des Landkreises Neumarkt „Neunmalkluge“ wie Tierschützer vor.
Von Lothar Röhrl

Wirtschaftsminister Aiwanger (2.v.r.) und Finanzminister Füracker (4.v.r.) erwiesen den mit dem „Silbernen Herz“ geehrten Vertretern der 153 Feuerwehren im Kreis – Kreisbrandrat Jürgen Kohl (3.v.r.) und Frauenbeauftragte Monika Zang (2.v.l.) – genauso die Ehre wie Kreisbäuerin Sieglinde Hollweck (4.v.l.), deren Stellvertreterin Rita Götz (l.), Bauernverband-Kreisvorsitzender Michael Gruber (r.) taten und Hausherr, Bürgermeister Horst Kratzer (3.v.l). Foto: Lothar  Röhrl
Wirtschaftsminister Aiwanger (2.v.r.) und Finanzminister Füracker (4.v.r.) erwiesen den mit dem „Silbernen Herz“ geehrten Vertretern der 153 Feuerwehren im Kreis – Kreisbrandrat Jürgen Kohl (3.v.r.) und Frauenbeauftragte Monika Zang (2.v.l.) – genauso die Ehre wie Kreisbäuerin Sieglinde Hollweck (4.v.l.), deren Stellvertreterin Rita Götz (l.), Bauernverband-Kreisvorsitzender Michael Gruber (r.) taten und Hausherr, Bürgermeister Horst Kratzer (3.v.l). Foto: Lothar Röhrl

Postbauer-Heng.Gleich zwei Minister aus dem bayerischen Kabinett werteten am Freitag den diesjährigen Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in der Mehrzweckhalle Postbauer-Heng auf. Zum einen war das Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der Vertreter des Ministerpräsidenten und Freie Wähler-Landeschef nutzte seine Gastrede zur Abrechnung mit allen, welche die konventionelle Landwirtschaft ins Visier von Reden, Aktionen und dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ genommen haben und noch nehmen.

Zum anderen zeigte sich Aiwangers CSU-Kabinettskollege Albert Füracker (Finanzminister) sehr einverstanden mit dessen Rede. Beide Minister erwiesen den Vertretern der 153 Feuerwehren im Landkreis Neumarkt bei einer besonderen Ehrung ihre Aufwartung.

Kontra den „Neunmalklugen“

Hubert Aiwanger stellte als Gastredner der von rund 500 Frauen besuchten Veranstaltung fest, dass die Bäuerinnen „der Stabilitätsanker in dieser Gesellschaft“ sind. Seine frei gehaltene Rede richtete er weniger nach dem Motto des Landfrauentages „Region gestalten“ aus. Aiwanger zog einen weiten Bogen der Kritik an „Neunmalklugen“. Dazu zählte er die Tierschützer, die unter anderem die Pferdeschau beim Neumarkter Jura-Volksfest verbieten möchten. Unverständlich sei ihm das Verbot zum Walzen von Wiesen ab Mitte März. Dafür hätten 1,8 Millionen Menschen beim Bienen-Volksbegehren unterschrieben. Viele davon wüssten nicht einmal, was eine Walze sei. Unter dem Applaus und Gelächter seiner Zuhörerinnen forderte Aiwanger, dass bei einem Walzverbot für Landwirte künftig auch „kein Hundehalter mehr mit seinem Fiffi durch die Wiese zu laufen“ habe. Dieses Beispiel zeige, dass heute nur noch Stimmungen bedient würden. Mit so etwas müsse sich die bayerische Staatsregierung herumschlagen. Ein Gegenmittel könne eine Praxiswoche für Schüler auf einem Bauernhof sein. Aiwanger bat die Landfrauen, dass für dieses Erlernen von „Alltagskompetenz“ genügend Höfe bereitgestellt werden.

Rund um den Landfrauentag 2020

  • Königlicher Besuch:

    Es gibt eine Bayerische Kartoffelkönigin und eine bayerische Weizenkönigin. Das war eine der Erkenntnisse für die rund 600 Besucherinnen. Die eine heißt Stephanie Brüderle. Sie kommt aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Blondine regiert seit vergangen Juli und steigt im nächsten Juli vom Thron. Die andere heißt Maria Breitsameter und stammt aus dem Kreis Pfaffenhofen an der Ilm.

