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Glaube

Altötting ist zum 333. Mal das Ziel

Noch nie fiel die Fußwallfahrt von Pilgern aus der westlichen Oberpfalz aus. Vorbereitungen für den Start am 11. Mai laufen.
Von Lothar Röhrl

  • Unser Bild zeigt die Pilgerleitung der „Günchinger Gruppe“ bei der Verabschiedung der Wallfahrer mit Pfarrer Jan Lamparski. Traditionell geschieht dies an der Marienstatue in der Ortsmitte von Günching, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt dieser Gruppe. Archivfoto: Wolfgang Schön
  • Die Gruppen – hier die Leitung der Günchinger – bereiten sich schon auf das Ereignis mit der markanten Zahl heuer vor.Foto: Röhrl

Neumarkt.Es ist eine sagenhafte Zahl: Zum 333. Mal findet heuer die Oberpfälzer Fußwallfahrt nach Altötting statt. Das Bemerkenswerteste daran ist: Nach der auf ein Gelübde zurückgehenden Premiere im Jahr 1685 ist diese Wallfahrt noch nie ausgefallen. Daran änderte nicht einmal der Zweite Weltkrieg etwas. Die Wallfahrt heuer findet vom 11. beziehungsweise 12. bis 15. Mai statt.

Die Pilgergruppe Günching setzt sich nicht nur aus Wallfahrern der Günchinger Gegend zusammen. Viele kommen auch aus mehr oder weniger weit entfernten Orten in den Nachbar-Landkreisen, aus der Stadt Nürnberg und sogar aus dem Landkreis Donau-Ries. Die Gruppe wird vom Wallfahrtsführer Christian Weigert nach Altötting geleitet. Seine Stellvertreter sind Theo Dirnhofer und Johann Stigler. Auf der Wallfahrt 2017 waren gut 380 Pilger unterwegs. Ein Kennzeichen der Günchinger Gruppe ist, dass es keine festgelegte Reihenfolge gibt. So kann sich jeder Pilger dort einreihen, wo er will.

Reihenfolge mal locker, mal fest

Auch beim Daßwanger Zug kommen viele aus anderen Orten. Die Gruppe wird von den Pilgerführern Georg Schön und Georg Stephan nach Altötting geleitet. Ausgangspunkt der Wallfahrt ist die Kirche in Daßwang. Wie auch bei der Hemauer Gruppe gehen traditionell Männer und Frauen getrennt. In der Gruppe hat jeder Pilger und jede Pilgerin einen festen Platz, der in der Regel zu Beginn der Wallfahrt eingenommen wurde. Neu hinzukommende Wallfahrer können sich einreihen, sollten aber in den Tagen danach ihren Platz beibehalten. Auf der Wallfahrt 2017 waren über 260 „Daßwanger“ Pilger unterwegs. Etwas weniger (177) zählten 2017 zur Hemauer Gruppe. Markus Niedermeier, Dieter Schwarzfischer und Gerhard Schmid sind im Trio Pilgerführer.

Die Pilgergruppe aus Beilngries ist die mit dem größten Einzugsbereich. Hier nehmen Menschen aus den Regierungsbezirken Mittelfranken, Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz teil. Auf der Wallfahrt 2017 waren 540 Pilger unterwegs. Deren Pilgerleiter ist Richard Bögerl; seine Stellvertreter sind Josef Pickl und Jakob Mosburger. Übrigens: Bögerl ist aktuell Gesamtpilgerleiter im 2008 gegründeten Verein „Oberpfälzer Fußwallfahrt.“ Dieser vereinigt alle vier Gruppen.

Die Gruppen gehen nach einem festgelegten Fahrplan getrennt. So wird ein reibungsloser Ablauf etwa an den Orten mit Verpflegungsstation garantiert. Gemeinsam ist die Vorfreude auf das Finale: Rund 1400 Pilger plus einige hundert extra dazu Angereiste werden am Dienstag (heuer 15. Mai) vor Pfingsten um 10 Uhr am Altöttinger Franziskus-Haus beim Zusammenschluss aller vier Gruppen anwesend sein. Nach bis zu 178 Kilometern (gerechnet ab Günching) Wallfahrtstrecke ist der um 10.30 Uhr beginnende Festgottesdienst Höhepunkt.

Wert der Wallfahrt wird erkannt

Organisatoren wie Georg Schön aus Rasch – der Leiter der Daßwanger Gruppe war auch schon Gesamtpilgerleiter – wissen zwar, dass in den vergangenen Jahren gerade die Zahl der unter 25-Jährigen abgenommen hat. Seit acht Jahren nimmt Schön diesen Trend wahr. In den älteren Jahrgängen habe es auch Zuwachs gegeben. Schön merkt, dass in Zeiten der gestiegenen Popularität des Jakobswegs das Verständnis für eine Fußwallfahrt wie diese zugenommen hat. „Vergleichen darf man diese Wallfahrt mit dem Jakobsweg aber nicht, denn jede hat seine Eigenheit und Schönheit.“ Beiden gemeinsam sei aber der Wert, als Teilnehmer innere Einkehr zu erreichen.

Anlässlich der 333. Fußwallfahrt spüren die Spitzen der Günchinger Gruppe keine Abnutzungserscheinung. Im Gegenteil: „In der Organisation hat sich schon lange alles eingependelt“, stellte Wallfahrtsleiter Christian Weigert gegenüber der Mittelbayerischen fest. Trotz des seit vielen Jahren eingeübten, mitunter strammen Zeitplans mit Ansetzungen beispielsweise von zwei Stunden 50 Minuten für die 12,7 Kilometer am zweiten Tag von Maierhofen nach Kelheim oder von 2:35 Stunden am dritten Tag von Rohr (Startzeit: 3.50 Uhr!) ins 11,1 Kilometer entfernte Rottenburg gilt: „Das merkt man beim Beten und Singen nicht“, so Weigert.

Der Leiter der „Günchinger“ traf sich am Samstag mit dem Organisationsteam. Dabei gab es keine Probleme zu meistern. Die Entscheidung, die Quartiervergabe nicht mehr im Pilgerzug, sondern schon vorab über Quartiermeister Theo Dirnhofer laufenzulassen, habe für viel Entspannung gesorgt – freute sich Weigert.

Besonderer Gottesdienst

Theo Dirnhofer mit dem kleinen Gebetsbuch, in dem die Novene genannten neun Gebete für die Vorbereitung auf das Fest der „Göttlichen Barmherzigkeit“ an jedem ersten Sonntag nach Ostersonntag stehen. Foto: Röhrl
Theo Dirnhofer mit dem kleinen Gebetsbuch, in dem die Novene genannten neun Gebete für die Vorbereitung auf das Fest der „Göttlichen Barmherzigkeit“ an jedem ersten Sonntag nach Ostersonntag stehen. Foto: Röhrl

Für Theo Dirnhofer sind die Tage vor und nach dem Osterfest heuer auch noch aus einem anderen Grund spannend. Denn er ist an der Organisation einer Premiere beteiligt. Erstmals gibt es am Sonntag, 8. April, eine „Große Barmherzigkeitsandacht“ in der Wallfahrtskirche auf dem Eichlberg (bei Hemau). Ab 14.45 Uhr wird daran erinnert, dass Papst Johannes Paul II. bei der Heiligsprechung der polnischen Ordensschwester Faustyna Kowalska (30. April 2000) das „Fest der Göttlichen Barmherzigkeit“ eingeführt habe. In jedem Jahr – so der Wunsch des polnischen Papstes – solle der erste Sonntag nach dem Osterfest ein Fest des Erlasses aller Sünden für die sein, „die sich seiner Barmherzigkeit“ mit einer Beichte und dem Gang zur heiligen Kommunion näherten. Dabei geht es zum einen um eine Vision von Schwester Faustyna am 22. Februar 1931. Dazu schrieb sie: „Am Abend als ich in der Zelle war - erblickte ich Jesus , den Herrnin einem weißen Gewand. Die Hand war zum Segen erhoben, die andere berührte das Gewand auf der Brust .Von der Öffnung des Gewandes gingen zwei Strahlen aus, ein roter und ein blasser.Nach einer Weile sagte Jesus zu mir: Male ein Bild, nach dem, was du siehst, mit der Unterschrift: Jesus ich vertrau auf dich. Ich wünsche, dass dieses Bild verehrt wird, zuerst in euerer Kapelle, dann auf der ganzen Welt.“

