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Albert-Reich-Straße wird umbenannt

Der Bausenat hat einstimmig beschlossen, die nach dem Hitler-Propagandisten benannte Straße umzubenennen.
Von Nicole Selendt

Neumarkt.Eigentlich ist sie nur eine kleine Nebenstraße, doch lange wurde über sie gestritten – oder besser: über ihren Namen. Doch jetzt bekommt die Albert-Reich-Straße in Neumarkt – benannt nach dem „verhängnisvollen Förderer des Nationalsozialismus“, wie es auf dem dazugehörigen Erklärschild heißt – einen neuen Namen. Der Bausenat stimmte am Donnerstag einem entsprechenden Antrag der Freien Liste Zukunft (FLitZ) einstimmig zu. Wie die Straße in Zukunft heißen soll, wird der Bausenat in einer der kommenden Sitzungen beschließen.

Damit ist eine Auseinandersetzung beendet, die den Bausenat schon seit 2004 immer wieder beschäftigt hat. In diesem Jahr wurde erstmals über einen Antrag zur Umbenennung der Straße entschieden. FLitZ, SPD und Grüne hatten sich dafür stark gemacht.

Buch bewirkte ein Umdenken

Damals wie heute war von einem „Schandfleck“ die Rede. Und die FLitZ machte in ihrem Antrag noch einmal deutlich: „Albert Reich hat wegen seiner maßgeblichen Mittäterschaft im Dritten Reich weder Würdigung noch ehrendes Andenken verdient.“ Doch immer wieder waren Anträge auf eine Umbenennung im Bausenat am Widerstand der CSU gescheitert. Auch die Anwohner sprachen sich vehement dagegen aus – so wie OB Thomas Thumann, der 2006 ebenfalls noch gegen eine Umbenennung war.

Heute, im Herbst 2010, sieht die Situation anders aus: CSU und UPW haben ihre Meinung geändert. Grund sei das am Dienstag offiziell vorgestellte Buch „Neumarkt im Nationalsozialismus 1933 bis 1945“ gewesen. Die Autoren Dr. Markus Urban und Katrin Kasparek geben darin eine klare Empfehlung, der Albert-Reich-Straße einen anderen Namen zu geben.

SPD-Stadträtin Ursula Plankermann betonte am Donnerstag in der Bausenatssitzung, wie wichtig es sei, dass die Geschichte Neumarkts durch diese historische Aufarbeitung wieder in das Bewusstsein der Bürger gerückt worden ist: „Wir müssen uns mal wieder klar werden, dass Neumarkt im Nationalsozialismus nicht die Insel der Glückseligkeit war.“ Deswegen werde es Zeit, diesen Namen von der Landkarte der Stadt endlich zu tilgen, bekräftigte sie ihren Standpunkt.

Keine Kosten für die Anwohner

CSU-Fraktionsvorsitzender Werner Thumann regte an, die Geschichte Neumarkts nicht nur mit der Umbenennung der Albert-Reich-Straße aufzuarbeiten. Die Stadt könne auf den neuen Erkenntnissen der Buchautoren aufbauen und beispielsweise pädagogische Konzepte für die Schulen entwerfen. Auch Hinweisschilder mit Erklärungen an den im Buch genannten Orten schlug Thumann vor.

Kosten würden den Anwohnern der Albert-Reich-Straße durch die Umbenennung so gut wie keine entstehen, versicherte Rechtsdirektor Jürgen Kohler. Für die Straßenschilder sei die Stadt zuständig, die Ummeldung im Einwohnermeldeamt erfolge automatisch und die Einträge im Grundbuch müssten nicht verändert werden. Diese würden sich nicht an Straßennamen orientieren, sondern an Flurnummern. Das einzige, worum sich die Anwohner selbst kümmern müssten, seien die Meldungen der Änderung an Versicherung, Banken und sonstige Firmen und Behörden, mit denen man in Kontakt sei, sagte Kohler – und die kosten nur die Briefmarke für die Sendung.

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