mz_logo

Region Neumarkt
Dienstag, 22. Mai 2018 25° 8

Historie

Auf den Spuren der Geschichte

Heimatpfleger Horst Schrödel hat im elften Band seiner Reihe „Marktarchiv Pyrbaum“ den Schlosshof in den Fokus gerückt.
Von Heike Regnet

Archivpfleger Horst Schrödel und Bürgermeister Guido Belzl im sanierten Schlossstadel Fotos: Regnet

Pyrbaum.Tief in die Geschichte des Marktes Pyrbaum taucht das neueste Werk von Kreisarchivpfleger Horst Schrödel ein. Auf 75 Seiten geht es vor allem um den Schlosshof in Pyrbaum. Das Heft ist zugleich der elfte Band der Reihe „Marktarchiv Pyrbaum“ und auch diesmal hat Schrödel beim Blick in die Historie wieder viele Geschichten zu erzählen.

„Als ehemaliger Kriminaler hat Horst Schrödel die Gabe, viele Details zusammenzusammeln“, sagt Bürgermeister Guido Belzl. „Ich hoffe, dass so noch viele weitere Bände entstehen werden.“ Mit der Sanierung des Schlossgrabens habe sich das Thema „Schlosshof“ angeboten, sind sich Bürgermeister und Heimatpfleger beim Pressetermin am Montag einig.

Ostfenster ist ältester Nachweis

Zwei Jahre dauerte die Sanierung des Schloss- bzw. Kirchenstadels, der 2016 eingeweiht worden ist. Das Ostfenster ist der älteste erhaltene Nachweis für den Ursprung der Gemeinde Pyrbaum. Einst standen in der Fensternische Sitzbänke, sagt Heimatpfleger Schrödel.

„Der Schlosshof in Pyrbaum ist die eigentliche Quelle unserer Gemeinde“, so das Fazit von Schrödel in seinem Buch. „Hier haben sich die ersten Pyrbaumer einen gesicherten Ort geschaffen. Der älteste Nachweis dafür ist das Ostfenster im jetzigen renovierten Kirchenstadel.“ Durch die Sanierung seien „wirklich alte Zeugnisse aus der Geschichte des Ortes wieder sichtbar gemacht. Auf diese vorzeigbaren Baudenkmäler können die Bürger stolz sein.“ Im sanierten Schloss- bzw. Kirchenstadel habe es im vergangenen Jahr viele Termine gegeben, wie Trauungen oder auch Feierstunden. Um Geschichte auch für die Besucher des Marktes lebendig werden zu lassen, fertigte das Archivteam 13 Schautafeln zur Historie Pyrbaums an, die nun an den Wänden im Stadel ihren idealen Platz gefunden haben.

Nach der Neugestaltung des Schlossgrabens wurden auf dem Gelände auch informative Schautafeln zur Historie über das „Wolfsteiner Schloss zu Pyrbaum“ aufgestellt. So erhalten Gäste des Marktes bei einem Spaziergang viele wichtige Informationen zur Geschichte.

Noch ausführlicher informiert das neueste Werk von Schrödel, in dem er ausführt, dass die Entstehung des Schlosshofes in Pyrbaum – vor allem die der Veste Pyrbaum – auf der Einsetzung sogenannter Reichsministeralen beruhe. Verwalter von Reichs- oder Königsgut in der Region seien die Hirschberger bei Beilngries, die Rindsmaul bei Altdorf und die Herren von Stein bei Hilpoltstein. Von diesen Adelsgeschlechtern übernahmen mit Zustimmung des Kaisers die Wolfsteiner das Recht, Reichsgut zu verwalten. Große Teile des Wolfsteiner Gebietes seien Reichsgut gewesen, wie auch die Schlossanlagen in Pyrbaum und Sulzbürg sowie der heutige Staatswald.

Graben wurde angelegt

Keinen natürlichen Ursprung habe der Schlossgraben um die ehemalige Burganlage in Pyrbaum. Der Graben sei etwa 3,50 Meter unter der Ebene des Schlosshofes angelegt worden. An der Ostseite des Stadels Richtung Neumarkter Straße sei der Graben noch in Originaltiefe vorhanden. Der Aushub für den Graben sei im Norden des Schlossgrabens Richtung Friedhof aufgeschüttet worden. Diese „Abraumhalde“ in der Flur ist bis heute deutlich zu erkennen.

Der Schlossstein des Pyrbaumer Schlosses liegt im Schloss Thurnau bei Kulmbach. Eine der Töchter des letzten Wolfsteiner Grafen in Pyrbaum hatte einen Grafen von Giech in Thurnau geheiratet. In Pyrbaum ist eine Nachbildung des Steins zu sehen.

Im Jahr 1450 sei die Veste Pyrbaum im ersten Markgrafenkrieg zerstört worden. 1493 habe man das Schloss erbaut. Der Schlossstein, der in einer Nachbildung an der Brücke über dem Schlossgraben zu sehen ist, sei einst über dem Eingangstor zum Schloss eingebaut gewesen. Seit jeher spielte auch die Religion eine wichtige Rolle. Immer wieder sei es um Streit zwischen Protestanten und Katholiken gekommen, schreibt Schrödel. Dies gehöre in Pyrbaum längst der Vergangenheit an. Vielmehr sei der Ort bei der Ökumene zur Vorzeigegemeinde.

Der 17. August 1853 sei eine Schicksalsnacht für das Schloss in Pyrbaum gewesen, schreibt Schrödel. Im Schlossturm, der 29 Schritte vom Schlossgebäude entfernt lag, sei um 3 Uhr in der Früh ein Feuer ausgebrochen, das rasch auf das Schloss übergegriffen habe. Bürger aus Oberferrieden, Pruppach, Seligenporten, Heng und Pyrbaum hätten zwar mit fünf Feuerspritzen den Brand unter Kontrolle gebracht – doch das Schloss war zerstört. Der Brandstifter wurde noch am selben Tag verhaftet, das Schloss nie wieder aufgebaut.

Die Themen im Buch reichen von der ersten Nennung der Veste Pyrbaum über die Grafschaft Wolfstein bis hin zu den weltlichen Bauten im Schlosshof. Auch viele Bilder sind zu sehen. Zu kaufen gibt es Band XI im Rathaus für zwölf Euro.

Weitere Nachrichten aus den Gemeinden der Region Neumarkt finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht