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Renaturierung

Bäche dürfen zurück in ihre alten Betten

Bei Berngau wurden aus zwei Rinnen wieder natürlich aussehende Gewässer. Der Hochwasserschutz ist auch grünes Klassenzimmer.
Von Lothar Röhrl

Die Führung des Landschaftspflegeverbands (l. Werner Thumann, rechts Agnes Hofmann) erläuterte Landrat Gailler, Bürgermeister Wild und den Mitarbeitern des Berngauer Bauhofs, was am Steinbach (links) und am Dimpflgraben geschehen ist. Foto: Röhrl
Die Führung des Landschaftspflegeverbands (l. Werner Thumann, rechts Agnes Hofmann) erläuterte Landrat Gailler, Bürgermeister Wild und den Mitarbeitern des Berngauer Bauhofs, was am Steinbach (links) und am Dimpflgraben geschehen ist. Foto: Röhrl

Berngau.Da wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Bei Berngau sind mit dem Dimpflgraben und dem Steinbach zwei Bäche aus jeweils einer, gerade durch die Landschaft gezogenen Rinnen herausgeholt worden, Nun dürfen beide kurz vor ihrem Zusammenfluss wieder so kurvig durchs Gelände fließen, wie das die Natur ursprünglich eingerichtet hatte. Damit nicht genug: Weil in der Nähe des Zusammenflusses derzeit aus der Kläranlage eine „Erkläranlage“ gemacht wird, können Kinder in einer Art „Grünes Klassenzimmer“ direkt Ort etwas über Gewässer erfahren. Dazu gehört auch, dass zwei Mulden geschaffen wurden, in denen Kinder mit Wasser experimentieren können. Die spannende Maßnahme wurde am Montag vorgestellt.

Die Kosten sind mit 27 000 Euro wahrlich nicht groß. Die Gemeinde Berngau wird auch nicht besonders zur Kasse gebeten. Denn 75 Prozent einer solchen Renaturierung fließender Gewässer fördert das Wasserwirtschaftsamt. Das erklärte Werner Thumann, der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands im Kreis Neumarkt bei einem Medientermin erklärte. Nicht hauptsächlich, sondern eben immer wieder gehe es bei seinem Verband um solche Renaturierungen. Bereits vor zweieinhalb Jahrzehnten sei ein solches Projekt für die von Begradigungen in ihrem Lauf besonders gezeichnete Sulz gestartet worden. Das betonte Landrat Willibald Gailler. Der ehemalige Bürgermeister von Freystadt erinnerte sich noch gut daran, in welcher Rinne die Sulz vor 25 Jahren noch am Freystädter Ortsteil Sulzkirchen vorbeigeflossen war.

Eine Freude fürs Auge

Mittlerweile biete sich laut Landrat Gailler dort als Folge der Renaturierung ein genauso freundliches Bild, wie das in der Zukunft bei Berngau auf dem ein Hektar großen Areal im Bereich des Zusammenflusses beider Bäche zur Lach ermöglicht worden sei. Auf insgesamt 230 Metern wurde dort korrigiert, was vor 50 Jahren Bestandteil der Flurbereinigung gewesen war.

Gerade statt natürlich: Dem in heutiger Zeit gerne gefällten vernichtenden Urteil über die Flurbereinigung damals wollte Werner Thumann im Gespräch mit der Mittelbayerischen nicht zustimmen. Im Gegenteil: Er zeigte großes Verständnis über die Denkweise, die damals hinter der Begradigung vieler Bäche und Flurgrenzen stand. Denn diese sei Ausdruck der Bemühungen gewesen, es der Landwirtschaft so leicht wie möglich zu machen. „Damals wirkte das Erlebnis der großen Nöte nach dem Zweiten Weltkrieg nach,“ Nach 1945, so erinnerte Thumann, hätten in Deutschland viele Menschen nur sehr wenig zu Essen gehabt. Ein-für-allemal sollte das der Vergangenheit angehören. So lautete das Credo in den frühen Jahren der Bundesrepublik.

Links Steinbach, rechts Dimpflgraben: Jetzt dürfen beide wieder so meandern, wie sie es vor der Flurbereinigung konnten. Foto: Röhrl
Links Steinbach, rechts Dimpflgraben: Jetzt dürfen beide wieder so meandern, wie sie es vor der Flurbereinigung konnten. Foto: Röhrl

Heutezutage freilich sei erkannt worden, wie sehr der Mensch der Artenvielfalt und damit auch seiner eigenen Lebensqualität geschadet habe. Und daher gebe es solche Korrekturen, wie sie seit 25 Jahren beim Projekt „Die Sulz lebt“ umgesetzt würden. Mit Erfolg, wie sich Werner Thumann freut. Denn bei Sondersfeld habe er schon einen Eisvogel gesehen. Denn der Fischjäger gilt als Indikator für gute Lebensbedingungen, die in einem Gewässer vorkommen.

Für Berngau hoffen die Werner Thumann und seine Stellvertreterin Agnes Hofmann darauf, dass sich schon im kommenden Jahr Libellenarten wie Südlicher Blaupfeil und Blauflügelige Prachtlibelle ansiedeln.

Besserer Hochwasserschutz

Diese mögen es auch, wenn es solche Feuchtmulden gibt, wie sie ganz in der Nähe des Zusammenflusses von Steinbach und Dimpflgraben angelegt worden sindt. Zusammen mit dem Aufweiten der beiden Bachbetten wird damit der Wasserrückhalt verbessert. Damit kann Hochwasser, das vor allem im Steinbach öfter nach längerem Regen auftritt, über die Ufer treten. Das stellt einen natürlich Schutz vor Hochwasser im Unterlauf auch der Sulz da. Denn bisher habe das viele Wasser ungebremst und schnell die Sulz Richtung Mühlhausen fließen können, wo es nicht selten zu Überschwemmungen gekommen war.

Zwei Flutmulden wurden geschaffen. Sie eignen sich auch als Experimentierflächen der nahen "Erkläranlage". Foto: Röhrl
Zwei Flutmulden wurden geschaffen. Sie eignen sich auch als Experimentierflächen der nahen "Erkläranlage". Foto: Röhrl

Und noch einen Effekt, so freute sich vor allem Berngaus Bürgermeister, werde die Renaturierung bringen. Sie wirke sich auch auf die ehemalige Kläranlage aus, die in diesen Wochen zum „Erkläranlage“ genannten „Grünen Klassenzimmer“ umgebaut wird. Neben dem markanten runden weißen alten Tropfkörper entsteht ein Pavillon. Hier können bei Lehrveranstaltungen Kinder, die in Nachwuchsgruppen von Obst- und Gartenbauvereinen Mitglied sind, genauso wie Schulklassen über die Vorgänge in der Natur unterwiesen werden.

Zur Renaturierung

  • Mit aktiv in Berngau:

    Arbeiter des Berngauer Bauhofs haben zahlreiche Büsche und Bäume so zugeschnitten, wie Bürgermeister Wild als „dringend nötig“ genannt hatte. Denn seit Jahrzehnten sei dort nichts mehr passiert.

  • Nächste Maßnahmen:

    Landrat Willibald Gailler freute sich schon auf die Maßnahmen in der Gemeinde Postbauer-Heng. In Bereich des Hengerbachs. Diese umfassen ein 10 Hektar großes Gebiet. Die Lach, die bei Berngau durch den Zusammenfluss des Dimpflgrabens und des Steinbachs entsteht, soll noch bei Sengenthal renaturiert werden.

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