  • Weitere Ehrungen:

    Zum einen zeichneten Bezirksbäuerin Rita Blüml und Kreisbäuerin Sieglinde die „Unternehmerin des Jahres“, die Ziegenhof-Bäuerin Maria Deß (Richthof), aus. Zum anderen wurden Sängerinnen des Landfrauen-Chores (Leitung: Theresia Hierl) geehrt: Maria Holfelder (Neumarkt-Karhof) für 40 Jahre Mitgliedschaft, Maria Deß für 30 Jahre und Berta Heinloth (beide Röckersbühl) für 25 Jahre. (lr)

Nichts hielt Aiwanger von der Freigabe von Drogen. Gerne würde er es sehen, dass möglichst auf allen Dächern Photovoltaikanlagen erlaubt würden. Das helfe auch, den Flächenverbrauch in Bayern auf den seiner Meinung nach anzustrebenden Wert fünf Hektar am Tag zu senken. Mut mache ihm, dass sich bei der Bevölkerung langsam ein Bewusstseinsmangel auf den Weg mache. Das gelte etwa für die Energiewende mit der Betonung von Bürger-Windanlagen und dem wieder vermehrten Verbrennen von Holz in Scheitholzöfen – auch wenn sich „Öko-Extremisten“ dagegen sperrten.

Einen Bilderbogen über den Landfrauentag sehen Sie hier:

In Postbauer-Heng fand der Landfrauentag 2020 stat

Überhaupt greife ein Besinnen zurück auf das um sich, was der Großvater vor 50 Jahren für richtig gehalten habe. Daher seien er und Kollege Füracker bereit, sich vor die Landwirte zu stellen. Denn es zeige sich, dass der Mensch von heute Sehnsucht nach der heilen Welt habe. Das sei vor allem bei jenen so, die „wegen zu wenig Freilauf in ihrer Kindheit schlicht zu wenig artgerecht aufgewachsen sind“.

Ein Dank an 7850 Feuerwehrler

Zwei Schafe, die die Veranstalter hinter das Rednerpult (hier mit Minister Aiwanger) platziert hatten, waren die heimlichen Stars der Veranstaltung. Foto: Lothar Röhrl
Zwei Schafe, die die Veranstalter hinter das Rednerpult (hier mit Minister Aiwanger) platziert hatten, waren die heimlichen Stars der Veranstaltung. Foto: Lothar Röhrl

Neben grundsätzlichen Gedanken ging es bei diesem Landfrauentag auch um die Ehrung aller Feuerwehren im Landkreis Neumarkt. Insgesamt gebe es laut Kreisbäuerin Hollweck 153 mit 7850 Aktiven. Darunter sind derzeit 1237 Frauen. Deren Tendenz sei steigend. Das gelte auch für den Nachwuchs. Unter den 1250 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren wurde 2019 ein Anteil an Mädchen von 37 Prozent registriert.

Zur großen Familie der Feuerwehren gehörten mittlerweile sieben Frauenbeauftragte wie Monika Zang aus Mühlhausen. Zang wurde ebenso geehrt wie der seit 1. August als Kreisbrandrat ehrenamtlich tätige Jürgen Kohl aus Seubersdorf. Den Preis „Silbernes Herz“ sollten alle Mitglieder der Feuerwehren als ihren Preis verstehen, meinte Hollweck. Die Landfrauen dankten damit für deren Einsatzbereitschaft bei Tag und Nacht an 365 Tagen im Jahr. 2019 habe es laut Statistik fünf Einsätze pro Tag gegeben. Insgesamt wurden kreisweit 1736 registriert.

Zuvor hatte Sieglinde Hollweck betont, dass sich Landfrauen getreu dem Motto „Region gestalten“ mit Herzblut für diese einsetzen. Sie würden auch dem Bedürfnis der Konsumenten nach transparent hergestellten Lebensmitteln entsprechend arbeiten. Wie Hollweck betonte auch Landrat Gailler, dass der Kreis Neumarkt stark ländlich dominiert sei. Zunehmend wollten Menschen auf dem Land leben.

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