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Wirtschaft

Bank-Chef wirbt für Fusion

Die Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen will sich für die Zukunft rüsten. Anfang Juni entscheiden die Mitglieder.
Von Alexandra Nurtsch

Anfang Juni fällt die Entscheidung, ob die Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen die Raiffeisenbank am Rothsee übernimmt. Foto: Nurtsch
Anfang Juni fällt die Entscheidung, ob die Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen die Raiffeisenbank am Rothsee übernimmt. Foto: Nurtsch

Berching.Vorstandsvorsitzender Klaus Majehrke und die Mitarbeiter der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen haben in den vergangenen Wochen und Monaten viele Fragen beantwortet und viel erklärt, bei Informations- und Diskussionsveranstaltungen, bei Bankgeschäften am Schalter oder im vertraulichen Vier-Augen-Gespräch. Die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank am Rothsee beschäftigt Kunden und Mitglieder. „Wir haben versucht, so viel Aufklärung zu betreiben, wie es nur geht“, sagt Majehrke. Rund 400 Mitglieder, das sind etwa zehn Prozent, kamen zu den Veranstaltungen. Mit dieser Zahl rechnet Majehrke auch bei der Generalversammlung am 7. Juni, wenn die Mitglieder über die Fusion abstimmen werden.

Vergangenes Jahr wollte die Raiffeisenbank Neumarkt fusionieren, was jedoch gescheitert ist. Den Bericht dazu lesen Sie hier.

In der Bankenbranche hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Die Häuser müssen mehr Eigenkapital vorhalten, um die Anleger zu schützen. Doch in der Niedrigzinsphase ist es schwer, Geld zu verdienen. Dazu kommt die Digitalisierung. „Um die drei Herausforderungen abdecken zu können, müssen wir größer werden“, sagt Majehrke. Die Digitalisierung ist für ihn der entscheidende Grund. Es gebe immer mehr Kunden, die ihre Bankgeschäfte online abwickelten. Diese hätten ganz andere Ansprüche. Es müsse alles sofort, rund um die Uhr und möglichst billig gehen. „Das ist ein Spagat, der uns als kleine Bank besonders trifft. Wir können nicht die Themen vorhalten, wie eine große Bank“, sagt er und verweist auf die Erreichbarkeit rund um die Uhr.

Kritik an den Plänen

Mit der Fusion ergeben sich Synergien. Doppelarbeit könne vermieden, bessere Vertretungsregelungen geschaffen und mehr Spezialisten aufgebaut werden. „Wenn Menschen heute zur Bank kommen, dann nur für Spezialthemen, bei denen der persönliche Kontakt wichtig ist.“ Doch qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sei brutal. Sie selektierten stark ihre Arbeitgeber. Kleinere Betriebe gerieten dabei oft ins Hintertreffen. Durch die Fusion sollen jährlich etwa eine Million Euro an Kosten eingespart werden, nicht durch Mitarbeiterabbau, sondern durch Vermeidung von Doppelarbeiten und Doppelabgaben, sagt Majehrke.

Hier lesen Sie Wissenswertes über die Generalversammlung:

Die Mitglieder haben das letzte Wort

  • Entscheidung:

    Am Dienstag, 5. Juni, findet die Generalversammlung der übergebenden Bank, der Raiffeisenbank am Rothsee, statt. Stimmen 75 Prozent der anwesenden und der vertretenen Mitglieder für die Fusion, geben zwei Tage später die Mitglieder der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen ihre Stimme ab.

  • Ablehnung:

    Lehnen die Mitglieder der Raiffeisenbank am Rothsee die Fusion ab, dann ist die Abstimmung unter den Mitgliedern der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen hinfällig.

  • Stimmung:

    Doch davon geht Klaus Majehrke nicht aus, denn im Bereich der Raiffeisenbank am Rothsee sei die Akzeptanz höher. „Die Bank hat vor zehn Jahren fusioniert und die Kunden haben gemerkt, es ist besser geworden.“

  • Termin:

    Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen am 7. Juni findet turnusgemäß in der Mehrzweckhalle in Freystadt statt.

  • Erfahrung:

    Vor zehn Jahren wollte die Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen mit der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg fusionieren. Doch das scheiterte an der Zustimmung der Berchinger Mitglieder.

Doch die Fusionspläne werden von kritischen Stimmen begleitet. Georg Scheumann, einst selbst Vorstandsmitglied einer Raiffeisenbank, setzte sich in seinem Buch „Unsere Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen eG soll fusionieren – Wer profitiert und warum gehen die Mitglieder leer aus“ kritisch mit dem Thema auseinander und auch der Vorsitzende des ÖDP-Kreisverbands und Berchinger Stadtrat Josef Neumeyer meldete sich zu Wort. Er warnt unter anderem vor einem Heimatverlust ideeller sowie finanzieller Art und weist darauf hin, dass durch die Fusion Wertschöpfung aus der Region verloren gehe.

Im Dezember 2017 wurde die Öffentlichkeit von den Fusionsplänen der beiden Banken informiert. Hier finden Sie den dazugehörigen Artikel.

Klaus Majehrke ist Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen. Foto: Nurtsch
Klaus Majehrke ist Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen. Foto: Nurtsch

Beides verneint Majehrke. Die Filialen würden weiter bestehen. Außerdem sei die Bank überregional tätig. „Wir handeln zwar überregional, versuchen aber, regional zu denken und zu fördern.“ Durch die Fusion solle der lokale Charakter erhalten bleiben. Wertschöpfung gehe nicht verloren, da sich an der Struktur nichts ändere. Auch wegen der unterschiedlichen Eigenkapitalausstattungen der Banken gab es Kritik. „Beide Banken sind für ihr Geschäftsmodell gut ausgestattet“, sagt Majehrke. Während bei der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen der Schwerpunkt auf Geschäftskunden liegt, liegt er am Rothsee auf Privatkunden. Dies mache eine unterschiedliche Kapitalausstattung erforderlich. Auch werde durch die Sitzverlagerung nach Hilpoltstein kein Vermögen verlagert, wie kritisiert wurde.

AG keine Alternative

Immer wieder wird in der Diskussion auch angeregt, das Modell der Raiffeisenbank Plankstetten zu übernehmen und die Bank in eine AG umzuwandeln. Davon hält Majehrke nichts: „Wir ändern das ganze Geschäftsmodell, aber die Herausforderungen bleiben die gleichen.“ Viele Dinge würden in der Öffentlichkeit falsch dargestellt und beispielsweise Genossenschaftsrecht mit Aktienrecht vermischt. „Manche Kritiker haben nur Interesse daran, daraus Kapital zu schlagen“, sagt er. Das sei nicht förderlich, da es einen notwendigen Entwicklungsprozess verhindere, um eine leistungsfähige Bank vor Ort weiter aufrechtzuerhalten.

„Falls es nicht klappt, haben wir 350 000 Euro in den Sand gesetzt.“

Klaus Majehrke,

Die Mitarbeiter der Raiffeisenbank Berching-Freystadt-Mühlhausen sind für die Fusion. „Sie wissen, dass ihr Arbeitsplatz einmal gefährdet ist, wenn sich die Bank nicht weiterentwickelt“, sagt Majehrke. Auch die Mitarbeiter der Bank am Rothsee stehen hinter den Plänen – wie auch die Mitglieder. „Ich bin guter Dinge, dass mit großer Mehrheit für die Fusion gestimmt wird“, sagt Vorstandsvorsitzer Georg Peter. Ihm seien nur wenige kritische Stimmen zu Ohr gekommen.

„Falls es nicht klappt, haben wir 350 000 Euro in den Sand gesetzt“, sagt Majehrke. So viel koste die Vorbereitung der Fusion bis zur Generalsversammlung. „Das Wagnis geht man nicht ein, wenn man nicht ein gutes Gefühl hat.“

Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne nahmen auch Berchinger Politiker dazu Stellung.Hier geht es zu den Artikeln.

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