mz_logo

Region Neumarkt
Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Verkehr

B8: BI setzt sich zur Wehr

Eine neue Logistikfirma könnte mehr Laster bedeuten. Für Postbauer-Heng ist eine Umgehung geplant – doch einige fürchten sie.
von Bettina Dennerlohr

  • „Wir Bürger wehren uns“ steht auf einem Transparent der BI. Sprecher Norbert Dambaur gab die Anliegen an Landrat Armin Kroder weiter. Foto: Dennerlohr
  • Die BI übergab 1605 Unterschriften an den Schwarzenbrucker Bürgermeister Bernd Ernstberger. Foto: Markus Rauh

Postbauer-Heng.Ein Lastwagen, ein Auto, ein Lkw-Gespann, drei Autos und wieder ein Laster – eine typische Kolonne, wie sie an diesem Montagvormittag beinahe im Minutentakt über die B8 zwischen Neumarkt und Nürnberg fährt. Rund 24 000 Fahrzeuge haben Verkehrszählungen täglich in Schwarzenbruck (Landkreis Nürnberger-Land) ergeben, rund 13 000 in Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt). „Albtraum B8“ nennt das eine gleichnamige Bürgerinitiative. „Wir Bürger wehren uns“ verkündet ihr Transparent, das sie an diesem Vormittag vor der Gemeindeverwaltung von Schwarzenbruck ausgerollt haben – denn im Gebäude beraten Vertreter der Regierungen von Mittelfranken und der Oberpfalz, die Landräte und die Bürgermeister der Anrainergemeinden die Zukunft der B8.

1600 Unterschriften übergeben

Dass es dieses Treffen überhaupt gibt, sei der Bürgerinitiative zu verdanken, sagt Norbert Dambaur, einer ihrer Sprecher: „Im Januar hat uns Innenminister Herrmann zugesagt, dass es dieses Treffen geben wird.“ Etwas über 1600 Unterschriften hat die Bürgerinitiative gesammelt und vor dem Treffen übergeben. Damit will sie ihren Forderungen Nachdruck verleihen – unter anderem wollen die Bürger Dauerblitzer am Ortseingang und -ausgang, eine Begrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde zwischen 18 und 6 Uhr und sichere Fußgängerüberwege. „Sowas wie eine Umgehung fordern wir gar nicht – schließlich sind wir keine Straßenbauexperten“, sagt Dambaur – wenngleich Herrmann die Umgehung quasi schon in Aussicht gestellt habe. Die Untertunnelung der Ortsdurchfahrt sei quasi schon gegraben, habe der bayerische Innenminister in Aussicht gestellt.

Rund 24 000 Fahrzeuge fahren täglich durch Schwarzenbruck, rund 13 000 durch Postbauer-Heng. Foto: Dennerlohr
Rund 24 000 Fahrzeuge fahren täglich durch Schwarzenbruck, rund 13 000 durch Postbauer-Heng. Foto: Dennerlohr

Eine solche Äußerung könnte durchaus etwas zu optimistisch gewesen sein: Im Bundesverkehrswegeplan ist ein solches Projekt derzeit nicht vorgesehen – und die aktuellen Planungen laufen bis zum Jahr 2030. Mit vordringlichem Bedarf vermerkt ist dagegen eine Ortsumgehung für Postbauer-Heng. „Wir befinden uns dafür im Moment im Stadium der Voruntersuchungen“, sagt Josef Gilch, beim Staatlichen Bauamt in Regensburg für den Straßenbau im Landkreis Neumarkt zuständig. Auch finanzielle Fragen seien noch ungeklärt. Erst wenn sich das ändere, könne er Aussagen über einen möglichen Trassenverlauf treffen, sagt Gilch.

Diese Umgehungen sind gerade im Landkreis Neumarkt Thema:

Umgehungen im Landkreis Neumarkt

Sowohl in Mittelfranken als auch der Oberpfalz den Bürgern vor allem die vielen Lastwagen Sorgen, sagen Dambaur und Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer. Die Aussicht in diese Zukunft lasse diese Sorge nicht gerade schrumpfen: Denn im Schwarzenbrucker Industriegebiet entsteht auf einem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück ein weiteres Logistikunternehmen. Bis zu 600 Lastwagen täglich mehr könnte das bedeuten, fürchtet Kratzer. Die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden seien schon länger im Gespräch über die B8 – sei es wegen Ampelschaltungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder dem Verkehrsaufkommen. Interkommunale Zusammenarbeit sei gerade bei einem solchen Projekt wichtig, denn immer seien zwei Regierungsbezirke betroffen. So könnten durchaus noch einige Jahre vergehen, bis eine Umgehung Postbauer-Heng auch wirklich gebaut wird – schließlich stehe nach den ersten Planungen und finanziellen Zusagen auch noch ein Planfeststellungsverfahren an, bei dem sich alle Träger öffentlicher Belange zu dem Projekt äußern können.

Projekt hat lange Vorgeschichte

Wie lange sich eine Umgehung hinziehen kann, zeigt der Blick nach Mühlhausen: Dort gingen Jahre ins Land, bevor die ersten Bauarbeiter anrückten. Auch das Projekt Postbauer-Heng hat bereits eine Vorgeschichte: Laut Kratzer wurde bereits 2000 unter dem damaligen Bürgermeister Hans Bradl daran geplant.

Im Juli hat sich der Gemeinderat Berg für eine Umgehung entschieden – mehr lesen Sie hier.

Danach lagen die Pläne allerdings einige Zeit auf Eis, schließlich stand im Raum, die B8 zur Staatsstraße herabzustufen. Damit wäre der Bund aus Planungen und finanziellen Verpflichtungen entlassen gewesen. Tatsächlich ist die Abstufung schon vor fast zwei Jahren erfolgt – allerdings erst südlich von Neumarkt. Die Begründung: Zwischen der Kreisstadt und Nürnberg seien dafür täglich zu viele Fahrzeuge unterwegs.

Das größte Straßenbauprojekt im Landkreis ist derzeit die B299 rund um Mühlhausen – mehr dazu lesen Sie hier.

Eine Umgehung könnte die Bürger von Postbauer-Heng entlasten – für ihn und die weiteren Schwarzenbrucker aber das genaue Gegenteil bedeuten, fürchtet Dambaur: „Das würde die Strecke für den Schwerverkehr noch attraktiver machen.“ Schon jetzt sieht er die Anlieger an ihren Grenzen: „30 000 Fahrzeuge täglich verträgt die B8 offiziell. Das kann schon sein – aber die Anwohner vertragen das nicht.“ Er sei gespannt auf das Ergebnis des interkommunalen Treffens. Das will die Regierung von Mittelfranken am Dienstagvormittag mitteilen.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Neumarkt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht