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Ernährung

Auf Diät: Die Bäckerin und der Grantler

MZ-Redakteurin Katrin Böhm backt lebensgefährliches Brot und isst Ketchup – Johannes Heil ist bisweilen ungenießbar.
Von Katrin Böhm und Johannes Heil

Katrin Böhm backt jetzt selbst Brot, Johannes Heil hat keinen Bock mehr auf Äpfel. Fotos: Neumayer, Heil

Katrin Böhm verzichtet vier Wochen lang auf Zucker. Aber manchmal müssen es Pommes mit Ketchup sein.

Ich habe ein life-changing-bread gebacken. Verändert hat dieses Brot vor allem das Leben meines Mannes. „Heute Cheat-Day, sonst tot“, lautet die WhatsApp-Nachricht, die auf meinem Handy ankommt. Er ist Diabetiker und hatte Insulin gespritzt wie bei normalem Brot, das life-changing-bread enthält aber kein Mehl, das mit Hilfe von Insulin verstoffwechselt werden müsste, sondern besteht vorwiegend aus Nüssen. Low carb nennt sich das, „wenig Kohlenhydrate“ – eine Ernährungsform, die oft mit der zuckerfreien einhergeht, da schnell aufgespaltene Kohlenhydrate wie beispielsweise im Weißbrot den Blutzuckerspiegel ebenfalls rasant ansteigen, aber auch ebenso rasant wieder abfallen lassen.

Frisch angeschnitten: Das Nussbrot, das man auch für einen Kuchen halten könnte. Foto: Böhm

Mein Mann hat den Genuss des Brots mit Hilfe einer Tafel Karamell-Schokolade und eines Müsli-Riegels überlebt und ich finde Beschummeln alternativlos, wenn die andere Option Sterben ist. Abgesehen davon ist das Brot lecker – und Brotbacken meine neue Leidenschaft. Morgens um dreiviertelsechs vor der Arbeit oder nach Feierabend irgendwann um acht. Es ist weder schwer noch aufwendig. Um das Zucker-Experiment nicht unfreiwillig zu unterwandern – Hefeteig enthält oft Zucker – habe ich sämtliche Brote, Semmeln und Baguettes zu Hause gebacken. Und damit zwar meine Familie genervt, aber auch die Bäckerkosten gesenkt.

Ein teures Vergnügen

Mit Ausnahme des life-changing-bread. Ein Bäcker, der das ins Sortiment nehmen würde, könnte Konkurs anmelden. 500 Gramm Kürbiskerne, Walnüsse, Cashews – das ist teuer. Und wenn dann noch Kokosöl und – meine Lieblingszutat allein aufgrund des Namens – indische Flohsamenschalen dazukommen, die das ganze zusammenpappen, ist man schnell bei zehn Euro. Doch es geht auch günstiger, auch wenn es vielleicht nicht so lebensverändernd ist: Ein Pfund Dinkelvollkornmehl, ein Päckchen Trockenhefe, Sonnenblumenkerne und Leinsamen ergeben ein gutes Vollkornbrot, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen ist.

Der Name ist Programm: Das life-changing-bread hätte das Leben von Katrin Böhm und ihres Ehemanns beinahe aufs Äußerste verändert. . Foto: Neumayer

Außerhalb der eigenen vier Wände ist es aber quasi unmöglich, sich zuckerfrei zu ernähren. Auf einem Feuerwehrfest das eigene Brot oder den veganen, zuckerfreien Bulgur-Salat auspacken? Nee, eher nicht. Und so fällt meine Wahl eben auf Pommes mit Ketchup (ja, okay, Ketchup, aber Pommes schmecken ohne Ketchup nicht) und Radler (ja, okay, Limo, aber Bier mag ich nicht). Und wenn man mit Freunden abends Pizza essen geht, dann ist da aller Wahrscheinlichkeit nach eben auch Zucker in der Tomatensoße und im Hefeteig und vielleicht auch im Salatdressing drin.

Es ist einfach so: Entweder man nimmt am gesellschaftlichen Leben der Mehrheit teil oder man lässt es sein – wenngleich man sich fragen darf, ob die Weise, nach der die Mehrheit lebt, die beste ist. In der Generation unserer Eltern und Großeltern galten Süßigkeiten als etwas Besonderes. Kinder bekamen Schokolade zu Weihnachten und zum Geburtstag, weil sie teuer war und es sonst keine gab. Heute kostet eine Tafel Schokolade so viel wie ein Apfel und wird zu Hause stapelweise gelagert. Für den Preis einer Schale Erdbeeren kann man drei Päckchen Gummibärchen kaufen. Da ist etwas aus den Fugen geraten – das wage ich nach drei Wochen zuckerfreier Zeit zu behaupten.

Hier lesen Sie Teil eins der Diät-Serie.

Hier lesen Sie Teil zwei der Diät-Serie.

Johannes Heil hat sich für seine Diät ein Kalorienlimit gesetzt und will zusätzlich jeden Tag mindestens 15 000 Schritte gehen. Doch das macht grantig.

Meine Frau macht einen weiten Bogen um mich. Also, Gott sei Dank, nicht grundsätzlich. Sondern nur an diesem einen Abend. Ich habe ihr dazu geraten. Denn ich merke: Ich bin schlecht drauf. Ach was, so richtig mies. Woran das liegt? An meiner Diät natürlich. Nur knappe 2000 Kalorien darf ich für vier Wochen pro Tag zu mir nehmen. Ich muss zugeben: An nicht allen Tagen der vergangenen Wochen ist mir das gelungen. Doch an besagtem Tag möchte ich im Limit bleiben. Koste es, was es wolle.