„Göttliche Barmherzigkeit“

Zum Fest der Göttlichen Barmherzigkeit am 8. April hat Schwester Faustyna geschrieben: „Ich wünsche, days der erste Sonntag nach Ostern zum Fest der Barmherzigkeit wird. Die Priester sollen an diesem Tag den Seelen meine große und unergründliche Barmherzigkeit verkünden. Deshalb soll der Sonntag der Barmherzigkeit nicht nur der Tag der besonderen Verehrung Gottes in diesem Geheimnis sein, sondern es soll auch der Tag der Gnade für alle Menschen sein, besonders für die Sünder. An diesem Tag ist das Innere meiner Barmherzigkeit geöffnet: Ich ergiese ein ganzes Meer von Gnaden über jene Seelen, die sich der Quelle meiner Barmherzigkeit nähern. Jene Seele die beichtet und die heilige Kommunion empfängt, erhält vollkommenen Nachlass der Schuld und der Strafen. Aan diesem Tag stehen alle Schleußen Gottes offen, durch die Gnaden fließen. Keine Seele soll Angst haben, sich mir zu nähern, auch wenn ihre Sünden rot wie Scharlach wären.“ Die Vorbereitung auf das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit soll laut Theo Dirnhofer eine Novene sein ,die ab den Karfreitag gebetet wird. Diese beruht darauf, an neun Tagen den Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit zu beten.

Spezieller Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit

Auch dazu hat Schwester Faustyna etwas verfügt: „Durch das Beten des Rosenkranzes zur Göttlichen Barmherzigkeit bringst du die Menschheit näher zu mir. Mir gefällt es, ihnen durch dieses Gebet alles zu schenken, worum sie mich bitten: Dieses Gebet diktierte Jesus Schwester Faustyna am 13. und 14: September 1935. Die Priester werden in den Sündern als letzten Rettungsanker reichen. Sollte es der verstockteste Sündersein - falls er nur einmal diesen Rosenkranz betet, wird Ihm die Gnade meiner unendlichen Barmherzigkeit zu Teil. Wenn dieses Rosenkranzgebet bei Sterbenden gebetet wird, werde ich zwischen meinen Vater und den Sterbenden nicht als gerechter Richter stehen, sondern als Barmherziger Erlöser. In jeder Seele vollbringe Ich das Werk der Barmherzigkeit. Je größer der Sünder, desto größer sein Anrecht auf Meine Barmherzigkeit. Über jedem Werk meiner Hände ist meine Barmherzigkeit befestigt.“

Oberpfälzer Fußwallfahrt zum 333. Mal

  • Vorgeschichte:

    Die Ursprünge reichen bis weit vor die erste Wallfahrt im Jahr 1685 zurück. 30-jähriger Krieg, Pest (1634), Viehseuchen und die Angst vor den anrückenden Türken ließen die Menschen damals in ihrer Not den Vater im Himmel und Gottesmutter Maria anflehen.

  • Gelübde:

    1685 haben Gläubige aus der westlichen Oberpfalz das Gelübde abgelegt, von ihrer Heimat aus jährlich eine Wallfahrt nach Altötting zu unternehmen. Das Rosenkranzgebet nimmt auf dem Weg sowie in den Andachten die zentrale Rolle ein.

  • Start:

    Die Gruppen aus Günching (ab 10.30 Uhr Mariensäule), Daßwang (ab Velburg; St.-Anna-Kirche 12 Uhr; Daßwang ab 15 Uhr) und Hemau (ab Painten um 15.30 Uhr) starten am Freitag, 11. Mai; die aus Beilngries (ab 5.30 Uhr) folgt am Samstag. (lr)

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