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Interview

„Alle möchten sauberes Wasser“

Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Lammsbräu, findet, dass der Mensch der Natur zu oft ins Handwerk pfuscht.
von Bettina Dennerlohr

Dr. Franz Ehrnsperger Foto: Distler
Dr. Franz Ehrnsperger Foto: Distler

Neumarkt.Herr Dr. Ehrnsperger, die Lammsbräu hat eine Veranstaltung zum Thema „Grundwasserschutz geht uns alle an“ organisiert. Sehen Sie unser Grundwasser denn gefährdet?

Das kann man ganz klar mit ja beantworten. Und nicht nur ich: Schon heute stuft das Umweltbundesamt über ein Drittel der deutschen Grundwasserkörper als chemisch bedenklich ein. Außerdem klagt die EU-Kommission derzeit gegen Deutschland, weil wir nach Malta die höchste Nitratbelastung im Grundwasser haben und zu wenig dagegen tun. Da man diese Stoffe anders als zum Beispiel Kalk aber nicht sehen kann, ist der breiteren Öffentlichkeit das Problem leider oft nicht bewusst. Manche beruhigt auch das Argument, dass zumindest einige dieser Giftstoffe mittels Aufbereitungsverfahren aus dem Grundwasser entfernbar sind.

Es ist dann aber kein Naturwasser mehr...

Nein, dann ist es mechanisch oder chemisch verarbeitet. In der Lebensmittelwirtschaft gibt es normalerweise den ehernen Grundsatz, dass ein kontaminiertes Lebensmittel nicht mehr verwendet werden darf. Bei Wasser ist es dagegen gang und gäbe, dass belastetes Wasser entweder aufbereitet oder solange mit unbelastetem Wasser vermischt wird, bis die vorgeschriebenen Grenzwerte erreicht sind.

Glauben Sie, dass es ein gesellschaftliches Bewusstsein für den Grundwasserschutz gibt?

Grundsätzlich ja. Alle möchten sauberes Wasser und jeder hat das Grundbedürfnis, sich gut zu ernähren. Aber das Thema ist sehr komplex und es gibt viele neue Stoffe, die das Grundwasser gefährden können. Ein Beispiel: Die Industrie entwickelt permanent chemische Hilfsstoffe wie das jetzt zum Beispiel in Altötting auch im Leitungswasser vorkommende PFOA, die in der Natur normalerweise nicht vorkommen und für die sie keine Reinigungssysteme hat. Deshalb reichern sie sich an. Und selbst wenn Chemikalien abgebaut werden können, sind deren Abbauprodukte sogar oft giftiger, als es die ursprüngliche Substanz gewesen wäre.

Und das berührt die Menschen nicht?

Das ist vielen Menschen nicht unbedingt bewusst. Wenn man darauf aber aufmerksam macht, dann stellen die meisten die berechtigte Frage, ob es eigentlich sinnvoll ist, dass wir das Wasser erst mit solchen Giften verpesten und dann versuchen, es mit wahnsinnigen Kosten und noch mehr Chemie aufzubereiten, statt uns von vorne herein an die Regeln der Natur zu halten. Aber manchen Menschen ist der Geldbeutel leider das empfindlichste Organ und jetzige Gewinne wichtiger als die dicke Rechnung später, die im Zweifel andere bezahlen.

Sind Verbraucher denn Ihrer Erfahrung nach dazu bereit, mehr zu bezahlen, wenn dadurch das Wasser geschützt würde?

Sie sind dazu bereit, wenn das Lebensmittel sicher und das Konzept dahinter sinnvoll ist. Außerdem muss der Verbraucher eine Kontrollmöglichkeit haben und zum Beispiel jederzeit nachprüfen können, ob der Lebensmittelhersteller die Standards einhält, zu denen er sich verpflichtet hat.

Kann der Grundwasserschutz Ihrer Meinung nach nur regional gelingen?

Letztendlich muss er überregional gelingen, um die Situation des Wassers in Deutschland insgesamt zu verbessern. Aber jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt und gerade im regionalen Umfeld kann man viel erreichen, indem man zum Beispiel benachbarte Landwirte vom Ökolandbau überzeugt und so den Gifteintrag in die Böden stoppt. Die Förderung des regionalen Ökolandbaus ist deshalb auch einer der Punkte, zu denen sich jeder Brunnen, der Bio-Mineralwasser abfüllen möchte, verpflichten muss. So erhält man mit jedem Bio-Mineralwasser-Brunnen ein kleines Wasserschutzgebiet mehr.

Wann haben Sie persönlich sich zum ersten Mal für die ökologische Landwirtschaft interessiert?

1980 habe ich beschlossen, die Lammsbräu auf Bio umzustellen. 1981 war Erwin Ehemann unser erster Biobauer. Ich wollte damals besseres Bier herstellen, aber natürlich auch die Brauerei erhalten. In den 70er- und 80er-Jahren waren die Kunstdünger groß in Mode – und auf einmal hatte die Braugerste viel mehr Eiweiß als früher. Es gab auch Diskussionen um das Reinheitsgebot, einige Brauer vertrauten auf Hilfsstoffe, um die Auswirkungen der Kunstdünger in den Griff zu bekommen. Meine Einstellung dazu: Nur mit besseren ökologisch erzeugten Rohstoffen bekommen wir bessere Lebensmittel – und nicht, wenn wir der Natur ins Handwerk pfuschen. Ich glaube, die Ökologie fasziniert jeden, der sich länger damit beschäftigt. Mich hat es schon immer beeindruckt, wie ausgeklügelt die Natur Mechanismen entwickelt hat und wie stümperhaft wir Menschen im Vergleich dazu vorgehen.

Lesen Sie mehr:

Alle Teile der MZ-Themenwoche zum Thema Verbraucher und Landwirtschaft finden Sie hier.

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