Neuerdings oft schlecht gelaunt: Johannes Heil auf Diät Foto: Heil

Nun sitze ich abends da und grummle vor mich hin. Der Umgänglichkeitsfaktor liegt irgendwo zwischen Zerberus und Ekel Alfred. Gott sei Dank, merke ich es selbst. Als wir mit dem Essen fertig sind, bin ich zwar einigermaßen satt. Trotzdem gelüstet es mich nach mehr. Und nach Schokolade. Und nach Kartoffelchips. Doch ich weiß, dass es für mich höchstens noch einen Apfel geben wird, wenn ich in meinem Kalorienlimit bleiben will. Wer da dann noch gute Laune hat, ist zu beneiden.

So dramatisch ist es aber in der Regel gottlob nicht. An diesem Abend aber leider schon. Missmutig grummle ich vor mich hin. Ich bin der personifizierte Grant. Meiner Frau will ich das nicht antun. Ich kläre sie auf, dass von mir an diesem Tag wahrscheinlich keine allzu großen Liebesbeweise mehr zu erwarten seien. Größere Kommunikation solle bitte auf den nächsten Tag verschoben werden, schlage ich vor. Ich gelobe Besserung für den nächsten Tag.

Wo bittesehr ist der Hashtag #Tobsucht?

Diäten sind kein Spaß. Zumindest nicht immer. Rückschläge sind vorprogrammiert, schlechte Laune ist an manchen Tagen nicht zu vermeiden. Leider wird das aber nicht immer explizit so deutlich. Vor allem in den sozialen Medien eröffnet sich häufig ein ganz anderes Bild. Über alle verfügbare Backen grinsende, gut aussehende Menschen lassen das Schlankwerden und -bleiben häufig so erscheinen, als wäre es ein kleiner Spaziergang in der lauen Abendsonne. Hashtags wie #hustle (Einsatz), #hardwork (Harte Arbeit) oder ähnliche findet man zwar schon. #Tobsucht oder #Gereiztheit hingegen eher selten.

So viel Zucker enthalten ganz normale Lebensmittel. Video: K.Böhm

Dabei sollte es diese Hashtags meiner Meinung nach dringend geben, wenn man der Wahrheit Genüge tun will. Denn bei einer Diät muss man die gewohnte Ernährung umstellen. Entweder hinsichtlich der Qualität oder der Quantität. Sprich: anders oder weniger essen. Das ist nicht einfach. Nun könnte manch einer mit der Trumpfkarte „Sport“ dagegenhalten. Da halte ich es aber mit der Englischen Redewendung „You can’t outtrain a bad diet“ – wenn man sich schlecht ernährt, hilft auch kein Sport. Daher habe ich mich für eine Mischung aus weniger und anders essen und mehr Bewegung (mindestens 15 000 Schritte am Tag) entschieden.

Das klappt oft gut, oft aber auch nicht. Dann ist es mit dem Gut-drauf-sein nicht ganz so einfach. Denn Abnehmen ist viel mehr als salbungsvolle Hashtags und schöne Bilder. Das merke ich an diesem Tag besonders deutlich. Aber wissen Sie was: Das ist auch gut so, denke ich. Man muss nicht immer gut drauf sein. Gott sei Dank sieht das meine Frau genauso. Am nächsten Tag war ich wieder besser gelaunt. Das war mir dann auch mal wieder 3500 Kalorien wert.

Hier lesen Sie Teil 3 der Diät-Serie.

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Das Brot-Rezept

  • Neugierig auf das life-changing-bread?

    Katrin Böhm hat verwendet, was sie an Kernen und Nüssen in ihrer Küche finden konnte und es (in etwa) so gebacken. Der Fantasie bei den Kernen sind keine Grenzen gesetzt, es können sämtliche Nüsse und Kerne verwendet werden, insgesamt sollten es gut 500 Gramm sein.

  • Zutaten:

    150 Gramm Sonnenblumenkerne, 80 Gramm Walnüsse, 80 Gramm Mandeln, 80 Gramm Kürbiskerne, 50 Gramm Cashewnüsse, 50 Gramm geschroteter Leinsamen, 30 Gramm Haferkleie. 5 Esslöffel Flohsamenschalen, knapp zwei Teelöffel Salz, gut 1,5 Esslöffel Agavendicksaft oder Reissirup, 5 Esslöffel flüssiges Kokosöl, gut 600 Milliliter warmes Wasser.

  • Zubereitung:

    Sonnenblumenkerne und Nüsse anrösten (ohne Fett) und mit den übrigens Saaten, Salz und Flohsamen vermischen. Wasser mit Kokosöl und Agavendicksaft oder Reissirup vermischen und mit den Nüssen vermischen. Den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform geben und am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen, mindestens aber zwei, drei Stunden. Bei 175 Grad im vorgeheizten Ofen insgesamt eine Stunde backen, nach etwa 20 Minuten das Backpapier entfernen und das Brot ohne Papier in der Form weiterbacken. Wer eine Silikonform verwendet, kann sich sowohl das Backpapier als auch das Herausnehmen des selbigen sparen.

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