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Architektur

Architekt äußert Gesellschaftskritik

Prof. Klaus Kada war der 80. Referent der Vortragsreihe in Neumarkt. Er setzt vor allem auf sachliche Eleganz. Smartphones sind im ein Dorn im Auge.
Von Maximilian Federhofer

Johannes Berschneider begrüßte Prof. Klaus Kada zum 80. Vortrag der Architekturreihe. Foto: Federhofer

Neumarkt.„Wir wollten das Verständnis für Architektur und Baukultur schärfen und die Vielseitigkeit unseres Berufsstandes zeigen“, aus dieser anfänglichen Idee des Pilsacher Architekten Johannes Berschneider ist inzwischen eine deutschlandweit bekannte Vortragsreihe über Architektur geworden. Beim 80. Vortrag im Maybachmuseum sprach Prof. Klaus Kada.

Rund 120 Projekte umgesetzt

Bereits zu Beginn von dessen Ausführungen wurde deutlich, dass auf die Besucher kein gewöhnlicher Werkbericht wartete. Der steirische Architekt ist auch im Alter von 75 Jahren noch in der Architekturszene aktiv. Kada hat rund 120 Projekte realisiert, darunter so unterschiedliche Bauten wie das Festspielhaus in St. Pölten, die europäische Akademie in Bozen, die Grazer Stadthalle oder das Textilmuseum Augsburg.

Klaus Kada gilt als „Ästhet des Sparsamen“, der technologische Innovationen in kraftvollen Raumkonzepten zu vereinen weiß. „Ich wusste zu Beginn gar nicht, was Architektur ist und wie das geht“, gab Kada Einblick in seine Anfänge als Architekt. Schnell wurde jedoch deutlich, dass hier jemand am Werk ist, der Architektur als Leidenschaft und Innovationsmotor versteht. Mit dem Glasmuseum im weststeirischen Bärnbach im Jahr 1988 demonstrierte er das Potenzial moderner Glas-Bautechnik: „Ich wollte weniger materialbetont bauen und suchte den Weg zu einer abstrakteren, sachlichen Eleganz.“ Für den Österreicher war es der Startschuss für eine Karriere inklusive zahlreicher Gastprofessuren in Deutschland und der Eröffnung weiterer Büros in Graz und Aachen.

„Unter zeitgemäßer Architektur verstehen wir Gebäude und Orte, die Funktionalität, räumlichen und ästhetischen Anspruch, Ökologie und Wirtschaftlichkeit als dauerhaften Beitrag zur Stadt verbinden.“ Gemeinsam mit den Bauherren werde sich auf die Suche nach einer zukunftsweisenden Lösung begeben. Projekte wie die Fachhochschule und die Konzernzentrale der Pappas Gruppe in Salzburg, das Direktionsgebäude der Aachen-Münchener-Versicherung und das Adidas-Headquarter in Herzogenaurach stehen stellvertretend für diesen Ansatz. Eine Maxime begleitet Kada dabei bei jedem Projekt: „Die Luzidität von Programm, Struktur, Raum und Bewegung – eine wechselseitige Durchsichtigkeit aller gestalterischen Faktoren, die über eine rein technische, wörtlich verstandene Transparenz hinausreicht.“ Ziel sei es, aus Licht und Schatten eine eigene Formen- und Raumsprache zu entwickeln. Dabei geht es Kada weniger um materielle Präsenz seiner Bauten, sondern um die Eleganz der Konstruktion.

Redner prangert Beliebigkeit an

Klaus Kada nutzte das Forum aber auch, um gesellschaftliche Fragen anzureißen – etwa mit einer schonungslosen Kritik an der „weitverbreiteten Beliebigkeit“, die aus seiner Sicht Einzug in viele Köpfe gefunden habe: „Es wird nichts mehr hinterfragt und Missstände und Probleme ohne Widerspruch hingenommen. Neue Technologien können den Dialog unter den Menschen nicht ersetzen.“ Das Smartphone gaukle zudem Bedürfnisse vor, die die Menschen eigentlich gar nicht hätten und verleite dazu, die Kontrolle abzugeben. Laut Kada ist Architektur weit mehr als nur ästhetisches und funktionales Bauen. Es gehe auch um den Zustand einer Gesellschaft: „Ziel muss es sein, die Bedürfnisse der Menschen ernsthaft zu ergründen und im Dialog zu bleiben.“

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